Zwischen Ergebnisdruck und Innovation: Das Management von IT-Forschungsprojekten

Der erfolgreiche Abschluss wissenschaftlicher IT-Projekte ist oft dadurch gefährdet, dass das Ziel nicht hinreichend konkret formuliert ist, ein geeignetes Vorgehensmodell fehlt oder die fachliche und disziplinarische Führung der Mitarbeiter vernachlässigt wird. Dr. Timo Borst erklärt in seinem Beitrag anhand eines Beispiels, wie man diese Gefahren in der Praxis minimieren kann, indem man auf diesen Projekttyp angepasste PM-Methoden einsetzt.

Das Management wissenschaftlicher IT-Projekte gewinnt zunehmend an Bedeutung. So sind im Rahmen des 7. Europäischen Rahmenprogramms zur gesamteuropäischen Forschungsförderung allein für Verbundprojekte aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zwischen 2007 und 2013 9,1 Milliarden Euro vorgesehen.

Allerdings ist die gelungene Organisation, Durchführung und Leitung sowohl von IT-Projekten als auch von Forschungsprojekten sehr anspruchsvoll. Wissenschaftliche IT-Projekte sind eine Kombination von beidem und zeichnen sich durch eine Reihe spezifischer Herausforderungen und Fallstricke aus:

  • Die Rahmenbedingungen und der Projekttyp werden oft nicht richtig erkannt oder sogar ignoriert.
  • Die Zielvorgabe beschreibt meist nicht das konkrete Projektergebnis.
  • Dem Projekt fehlt ein Vorgehensmodell, das nicht nur theoretisch beschrieben, sondern von den Beteiligten auch "gelebt" wird.
  • Die fachliche und disziplinarische Führung der wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie ihre Führung im Projekt wird oft vernachlässigt.

Für einige typische Handlungsfelder wissenschaftlicher IT-Projekte werden im Folgenden die Gefahren beschrieben, die sich daraus für den Projekterfolg ergeben. Mit Hilfe bewährter Methoden des Projektmanagements wie z.B. Kick-off-Meetings lassen sich diese Gefahren vermeiden, wenn die spezifischen Anforderungen dieser Projektart berücksichtigt werden. Vorschläge für konkrete Maßnahmen geben Projektverantwortlichen und Führungskräften Hilfestellung bei der erfolgreichen Gestaltung ihrer Vorhaben.

Vier Projekttypen bestimmen die Rahmenbedingungen

Forschungsprojekte lassen sich nach Art der Aufgabenstellung und nach der sozialen Komplexität charakterisieren. So unterscheiden Boos und Heitger vier Projekttypen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Vier Typen wissenschaftlicher IT-Projekte.

Viele Probleme bei der Durchführung wissenschaftlicher IT-Projekte resultieren daraus, dass der richtige Projekttyp im Vorfeld nicht erkannt wird. So kann sich beispielsweise ein als Standard-Projekt eingestuftes Forschungsprojekt bei der Durchführung als Akzeptanz-Projekt herausstellen. Die Projektleitung hat in diesem Fall ihr Augenmerk hauptsächlich auf die "Lösung" gelegt und (potenzielle) Anwendergruppen und -szenarien nicht oder nicht rechtzeitig beachtet. Werden Anwenderanforderungen erst nachträglich berücksichtigt, liegt der Aufwand für das Erreichen des Projektziels um ein Vielfaches höher.

Es kann auch geschehen, dass sich der Projekttyp während der Laufzeit ändert. Das ist z.B. der Fall, wenn sich ein ursprünglich als Akzeptanz-Projekt eingestuftes IT-Forschungsprojekt zu einem Standard-Projekt wandelt und eine Lösung im

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