Begriff: empfehlen
Aktualisiert: 01.02.2010

Projekttagebuch

Projekttagebuch im allgemeinen Sprachgebrauch

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die in geeigneter Form chronologisch abgelegten Notizen des Projektmanagers als "Projekttagebuch" bezeichnet. Nach Art eines Logbuchs hält er darin alle Vorkommnisse (z.B. Gesprächsergebnisse) fest und dokumentiert sie auf diese Weise für den späteren Gebrauch. Das Projekttagebuch dient einerseits dafür, frühere Abläufe nachvollziehen zu können, andererseits erleichtert es bei einem eventuellen Wechsel in der Projektleitung dem neuen Projektmanager die möglichst reibunglose Übernahme des Projekts. In diesem Zusammenhang ist das Projekttagebuch ein wichtiges Mittel, um die Auswirkungen des Riskos "Der Projektleiter fällt aus" zu minimieren. Eine wichtige Aufgabe kann das Projekttagebuch im Claims Management spielen, sowohl um Nachforderungen gegenüber den anderen Projektbeteiligten zu begründen, als auch um Nachforderungen der anderen an einen selbst abzuwehren. Hierfür ist es allerdings notwendig, dass es in einer Form geführt wird, die bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung Bestand hat. Z.B. muss gewährleistet sein, dass es nicht nachträglich manipuliert werden kann.

Das Projekttagebuch kann ein echtes, gebundenes Buch sein, eine zentrale Datei auf dem Projektserver oder z.B. eine eigens eingerichtete Funktion einer internet-basierenden Projektmanagement-Software.

Alles, was für ein Projekt irgendwie erwähnenswert erscheint, sollte hier eingetragen werden. Somit enthält das Projekttagebuch den tatsächlichen Ablauf eines Projekts in chronologischer Reihenfolge.

Anhand des Projekttagebuchs kann rückblickend sehr genau festgestellt werden, was wann im Projekt geschehen ist und wer welche Tätigkeiten ausgeführt hat. Dies bewährt sich oft schon während der Projektlaufzeit. So können sich z.B. Mitarbeiter nach temporären Abwesenheiten schnell einen Überblick über den Projektfortschritt verschaffen.

Beim Projektabschluss dient das Projekttagebuch zum Nachvollzug des Projektablaufs. Es wird deutlich, ab wann das Projekt aus dem Ruder gelaufen ist und wann die Projektleitung hätte eingreifen müssen, um es zu retten. Deutlich wird aber auch, welche Vorgehensweisen richtig waren und zum Projekterfolg geführt haben. Auf dieser Basis können die Erfahrungen des Projekts in Form von "Lessons Learned" formuliert werden und diese Lerneinheiten Folgeprojekten zur Verfügung gestellt werden.

Projekttagebuch bei PRINCE2

Im britischen Projektmanagementsystem PRINCE2 ist das Projekttagebuch ("Daily Log") ein offizielles Projektdokument, allerdings ohne explizite formelle Anforderungen. In der Version PRINCE2:2005 war das Projekttagebuch noch ein reines Notizbuch des Projektmanagers ohne Anbindung an die Projektmanagementprozess und anderen Managementprodukte. Seine Verwendung entsprach der allgemeinen Vorstellung - PRINCE2 hatte es als "Best Practice" lediglich übernommen.

Die aktuelle Version PRINCE2:2009 wertet das Projekttagebuch hingegen deutlich auf und weist ihm eine wesentlich größere Bedeutung zu. Es dient nicht mehr nur als Notizbuch des Projektmanagers, sondern auch als Vorstufe für das Register offener Punkte und das Risikoregister.

Der Projektmanager legt bereits im Prozess "Vorbereiten eines Projekts" unmittelbar bei seiner Ernennung das Projekttagebuch an. Offene Punkte und Risiken, die während dieses Prozesses, also vor Beginn des Projekts, erkannt werden, trägt der Projektmanager in das Projekttagebuch ein. Erst wenn das Register offener Punkte und das Risikoregister im Prozess "Initiieren eines Projekts" angelegt werden, überträgt er die als wichtig erkannten offenen Punkte und Risiken in die entsprechenden Managementprodukte.

Auch während des Projekts gestattet es PRINCE2:2009 (im Gegensatz zu seinen früheren Versionen), dass der Projektmanager offene Punkte und Risiken, die er nicht formell behandeln will, im Projekttagebuch zu verwalten.

Erläuterungen und Kommentar

Normen/Standards PRINCE2:2005, PRINCE2:2009
Weiterführende Beiträge im Projekt Magazin
Fachbeitrag
Achtung Stolperfallen!
Häufige Fehler in Software- und Multimedia-Projekten

Ein Projekt setzt alle Beteiligten großen Belastungen aus und manchmal trübt sich unter diesem Druck der Blick für das Wesentliche. Hier ist es sinnvoll, eine Liste der ganz persönlichen Stolperfallen anzulegen und während der Projektdurchführung immer wieder zu prüfen, ob wichtige Arbeitsschritte vergessen wurden oder sich altbekannte Fehler vielleicht erneut eingeschlichen haben. Frank Gürgens führt in seinem Artikel häufige Fehler von Projektleitern auf, bietet Lösungen an und liefert so die Vorlage für eine eigene Stolperfallen-Liste. Der Artikel bezieht sich zwar auf Projekte im Software- und Multimedia-Bereich, viele Ratschläge lassen sich aber auf andere Projekttypen übertragen. Mehr lesen

0
Leserbewertungen | Artikel (7 Seiten) | 2,50 € (0,00 € im Abo)
Fachbeitrag
Effizient Texte verfassen - Schreiben für Projektarbeiter

Projektanträge, Lastenhefte, Arbeitspaketbeschreibungen, Protokolle, Berichte – Projektverantwortliche verfassen laufend Texte. Die Verständlichkeit und Eindeutigkeit dieser Texte hat entscheidenden Einfluss auf den Projekterfolg: Schriftliche Projektdokumente haben im Zweifelsfall immer Vorrang vor mündlichen Absprachen. Dr. Georg Angermeier stellt einfache Methoden vor, mit denen es auch "Schreib-Muffeln" gelingt, ihre Anliegen und Ergebnisse in Schriftform verständlich zu übermitteln. Mehr lesen

4.666665
3 Leserbewertungen | Artikel (5 Seiten) | 2,50 € (0,00 € im Abo)
Fachbeitrag
Gezielt Einfluss nehmen mit maßgeschneiderten Projektberichten

Projektberichterstattung wird oft als lästige Pflichterfüllung betrachtet. Dabei ist sie eine Visitenkarte des Projekts nach außen und gleichzeitig ein wesentliches Marketing-Instrument. Wie in Marketing und Werbung gilt auch hier: Unterschiedliche Ziele und Zielgruppen erfordern unterschiedliche, individuell angepasste Maßnahmen. Manager müssen ins Boot geholt, Controller beruhigt, Mitarbeiter motiviert werden. Doch wie sieht ein Berichtswesen aus, das mit vertretbarem Aufwand eine optimale Wirkung erzielt? Dr. Peter Duwe zeigt in seinem Beitrag, worauf es dabei ankommt und gibt Tipps, wie Sie ein eigenes wirkungsvolles Berichtssystem entwerfen. Mehr lesen

3.444445
9 Leserbewertungen | Artikel (7 Seiten) | 4,50 € (0,00 € im Abo)
Fachbeitrag
Projektoptimierung mit Hilfe eines Projekttagebuchs

"Beim nächsten Projekt wird alles anders!" – und dann passieren doch wieder dieselben Fehler wie beim letzten Mal. Ein guter Vorsatz garantiert eben noch keine Verbesserung. Wer aus gemachten Erfahrungen klug werden will, muss diese nachvollziehen, analysieren und bewerten können. Eine gute Grundlage hierfür liefert das Projekttagebuch. Gisela Müller zeigt in ihrem Artikel die verschiedenen Möglichkeiten, ein solches Projekttagebuch zu führen. Mehr lesen

3.166665
6 Leserbewertungen | Artikel (3 Seiten) | 4,50 € (0,00 € im Abo)
Fachbeitrag
Krisenmanagement für Dienstleister

Ein Kunde übt an allem nur noch massiv Kritik, nimmt Projektleistungen nicht ab und zahlt letztlich nicht; langwierige Verhandlungen führen zu keinem konkreten Ergebnis – Symptome für ein in die Krise geratenes Projekt. Ähnliches hat fast jeder Dienstleister (ob Agentur, Berater oder Freiberufler) schon erleben müssen. Rechtsanwalt Christoph Hohenegg schildert in seinem Artikel Maßnahmen für ein funktionierendes Krisenmanagement: zur Verhinderung, Früherkennung und Bewältigung von Krisen. Mehr lesen

0
Leserbewertungen | Artikel (4 Seiten) | 2,50 € (0,00 € im Abo)