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Aktualisiert: 26.08.2011

Programm

Im Kontext des Projektmanagements besteht ein Programm aus einer Programm-Organisation und mehreren Projekten, die gemeinsame Ziele verfolgen. Das mit dem Begriff "Programm" verbundene Konzept wird seit ungefähr 2000 auch in den Richtlinien des Projektmanagements beschrieben – z.B. erstellte das OGC im Jahr 1999 die erste Version der Richtlinie "Managing Successful Programmes" und das PMI im Jahr 2004 die erste Version seines "The Standard for Program Management".

ICB 3.0

Die ICB 3.0 beschreibt die Programmorientierung als eigenes Kompetenzelement (im Bereich der PM-Kontextkompetenz). In diesem Rahmen definiert die ICB 3.0 ein Programm als "set of related projects and organisational changes put in place to achieve a strategic goal and to deliver the benefits that the organisation expects". Die deutsche NCB übersetzt dies mit "Reihe von miteinander verbundenen Projekten und organisatorischen Änderungen, um ein strategisches Ziel zu verwirklichen und die von der Organisation erwarteten Erträge zu erzielen". Die Übersetzung von "benefits" mit "Erträge" engt den Nutzen auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt ein.

Als Merkmale eines Programms führt die ICB folgende Punkte auf:

  • Ein Programm umfasst spezifische, miteinander verknüpfte Vorhaben (Projekte und zusätzliche Aufgaben).
  • Die Vorhaben eines Programms sollen Ziele erreichen, die Bestandteile einer übergreifenden Strategie oder eines strategischen Ziels sind.
  • Aufgabe des Programms ist es, die Nutzeffekte für die Organisation zu identifizieren und ihre Realisierung zu managen.
  • Manche Projekte eines Programms werden erst im Lauf des Programms identifiziert, geplant und durchgeführt.
  • Spätere Projekte eines Programms hängen von den Ergebnissen ihrer Vorprojekte ab.
  • Das Ende eines Programms wird durch den Zeitpunkt definiert, an dem die Nutzeffekte realisiert wurden oder die Verantwortung für ihre Realisierung an die Linienorganisation übergeben wird.
  • Die Inhalte eines Programms können starken Veränderungen unterworfen sein.
  • Die Projekte eines Programms müssen beständig daraufhin überprüft werden, wie wichtig sie für die übergeordnete Strategie sind.

OGC: Managing Successful Programmes

Das Office of Government Commerce publizierte mit Managing Successful Programmes (MSP) die erste Richtlinie für Programm-Management. Mit der dritten Ausgabe von 2007 wurden die Nomenklaturen der OGC-Standards, insbesondere von PRINCE2, MSP und P3O vereinheitlicht.

Im Gegensatz zu den anderen Richtlinien definiert MSP ein Programm als "temporary, flexible organisation created to coordinate, direct and oversee the implementation of a set of related projects and activities in order to deliver outcomes and benefits related to the organisation’s strategic objectives." (übersetzt in etwa: "… temporäre, flexible Organisation, die geschaffen wurde mit der Aufgabe, eine Menge von verbundenen Projekten und Aktivitäten zu koordinieren, zu lenken und zu überwachen, und mit dem Zweck, Ergebnisse und Nutzen in Einklang mit den strategischen Zielen der Organisation zu liefern.") Wie bereits bei PRINCE2 für den Begriff "Projekt" macht das OGC auch bei MSP für "Programm" den Aspekt der Organisation (d.h. Rollen, Verantwortlichkeiten, Prozesse usw.) zum zentralen Inhalt der Definition.

Ein weiteres Spezifikum der OGC-Richtlinien ist die Unterscheidung in Output (gelieferte Leistung, Werke, Liefergegenstände), Outcomes (Ergebnisse) und Benefits (Nutzen) von Projekten und Programmen. In der Sichtweise der OGC-Richtlinie liefern Projekte einen Output, z.B. also ein neues Smartphone. Dieser Output führt erst durch die Verwendung durch die Benutzerorganisation zu einem Ergebnis, z.B. zur Erweiterung des Produktportfolios eines Mobilfunkanbieters, der das neue Gerät auf dem Markt platziert. Ein Benefit (Nutzen) entsteht aber erst dann, wenn der Business Case des Auftraggebers erfüllt wird, z.B. sich durch den Vertrieb des neuen Smartphones der Marktanteil des Mobiltelefon-Herstellers wie prognostiziert erhöht.

In diesem Sinne differenziert MSP zwischen Projekten und Programmen: Projekte liefern den Output, während Programme Ergebnisse ("Outcomes") managen. Diese Differenzierung erlaubt auch die Unterscheidung zwischen Programmen und einer einfachen Menge von Projekten: Das Ergebnis eines Programms ist mehr als nur die Nebeneinanderstellung der Ergebnisse der einzelnen Projekte. Im obigen Beispiel könnten der Mobilfunkanbieter und der Gerätehersteller durch ein gemeinsames Programm, in dem nicht nur das neue Smartphone, sondern auch neue Tarife, Software-Produkte und Marketingstrategien entwickelt werden, ein wesentlich umfangreicheres Ergebnis erzielen als durch getrenntes Vorgehen. Der erzielte Nutzen sollte dann auch höher ausfallen als die Summe der möglichen Nutzeffekte bei Einzelprojekten.

MSP zählt eine Reihe weiterer Eigenschaften von Programmen auf, die weitgehend mit den anderen Richtlinien übereinstimmen:

  • Es ist optional, ob Projekte in Programmen organisiert sind, d.h. ein Projekt kann, muss aber nicht, Teil eines Programms sein.
  • Programme haben eine längere Laufzeit als Projekte, typischerweise mehrere Jahre.
  • Während der Laufzeit eines Programms werden Projekte initiiert, durchgeführt und abgeschlossen.

MSP visualisiert den Programmbegriff mit einem Schirm, unter dem die in ihm enthaltenen Projekte koordiniert werden.

PMI: The Standard for Program Management

Auch die – als US-amerikanische Norm geltende – Richtlinie des PMI "The Standard for Program Management" definiert ein Programm als eine Gruppe verknüpfter Projekte. Als Charakteristikum für ein Programm führt diese Richtlinie an, dass die Projekte in einem Programm so koordiniert werden, dass eine bessere Steuerung erreicht und ein höherer Nutzen erzielt werden kann als wenn sie jeweils nur für sich geführt werden würden.

Als Bestandteile eines Programms führt The Standard for Program Management neben den einzelnen Projekten auch das übergreifende Management und die dafür erforderliche Infrastruktur auf.

Die strikte Trennung, die das OGC zwischen "Output", "Outcome" und "Benefit" macht, findet sich nicht in den Normen des PMI. Vielmehr stellt The Standard for Program Management bezüglich der Erzeugung von Nutzen für die Organisation Projekte und Programme auf eine Ebene. Bei einem Vergleich der beiden Richtlinie muss diese unterschiedliche Interpretation des Begriffs "Benefit" berücksichtigt werden.

Weitere Charakteristika eines Programms sind gemäß The Standard for Program Management:

    Programme dienen wie Projekte dazu, Ziele einer Organisation zu erreichen.
  • Programme stehen häufig im Zusammenhang mit einem strategischen Plan.
  • Die in einem Programm enthaltenen Projekte können bereits während der Laufzeit des Projekts Nutzen für die Organisation erzeugen.
  • Bei vielen Programmen wird der gesamte Nutzen erst am Ende der Laufzeit des Programms erzielt.
  • Erläuterungen und Kommentar

    Normen/Standards ICB 3.0 / NCB 3.0, OGC MSP:2007, PMI PgM 2008
    Englischer Begriff Program, Programme
    Weiterführende Beiträge im Projekt Magazin
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    GPM-Expertentagung zum Thema Projektportfolio- und Programm-Management

    Durch eine zunehmende Projektorientierung in den Unternehmen liegt der Fokus nicht mehr nur auf dem einzelnen Projekt. In den Mittelpunkt rückt immer mehr das Management von Projekten mit ihren gegenseitigen Abhängigkeiten, also das Programm- und Portfoliomanagement. Ein Forum für den Erfahrungsaustausch zu diesem Thema bot die zehnte Projektmanagement-Expertentagung "Projektportfolio- und Programm-Management", die in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) am 6. und 7. Mai 2004 in Fulda stattfand. Esther Blaurock hat die Tagung besucht und das Wichtigste für Sie zusammengefasst. Mehr lesen

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