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Projektarbeit: Was nützen Methoden und Handreichungen?

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Jedes Projekt braucht einen Business Case! Oder doch nicht?

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Beiträge (1)
georg_angermeier

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Mi, 08.02.2012 16:18

Im öffentlich zugänglichen Projektmanagement kompakt (http://www.projektmagazin.de/projektmanagement-kompakt) habe ich eine Definition für den Begriff "Projekt" erstellt, die alle Aspekte integrieren soll, die ich in den Definitionen der diversen Standards gefunden habe und für zentrale Eigenschaften eines Projekts halte.
Als Andreas Heilwagen diese Definition in seinem Blog Unlocking Potential aufgriff, entzündete sich daran eine kontroverse und vielschichtige Diskussion http://unlocking-potential.de/2012/02/02/wieder-eine-neue-definition-von..., die auch in mehreren Folge-Postings fortgeführt wurde.
Als einer der größten Streitpunkte stellte sich dabei heraus, dass ich in meiner Definition – in Anlehnung an die Definition bei PRINCE2 – einen Business Case als unverzichtbares Charakteristikum eines Projekts fordere.
Dieser Ansicht bin ich nach wie vor. Für mich muss ein Vorhaben, damit es Projekt genannt werden darf, unbedingt einen Business Case haben! Dabei verstehe ich unter einem Business Case in erster Linie die Kosten/Nutzen-Abwägung, die der Auftraggeber des Projekts verantwortet und als eines der wichtigsten Rahmenbedingungen an den Projektmanager übergibt. Der Projektmanager muss nun das Projekt so steuern, dass seine Ergebnisse die Anforderungen des Business Cases erfüllen können. Natürlich enthält ein Business Case noch viel mehr Informationen und kann bei Bedarf sehr komplexe Berechnungen aufweisen. Kernpunkt meiner Forderung ist aberJedes Projekt ist eine Investition und diese Investition muss eine dokumentierte Rechtfertigung haben.
Was ist Ihre Meinung? Gibt es Ihrer Ansicht nach Projekte ohne Business Case? Ist es sinnvoll, den Business Case zum definitorischen Bestandteil eines Projekts zu machen? Ich bin auf Ihre Beiträge gespannt!

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion!

Georg Angermeier

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marcus

Beiträge: 3
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Do, 09.02.2012 09:48

Hallo Herr Angermeier,

die Forderung nach einen Business-Case finde ich unpassend, schließt sie doch per Definition alle gemeinnützigen, nun ja, Projekte aus.
Und wie sollen die dann geführt werden, ist das dann nicht Projektmanagement? Ich glaube ehrlich gesagt, das ist sogar das "reinere" Projektmanagement, weil es sich um Freiwillige handelt, die man eben nicht mit Geld ködern kann. Übrigens gab es hierzu eine interessante Diskussion vor Kurzem auf Google+ https://plus.google.com/113638668949851275808/posts/3SXxVpuoyo1

Ich denke statt des zu engen Fokus auf einen monetären Business-Case, sollten Projekte einen Sinn haben, der dann tatsächlich ein Business-Case sein kann, aber nicht muss.

Mit besten Grüßen,
Marcus Raitner

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NeubauerSim

Beiträge: 1
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Do, 09.02.2012 15:29

Guten Tag Herr Angermeier,

ich bin mit Ihnen der Meinung einen Business-Case als festen Bestandteil jedes Projektes zu sehen. Die geschäftliche Rechtfertigung ist die oberste Instanz des Vorhabens und kann sich im Projektverlauf stetig ändern. So kann es vorkommen das Projekte "erfolgreich"(time, budget, quality) gemanagement wurden, sie jedoch bei nicht-Beachtung des Business-Case völlig "nutzlos" sind.

Ich bin nicht der Meinung, dass ein Business-Case per Definition alle gemeinnützigen Projekte ausschließt. Die geschäftliche Rechtfertigung muss nicht ausschließlich Kosten-/Nutzen Fragen beantworten.
NPO´s verfolgen mit gemeinnützigen Projekten u.A andere Interesse als Kosten-/Nuzten.

Mit freundlichen Grüßen
Simon Neubauer

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georg_angermeier

Beiträge: 14
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Do, 09.02.2012 22:37

Hallo Herr Raitner und Herr Neubauer,

herzlichen Dank für Ihre Beiträge!

Ich möchte auf zwei Punkte eingehen:

1. Gemeinnützigkeit / Non-Profit / Not-for-Profit
2. Business Case - was ist Nutzen?

Zu 1:
Gemeinnützigkeit bedeutet lediglich, dass der Organisationszweck nicht in der Erzielung eines Gewinns besteht. Wenn wir uns die gemeinnützigen Organisationen in Deutschland anschauen, so werden wir feststellen, dass sie zum einen sehr große Arbeitgeber und auch Umsatzträger sind (z.B. die Wohlfartsorganisationen) und zum anderen ihre Projekte weit härter kalkulieren (müssen!) als kommerzielle Unternehmen - gerade deswegen, weil sie ja keine Gewinne erzielen dürfen. Dies ist ein Aspekt, der vielfach übersehen wird: Ein Business Case stellt auch dar, wie ein Projekt finanziert wird. Bei einem gemeinnützigen Projekt wird genau dieser Punkt weit ausführlicher darzustellen sein als bei einem kommerziellen Projekt.

zu 2:
Vielleicht wird der Begriff "Business Case" durch seine umgangssprachliche Verwendung missverstanden. Umgangssprachlich bedeutet "Business Case" ja meistens ganz einfach "Gewinn". Ein Business Case ist aber lediglich ein Dokument, das unter anderem Kosten, Nutzen und Finanzierung eines Vorhabens beschreibt. Das kann z.T. sehr aufwendig mit Szenarien und komplexen betriebswirtschaftlichen Berechnungen erfolgen. Aber das hängt völlig vom Vorhaben und der Projektumgebung ab. Und immer dann, wenn ich ein Projekt durchführe, muss ich darlegen, welche Aufwände entstehen, wie diese Aufwände gedeckt werden - und sei es ehrenamtliche Arbeit - und welchen Nutzen für wen dieses Projekt haben soll.

Ein ganz konkretes Beispiel möchte ich - Herr Raitner - benennen: Wenn wir den Aufbau von OpenPM als Projekt betrachten, dann werden dort immer mehr Elemente des zugrunde liegenden Business Cases deutlich: Gründung eines Vereins als Trägerorganisation, der über Mitgliedsbeiträge und/oder ehrenamtliche Arbeit die Verwaltungsaufwände trägt. Sponsoring durch Software-Unternehmen für die IT-Infrastruktur. Beabsichtigter Nutzen: Wissen über Projektmanagement unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Das sind erste Elemente eines entstehenden Business Cases. Und der Erfolg von OpenPM wird davon abhängen, ob es gelingt, einen dauerhaft tragfähigen Business Case umzusetzen.

Mir scheint, dass zumindest der Begriff "Business Case" in der Definition präzisiert oder durch eine Anmerkung erläutert werden sollte.

Beste Grüße und viel Erfolg in Ihren Projekten!

Georg Angermeier

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thomas.michl

Beiträge: 1
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Fr, 10.02.2012 00:55

Sehr geehrter Herr Angermeier,

als ich heute Nachmittag die ersten Beiträge gelesen habe, hatte ich eigentlich entschieden in Bezug auf gemeinnützige Organisationen zu widersprechen. Mit ihrem letzten Beitrag allerdings haben Sie meinem geplanten Einwurf den Wind aus den Segeln genommen, gleichzeitig aber auch auf etwas hingewiesen, was mir in meiner Tätigkeit in Projekten im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements immer wieder aufgefallen ist: die Verwendung von Managementtermini führt sehr schnell zu Mißverständnissen(in solchen Projekten).

Sicherlich auf den ersten Blick schwierig ist die Übertragung der Defintion auf den Bereich des Bürgerschaftlichen Engagments, in dem es nicht immer eine trennscharfe Zuordnung der Rollen gibt. Die Rollen des Auftraggebers, Kunden und Projekteams sind in solchen Projekten sehr häufig eng verzahnt und eine ökonomisch-betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise im engeren Sinne ist nicht zielführend, denn auch nicht-monetäre Aspekte spielen eine erhebliche Rolle. Insofern ist der Begriff Business Case in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht ohne weitere Erläuterung tatächlich irreführend.

An dieser Stelle möchte ich auf die Diskussion auf Google+, die bereits Markus Raitner erwähnt hat, verweisen: https://plus.google.com/113638668949851275808/posts/3SXxVpuoyo1

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Michl

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marcus

Beiträge: 3
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Fr, 10.02.2012 10:08

Hallo Herr Angermeier, hallo Thomas,

tatsächlich hatte ich gestern auch schon das Bedürfnis den Begriff Business-Case zu präzisieren. Für mich hat Business-Case immer etwas zu tun mit monetärer Nutzen > Kosten. Wenn man das aber allgemeiner definiert, wie Herr Angermeier, als Dokument das die Kosten und den Nutzen (auch den nicht monetären) darlegt, dann ist das auch und gerade für gemeinnütziges Engagement sinnvoll. Denn insbesondere die Kosten (auch die ehrenamtlichen Aufwände) sollte man dort ganz besonders im Blick haben. Wie Thomas Michl aber richtig schreibt: in diese Begriffsfalls tappen sicherlich viele und daher müssen wir mit der Verwendung des Begriffs vorsichtig sein. Grundsätzlich muss jedes Projekt Kosten und Nutzen im managen. Wenn wir die Grundlage dafür Business Case nennen wollen und das richtig definieren, dann braucht tatsächlich jedes Projekt einen Business Case.

Grüße,
Marcus Raitner

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susanne.bartel

Beiträge: 3
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Fr, 10.02.2012 13:03

Hallo zusammen,

zunächst Danke an Herrn Angermeier, dass er diese interessante Diskussion in Gang gesetzt hat.

Mir schien beim Durchlesen auch die genaue Definition des Begriffes "Business Case" ein wesentlicher Punkt zu sein. Ich glaube, es gibt da eine große Bandbreite an Interpretationen.

An dieser Stelle ist es sicher interessant, sich die Prince2, 2009 Definition des Business Cases anzusehen ("Erfolgreiche Projekte managen mit Prince2", OGC, 2009, S. 24).

Die geschäftliche Rechtfertigung liefert den Grund, warum es überhaupt ein Projekt gibt. Ohne eine solche Rechtfertigung sollte kein Projekt in Angriff genommen werden.

4.2.3 Die verschiedenen Arten eines Business Case

Die Gründe, warum Projekte in Angriff genommen werden, können sehr unterschiedlich sein und werden durch die Projektumgebung beeinflusst. Es hängt stark vom Typ eines Projekts ab, welche Zielsetzungen definiert werden, die anfangs der Überprüfung dienen, ob ein Projekt überhaupt wünschenswert ist, und später, ob die Produkte des Projekts den beabsichtigten Zweck erfüllen. Wie diese Zielsetzungen gemessen werden, ist je nach Projektart unterschiedlich. Es gibt beispielsweise
- Gesetzlich oder anderweitig vorgeschriebene Projekte
- Gemeinnützige Projekte
- Sich noch entwickelnde Projekte
- Kunden-/Lieferanten-Projekte
- Organisationsübergreifende Projekte

Einige dieser Projekte werden hauptsächlich nach ihrer Rentabilität beurteilt, während bei anderen (insbesondere bei vorgeschriebenen oder gemeinnützigen Projekten) der nicht-monetäre Nutzen im Vordergrund steht.
Ganz gleich, welches Beurteilungskriterium angewendet wird, es muss immer im Vergleich zum vorgesehenen Investitionsbetrag geprüft werden, ob der voraussichtliche Nutzen wünschenswerter, lohnender und besser realisierbar ist als bei anderen Alternativen.

Damit ist Prince2 in seiner Definition sehr offen, was aufgrund der breiten Anwendung auch im Government / NFP-Bereich nicht überraschend ist.

Beste Grüße,

Susanne Bartel

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