Verbände und Unternehmen kritisieren Abwicklung der Energiewende
(09.01.2012) Mehrere Verbände und Unternehmen haben in den vergangenen Wochen den Kurs der Bundesregierung bei der Energiewende kritisiert. So forderte Siemens-Vorstandschef Peter Löscher letzte Woche in der "Welt" eine klar erkennbare Strategie für den Atomausstieg sowie für die Umstellung der Stromversorgung. Es sei noch nicht deutlich, wer dafür verantwortlich sei, wer Ziele definiere und auch deren Erreichen überwache.
Weiter kritisierte Löscher die unkoordiniert wirkende Zusammenarbeit der beiden zuständigen Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft. Im Zuge dessen regte er die Ernennung eines zentralen Koordinators an (s. auch: Klaus Töpfer fordert Projektmanager für Energiewende, News vom 30.11.2011) und verlangte unter anderem, bestimmte Verfahren deutlich zu beschleunigen. So müsse in Deutschland ein Offshore-Windpark bis zur Fertigstellung nacheinander bis zu 40 Einzelgenehmigungsverfahren bei den unterschiedlichsten Behörden durchlaufen, was einen immensen Zeitbedarf erfordere und den Zeitplan für die Energiewende gefährde.
Hildegard Müller, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), plädierte im Nachrichtenmagazin "Focus" dafür, die Kosten für die Energiewende nicht allein den Verbrauchern aufzubürden. Man dürfe die in der Bevölkerung notwendige Akzeptanz für die Energiewende nicht überstrapazieren, sagte die BDEW-Chefin. Sie schlug vor, die staatlichen Einnahmen aus dem Strompreis mit Priorität auch für die Infrastrukturprojekte und damit für das Gelingen der Energiewende zu verwenden.
Bereits Mitte Dezember forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von der Bundesregierung mehr Anstrengung bei der Umsetzung der Energiewende. So benötige man ein Projektmanagement mit dem klaren Auftrag, die Energiewende zum Erfolg zu führen, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Die Energiewende komme "nicht von allein". Als Herausforderung bezeichnete er insbesondere den Bau flexibler Kraftwerke auf Erdgasbasis für den Übergang, den Um- und Ausbau der Stromnetze sowie die Schaffung großer Stromspeicherkapazitäten. (mz)
Weitere Informationen: Focus Online www.focus.de; dpa www.dpa.de; Welt Online www.welt.de; Strom-Magazin.de www.strom-magazin.de


