Wie lässt sich das Verhalten meiner Mitarbeiter ändern?

Führungskräfte machen oft die Erfahrung, dass Mitarbeiter ihr Verhalten selbst dann nicht ändern, wenn eine Verhaltensänderung aus wichtigen Gründen geboten ist. Warum ist das so? Man sollte doch meinen, dass Menschen eine Situation sachlich bewerten und entsprechend handeln. Der Hirnforscher und Philosoph Prof. Dr. Dr. Roth erklärt, warum es uns oft irrational erscheint, was andere tun und warum es so schwierig ist, das Verhalten von Menschen zu ändern.

Menschliches Verhalten gilt gemeinhin als hochgradig veränderbar und von Verstand und Einsicht geleitet. Man kann sich verändern, wenn man nur will. Ein vernünftiger Mensch - so glaubt man - reagiert rational auf gut begründete oder anderweitig zwingende Veränderungen der gegebenen Verhältnisse. Veränderungen sind gelegentlich in allen Lebensbereichen notwendig, sei es Wirtschaft, Schule, Universität oder Familie. Beispielsweise müssen die Unternehmensziele oder der Betriebsablauf verändert werden oder es ist erforderlich, einem Mitarbeiter einen neuen Aufgabenbereich zuzuweisen. In solchen Situationen wäre also zu erwarten, dass der Mitarbeiter rational reagiert und sein Verhalten problemlos den neuen Gegebenheiten anpasst.

Falls es einmal in Ihrer Verantwortung lag, eine Veränderung in Ihrem Unternehmen herbeizuführen, haben Sie aber vielleicht etwas anderes erlebt und eine der folgenden Erfahrungen gemacht:

  1. Die betreffende Person hört Ihre klar formulierten und in Ihren Augen zwingenden Argumente an, akzeptiert sie aber nicht.
  2. Die betreffende Person verspricht aufrichtig, Ihre Forderungen umzusetzen, aber nichts passiert.
  3. Die Person beginnt mit der Umsetzung Ihrer Forderungen. Nach kurzer Zeit aber ist alles wieder beim Alten oder die Veränderungen laufen anders als von Ihnen gewollt.

Nur in den wenigsten Fällen erfolgt die Veränderung genau so, wie sich die Verantwortlichen das wünschen. Warum ist das so?

Wie veränderbar ist der Mensch?

Menschen werden nicht allein von Einsicht geleitet. Vielmehr tun sie in aller Regel das, was die in ihrer Persönlichkeit verankerten unbewussten Motive und bewussten Ziele ihnen vorgeben. Anderen erscheint dieses Verhalten oft irrational. Menschen sind überwiegend innengesteuert, und wenn sie sich ändern, dann überwiegend "von innen heraus".

Lebensumstände ändern sich - die Persönlichkeit nicht

Tiefgreifende Veränderungen sind, wie viele Langzeituntersuchungen bestätigen, im Erwachsenenalter relativ selten. Erwachsene können sich ändern, was Nebensächlichkeiten betrifft. Im Hinblick auf wesentliche Aspekte, wie die Lebensführung oder Dinge von hohem emotionalen Wert, verändern sie sich aber in der Regel nicht. Änderungen, die von außen bedingt sind, werden meist in bemerkenswerter Weise ausgeglichen, auch wenn sie schwerwiegend sind wie der Verlust eines nahen Angehörigen. Nur eine Minderheit lässt sich von äußeren Einflüssen nachhaltig positiv oder negativ beeinflussen. Menschen passen ihre Persönlichkeit und Lebensführung meist nicht den wechselnden Lebensumständen an. Stattdessen suchen sie sich - wie es der Berliner Persönlichkeitspsychologe Jens Asendorpf formuliert - in der Regel die Lebensumstände, die zu ihrer Persönlichkeit passen. Die Entwicklung der Persönlichkeit ist im Wesentlichen ein sich selbst-stabilisierenderProzess.

Menschen zeigen die Tendenz, weiter zu machen wie bisher - selbst wenn Veränderungen ihnen Vorteile bringen würden. Der Grund für dieses scheinbar irrationale Beharren lautet: Weitermachen wie bisher trägt eine starke Belohnung in sich, und zwar als Lust an der Routine, am Expertentum, am Statusbewahren. Hinzu kommt die Angst vor dem Neuen, denn Neues birgt immer auch das Risiko des Scheiterns.

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