Zwischen Forscher AG und Abitur

Wolfsmilchkautschuk oder wie wir Projektmanagement entdeckten

Wie gehe ich an ein Forschungsprojekt heran ohne wirklich zu wissen, wie ein professioneller Projektstart aussieht? Wie setze ich mir Projektziele, wenn mir die Phasen-Meilenstein-Planung kein Begriff ist? Michelle Sommer und Laura Sistek berichten von ihren Erfahrungen in einem dreijährigen Forschungsprojekt, das sie als Schülerinnen unbefangen begonnen haben und schildern, wie sie an der Aufgabe gewachsen sind und nebenbei noch Schule und Abitur gemeistert haben.

Zusammen mit unseren Schulkameradinnen Linda Shen und Eva Vennemann wirkten wir seit der 10. Klasse drei Jahre lang an der Forscher AG am Gymnasium Spaichingen mit und arbeiteten gemeinsam am Projekt "Kautschukgewinnung aus der Dreikantigen Wolfsmilch (Euphorbia trigona)". Mit diesem Projekt nahmen wir unter anderem an "Jugend forscht", dem wohl bekanntesten deutschen Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaft und Technik, teil.

Genauso unbefangen, wie wir an die technischen und wissenschaftlichen Herausforderungen herangingen, managten wir auch das Projekt. Im Laufe der drei Jahre lernten wir einerseits viel über Kautschukgewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen, andererseits erfuhren wir mit vielen Höhen und Tiefen, worauf es beim Managen von Projekten ankommt und wie wir unser Projekt mit Schule und Abitur vereinbaren konnten. Von diesen "Lessons Learned" handelt unser Beitrag.

Unser langer Start mit wenig Ahnung aber viel Motivation

Zu Beginn des Schuljahrs 2012/2013, für uns war es die 10. Klasse, begannen wir auf Einladung unseres Chemielehrers und späteren Projektbetreuers die Forscher AG an unserer Schule zu besuchen. Für alle inte ressierten Schüler fand sie wöchentlich für zwei Stunden in den schulischen Chemieräumen statt. Da die Forscher AG nicht nur den Erwerb von naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen und Wissen fördert, sondern auch zielgerichtetes und damit projektorientiertes Vorgehen einüben soll, ist schon früh eine Teilnahme an Wettbewerben vorgesehen, vor allem bei "Jugend forscht". Die Teilnahme an den Wettbewerben gibt den Arbeitsgruppen konkrete Ziele und Termine vor. Zudem erhalten die Teilnehmer durch die Jury-Bewertung von einer neutralen Instanz Feedback zu den erreichten Projektergebnissen. Auf dem Weg dorthin finanzieren sich die verschiedenen Projekte durch Firmen aus der Region, die sich im Rahmen der Jugendförderung zum "Förderkreis Wirtschaft des Gymnasiums Spaichingen" zusammengeschlossen haben.

Die Projektvision: biologisch erzeugter Kunststoff

Mit unserem Projekt wollten wir zum Schutz der Umwelt beitragen. Aus der weißen Milch des Löwenzahns, auch Wolfsmilch genannt, kann Latex bzw. Kautschuk gewonnen und anschließend beispielsweise zu Gummi weiterverarbeitet werden. Auf diesem Gebiet forscht auch das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Wir wählten das Thema "Kunststoffherstellung aus Wolfsmilch" aus mehreren Vorschlägen unseres Betreuers aus, da wir der Überzeugung sind, dass die Entwicklung umweltschonender Produkte einen wesentlichen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leistet.

Allgemeine Recherchen im Internet nach Kunststoffen, Gummi und Kautschuk und freies Experimentieren mit dem Löwenzahn prägten die ersten zwei Monate in der Forscher AG und somit die ersten Wochen im Projekt. Freies Experimentieren beinhaltete dabei nicht nur die Durchführung von Versuchen, sondern auch das zeitaufwendige Sammeln von Löwenzahnsamen oder das Ausbuddeln und Eintopfen gesamter Pflanzen.

Bild 1: Die ersten Laborversuche mit der Dreikantigen Wolfsmilch.

Schnell erkannten wir

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