Begegnung zweier Welten: Der 17. IPMA Weltkongress in Moskau

Rund 600 Teilnehmer aus 38 Nationen trafen sich beim diesjährigen Kongress der International Project Management Association (IPMA) in Moskau, der unter dem Motto "Project oriented business and society" stand. Die Wahl des Tagungsorts sollte gleichzeitig die Annäherung von östlicher und westlicher PM-Welt fördern. Diskutiert wurden Themen wie der zu geringe Einfluss der PM-Verbände weltweit, die mangelnde Praxistauglichkeit der immer komplexer werdenden PM-Modelle des Westens und die sehr verschiedenen Erwartungen von Ost und West an das Projektmanagement. Dr. Peter Duwe war dort und hat die wesentlichen Punkte für Sie zusammengefasst.

Begegnung zweier Welten: Der 17. IPMA Weltkongress in Moskau

Rund 600 Teilnehmer aus 38 Nationen trafen sich beim diesjährigen Kongress der International Project Management Association (IPMA) in Moskau, der unter dem Motto "Project oriented business and society" stand. Die Wahl des Tagungsorts sollte gleichzeitig die Annäherung von östlicher und westlicher PM-Welt fördern. Diskutiert wurden Themen wie der zu geringe Einfluss der PM-Verbände weltweit, die mangelnde Praxistauglichkeit der immer komplexer werdenden PM-Modelle des Westens und die sehr verschiedenen Erwartungen von Ost und West an das Projektmanagement. Dr. Peter Duwe war dort und hat die wesentlichen Punkte für Sie zusammengefasst.

Seit gut dreißig Jahren lädt die International Project Management Association IPMA zu ihren Kongressen für Theoretiker und Praktiker des Projektmanagements ein. Ziel dieser Veranstaltungen ist seit jeher, den Stand der Wissenschaft darzustellen, Trends zu diskutieren und den Austausch zwischen Theoretikern und Praktikern anzuregen.

In diesem Jahr richtete die russische Gesellschaft für Projektmanagement, SovNet, den Kongress vom 4. bis 6. Juni aus. Die Wahl der Hauptstadt der Russischen Föderation als Veranstaltungsort sollte speziell die noch geringe Kommunikation zwischen Projektmanagement-Spezialisten in Ost und West fördern.

Moskau empfing die Teilnehmer des 17. Weltkongresses mit Kälte und Regen. Die Freundlichkeit, mit der die Veranstalter von SovNet ihre Gäste willkommen hießen, machte dies jedoch mehr als wett - auch wenn die SovNet ein paar organisatorische Schwächen nicht verbergen konnte, beispielsweise bei der Registrierung der Teilnehmer oder der Zuteilung von Chair-Leuten zu den Sessions. Mir wäre auch ein Tagungsband lieb gewesen, um während der Veranstaltung einen Blick in die schriftlichen Unterlagen der Vortragenden zu werfen. Die elektronisch aufbereiteten und als CD verteilten Tagungsunterlagen waren aber vorbildlich.

Der Einfluss des Projektmanagements auf Wirtschaft und Gesellschaft

Die etwa 600 Teilnehmer aus 38 Nationen setzten sich auch in diesem Jahr wieder aus Vertretern von Universitäten, Praktikern aus der Industrie sowie Beratern und Trainern zusammen, die sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich Projektmanagement austauschen, neue Kontakte knüpfen und alte pflegen wollten. Für eine Reihe von Teilnehmern, speziell aus dem Beratungs- und Schulungssektor, war die Sondierung des russischen Markts ein wesentliches Anliegen, während Universitätsvertreter nach Kooperationspartnern Ausschau hielten.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Project oriented business and society". Und so orientierten sich auch die Themen der streams und der Key Note Speaker am Einfluss der PM-Methoden auf Wirtschaft und Gesellschaft. In der Eröffnungsrede beschwor Vladimir I. Voropajew die Verbindung zwischen Asien und Europa, die erneuert werden müsse. Dies wurde symbolträchtig durch das Verknüpfen zweier Bänder dargestellt.

Marginaler Einfluss der Modelle aus den PM-Verbänden

Schon in einer der ersten Key Notes nahm Peter Morris kritisch den Einfluss der Projektmanagement-Fachverbände unter die Lupe. Er kam zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der Einfluss der Verbände weltweit marginal ausfalle. Diese seien in den Bereichen, in denen Projektmanagement in der Wirtschaft im großen Stil betrieben wird, nahezu unsichtbar. Als Beispiel nannte Morris die Bauindustrie, die zwar über ein ausgefeiltes Projektmanagement-Modell verfüge, welches durch die Modelle der IPMA oder PMI aber nicht erfasst wird.

Zudem seien die Modelle, die beispielsweise im PMBOK der PMI oder ähnlichen Wissensspeichern beschrieben werden, einerseits sehr komplex, andererseits aber nicht ausreichend zur Bewältigung der real vorgefundenen Komplexität. Das bedeute, dass die von den Verbänden ausgebildeten Spezialisten in der Praxis ihr erworbenes Wissen um weitere Elemente erweitern müssen. Auf der anderen Seite müssten sie aber die Komplexität ihres Modells reduzieren, damit ihre Kunden sie verstehen könnten.

Dasselbe Dilemma aus zu hoher Komplexität und nicht ausreichender Abdeckung trifft auch auf PM-Tools zu: Die meisten sind nur von Experten bedienbar, was ihre praktische Nutzung (nicht unbedingt ihre Verbreitung) im Alltag eher einschränkt. Viele Hersteller reagieren bereits und äußern die Absicht, ihre Tools zu vereinfachen.

Mit seiner Key Note griff Morris den Tenor einiger Artikel auf (z.B. Steven Pender, siehe "Literatur"), die in den letzten Jahren auf konkreten Weiterentwicklungsbedarf speziell des PMBOK hingewiesen haben. Die dort angeführte Kritik ist exemplarisch zu verstehen - sie trifft auf andere Modelle ebenso zu.

Bild 1: Der diesjährige IPMA Weltkongresses in Moskau stand unter dem Motto "Project oriented Business and Societety".

Projektmanagement in der GUS nach dem Neubeginn

In den Vorträgen wurde deutlich erkennbar, was Professor Voropajew schon in seiner Rede zur Eröffnung angemerkt hatte: Projektmanagement wie wir es heute betreiben, steckt in den GUS-Staaten noch weitgehend in den Kinderschuhen. So konnte beispielsweise die Vertreterin der soeben neu gegründeten PM-Vereinigung von Kasachstan alle zertifizierten Projektleiter des Landes namentlich nennen: Es sind sieben Personen.

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