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Thema: Nachteile der Earned Value

Guten Abend,

ich schreibe gerade eine Diplomarbeit über Projektmanagement - genauer gesagt über geeignete Methoden und deren Bewertung. Bin gerade dabei, etwas über die Earned Value-Analyse zu verfassen.
Kann mir jemand auch die Nachteile dieser Methode nennen? In der Literatur und Fachartikeln werden die leider kaum erwähnt. Habe bis jetzt nur einen "sinnvollen" Nachteil gefunden - dass die Earned Value einen erheblichen Aufwand verursacht.
Aber das kann doch nicht alles sein?

Re: Nachteile der Earned Value

Ein Problem des EVM ist, dass ie von einem linearen Projektfortschritt ausgeht und eben nur das Magische Dreieck berücksichtigt. Aspekte wie Qualität, Kundenzufriedenheit und business value bleiben unberücksichtigt.

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Re: Nachteile der Earned Value

Den Ausführungen von Herr Heilwagen stimme ich vollkommen zu.
Allerdings sehe ich beim Earned Value Management keinen besonderen Aufwand, es sei denn, man macht eine komplizierte Wissenschaft daraus. Wenn Sie im einfachsten Fall den Earned Value dadurch bestimmen, welche Aufgaben erledigt sind, dann gibt es nicht viel Rechnerei, bzw. das erledigt die Software automatisch. Und mindestens eine Rückmeldung darüber, was erledigt ist, braucht jeder Projektmanager, sonst macht er seinen Job nicht.

Einen klaren Nachteil des Earned Value Managements sehe ich nicht in seiner Methode, sondern in seiner falschen Anwendung oder Interpretation durch die Projektleiter oder anderen Projektverantwortlichen. Ein Projekt ist ein komplexes, nicht lineares System mit vielen Steuerungsmöglichkeiten.  Die Prognosefunktionen der Earned Value Analyse liefern wertvolle Hinweise - aber keinesfalls echte "Prognosen". Wer dies nicht versteht, kann gewaltige Bauchlandungen erleben: "Aber bis vorgestern war der SPI noch bei 97,567%", sagte der Projektleiter, als ein Risiko eintrat, durch das das Projekt doppelt so lange wie geplant dauern würde ...

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Re: Nachteile der Earned Value

Ohne die Integration von Systemen, welche Daten bereitstellen und ohne Schulung der beteiligten Personen führt Earned Value zu keinem Mehrwert für ein Unternehmen
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Insbesondere wenn EVM ohne den notwendigen Pragmatismus angewendet wird, kann es leicht zu einemr bürokratischen „overkill“ kommen.
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Trügerische Sicherheit durch Kennzahlen. Eine isolierte Kennzahl sagt nicht viel aus. Kennt man die Methode (Bewertung des Fertigstellungsgrades) nicht, so kann man den EV nicht richtig interpretieren, d.h. wenn die Kennzahl nicht kommentiert wird, kann sich auch eine verfälschte Sicht auf den Projektstand ergeben
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Der kritische Pfad wird in EVM nicht berücksichtigt.
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Earned Value kostet Geld.
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Earned Value lässt sich nicht all alle Projekte adaptieren.
(agile Projektmethoden, Coaching Projekte etc)
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EVM ist nicht sinnvoll anwendbar wenn
* Es gibt keine vollständige detaillierte Projektplanung
* Es gibt nur wenige Arbeitspakete
* Es gibt nur sehr grosse Arbeitspakete
* Es gibt viele kleine Arbeitspakete
* Arbeitspakete mit keinem messbaren Output
* Termine werden nicht eingehalten oder häufig verschoben
* Arbeit & Material sind nicht getrennt
* Teilaufgaben sind schlecht geschätzt
* Bewertungstechnik „Menge nach Aufwand“ wird zu oft eingesetzt
* Arbeits-Zeiten werden „einfach so“ auf das Projekt gebucht
* Projektfortschritte werden nicht korrekt gemeldet (wir sind bei 90%.. statt bei 10%)
* Arbeits-Zeiten werden nicht gemeldet oder nicht erfasst
* Projektänderungen (zumeist im Sinne von mehr Funktionalität, bessere Qualität etc)
  sind „alltäglich“ und haben keinerlei Einfluss auf Kosten & Termine.
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Re: Nachteile der Earned Value

In der Natur des EVM liegt auch, das es ein aktueller Blick auf Projekt bzw. seine Teile darstellt. Viele verstehen das nicht und denken, das mann auch mal in der Vergangenheit oder Zukunft (je nach Möglichkeiten der Software) mit den gleichen Ist-Daten den EVM bestimmen, auswerten und kommunizieren kann. Damit operiert mann mit falschen Zahlen die nicht immer trivial sind.

Dies ist also nicht Nachteil des EVM sondern deren falschen Anwendung aus Unkenntnis. Die verwendete Software spielt dabei eine grosse Rolle.

Deswegen sind Schulungen und Aufklärung der Projektmanager/-leiter was die Anwendung des EVM angeht, sehr wichtig.

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Re: Nachteile der Earned Value

Ich würde das jetzt nicht als Nachteil im eigentlichen Sinne bezeichnen, aber EV kann in einer Organisation nur "funktionieren" wenn diverse Voraussetzungen geschaffen sind doder werden. Einige davon sind hier schon angeklungen.
Zum Beispiel müssen die Personen die mit EV in Berührung kommen sollen oder müssen, geschult werden.
Die Methodik muss verstanden worden sein so dass die Ergebnisse korrekt interpretiert werden können.w. ist praktisch wertlos.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt sind die zuliefernden Einheiten wie die Projektmitarbeioter einerseits aber bspw. eine Controlling andererseits welche die kfm. Daten zuliefert.
Ohne vernünftigen Input klann EV nicht funktionieren bzw. ist praktisch wertlos.
Garbage in, garbage out.
Das Argument  bezgl. des hohen Aufwandes ist für mich allerdings nicht recht nachvollziehbar, denn ich kann EV auch bereits mit einem sehr überschaubaren Aufwand einführen und praktizieren, vorausgesetzt die angesprochenen Voraussetzungen sind gegeben und man hat Leute die pragmatisch da ran gehen können und keine Wissenschaft daraus machen wollen.

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Re: Nachteile der Earned Value

Viel Richtiges ist bereits gesagt. Ich habe beim Versuch EVM einzusetzen 3 wesentliche Erfahrungen gemacht.
1. Es kommt erheblich darauf an, dass die Arbeitspaketinhaber beim monatlichen Abfragen auch die Wahrheit sagen. Das ist bei Softwareerstellung besonders schwierig, da selten ohne großen Aufwand überprüfbar.
2. In mitbestimmten Unternehemen ist die Einführung durch den Betriebrat zu genehmigen, da es sich um eine besondere Art der Überwachung der Mitarbeiter handeln könnte. Hier ist Vorsicht geboten, und intensiver Aufklärungsbedarf steht an.
3. Bei Arbeitspaketen, die an Dritte außenstehende, wie z.b. Unterlieferanten oder Dienstleistern vergeben werden, ist die Kontrolle bzw. Abfrage des Fortschritts nicht einfach. Viele Lieferanten wollen sich nicht in die Karten schauen lassen. Hier wäre zu empfehlen - zumindest bei den wesentlichen Zulieferern - entprechende Methodik im Vertrag zu vereinbaren und auch die Möglichkeit der Plausibilitätsprüfung vor Ort zu haben.
Es kommt im Wesentlichen darauf an, dass der Aufwand und der Nutzen bei Anwendung der EVM in einem sinnvollen Verhältnis steht. Ein blindes Vertrauen auf die Ergebnisse können schnell den Blick für aktuelle und potentielle Risiken trüben. EVM kann ein gutes tool sein, darf aber m.E. niemals das einzige tool sein.

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Re: Nachteile der Earned Value

Ob EVM die richtige Methode ist? Ich habe mittlerweile sehr viele Methoden und neue bzw. auch aufgewärmte „Worthülsen“ kennen gelernt.
A)    kann ich nach 30 Jahren Projektgeschäft noch immer nicht sagen welche Methode 100% für welches Projekt passt
B)    Im IT Geschäft killed der Projekt-Overkill meistens das Projekt (man kommt mit den Dokumentieren nicht nach)
C)    Kennzahlen ohne Kontext geben keinen erfolgversprechenden messbaren Wert ab
D)    Glaube ich, Projekte scheitern an den Ausführenden und nicht an der verwendeten Methode
Kennen Sie das EVA Prinzip? Eingang, Verarbeitung Ausgang. Man könnte PM Arbeit auf diese Formel reduzieren. Eingang = Ziele, Verarbeitung = Auftrag ausführen, Ausgang = Lieferung (in der vorgegebenen Zeit, Budget und vereinbarten Qualität) und dem Ganzen lege ich TQM Zugrunde. Was möchte ich damit ausdrücken? Die Verantwortung für Projekte liegt beim Sponsor, beim PM und dem Team. Aufgabe des PM ist es, je nach Situation, die Prozesse anzupassen, Dokumentation im notwendigen Rahmen zu produzieren, flexibel auf Veränderungen reagieren usw. Sollte ein PM nur anhand von Papiervorgaben bzw. einer Methode arbeiten können dann sollte er sich eine andere Aufgabe suchen.
Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor sie fahren mit dem Auto von A nach B. Wenden wir nun das EVA Prinzip an. E=einsteigen, V = starten, fahren, A = am Zielort ankommen. V ist in der Hauptverantwortung des Lenkers, sprich den PM. Stellen Sie sich vor, der Lenker fährt genau die Geschwindigkeit welche auf den Verkehrstafeln steht ungeachtet der Verkehrssituation, den anderen Verkehrsteilnehmer und der Umweltgegebenheiten. Das führt zum Crash. Genauso werden viele Projekte gemanagt ungeachtet welche Methode zum Einsatz kommt.