Emotionen bewusst machen und einbeziehen

Mit systemischem Vorgehen souverän entscheiden

Um Entscheidungen zu fällen, wenden Menschen verschiedene Methoden an: Die einen entscheiden aus dem Bauch heraus, andere legen sich eine Liste an, mit der sie das Für und Wider ihrer Alternativen abwägen. Selten sind wir uns dabei bewusst, welchen Einfluss unsere Emotionen auf die Entscheidung haben. Mit systemischem Vorgehen kommen Sie diesem "blinden Fleck" auf die Schliche, weiß Harald Heinrich.
Emotionen bewusst machen und einbeziehen

Mit systemischem Vorgehen souverän entscheiden

Um Entscheidungen zu fällen, wenden Menschen verschiedene Methoden an: Die einen entscheiden aus dem Bauch heraus, andere legen sich eine Liste an, mit der sie das Für und Wider ihrer Alternativen abwägen. Selten sind wir uns dabei bewusst, welchen Einfluss unsere Emotionen auf die Entscheidung haben. Mit systemischem Vorgehen kommen Sie diesem "blinden Fleck" auf die Schliche, weiß Harald Heinrich.

Um Entscheidungen zu fällen, wenden Menschen verschiedene Methoden an: Die einen entscheiden aus dem Bauch heraus, andere legen sich eine Liste an, mit der sie das Für und Wider ihrer Alternativen abwägen. Durch beide Vorgehensweisen können wir zufriedenstellende Ergebnisse bekommen, die aber stärker durch unbewusste Emotionen beeinflusst sein können, als es uns lieb ist.

Vertrauen wir auf unser Bauchgefühl, passiert dies leicht, da wir bewusst auf Intuition und damit Gefühl setzen und die dabei wirkenden Kräfte selten hinterfragen. Das Abwägen erscheint uns dagegen als rein rationaler Vorgang, doch hier lauern blinde Flecken, da wir unbewusst mögliche Alternativen einfach übersehen bzw. vergessen oder wesentlich emotionaler bewerten, als wir uns eingestehen. Das systemische Denken zielt darauf ab, diese Lücken zu füllen und möglichst viele, auch zunächst verborgene Aspekte sowie Wechselwirkungen in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen.

Entscheidungssituationen sind nicht zu verwechseln mit einem normalen Handlungsbedarf, den Projektleiterinnen und Projektleiter mit klassischem Projektmanagement steuern. Echte Entscheidungssituationen liegen vor, wenn nicht ausreichend Faktenwissen zur Verfügung steht, um klar zu erkennen, welches Vorgehen weiterhilft. Stattdessen gilt es, eine Fülle von Aspekten abzuwägen, Erfahrungen und Einschätzung kommen ins Spiel und damit steigt das Risiko, dass wir uns unbewusst in eine Richtung steuern lassen, in die wir eigentlich gar nicht wollen. Systemisches Vorgehen bzw. Fragen zielt darauf ab, auch die Entscheidungskriterien jenseits der Zahlen, Daten, Fakten dem Verstand zugänglich zu machen und so die eigene Souveränität und damit die Entscheidungskompetenz zu stärken.

Was ist "systemisches Denken"?

Bei der Analyse oder der Bearbeitung eines Themas denken wir immer dann "systemisch", wenn wir

  • möglichst alle Elemente, die das Thema beeinflussen, berücksichtigen und auch Unterschiede miteinbeziehen, wie z.B. zwischen dem System und seinem Umfeld
  • Eigenschaften, die wir Personen zuschreiben, im Zusammenhang mit deren Rolle und Kontext sehen
  • weniger auf Ursache-Wirkung-Beziehungen, sondern auf Wechselwirkungen achten

Systemisches Vorgehen

Systemisches Vorgehen verbindet die Vorteile verschiedener herkömmlicher Strategien zur Entscheidungsfindung. Viele Menschen verlassen sich z.B. auf ihre Intuition: Sie vertrauen darauf, dass in ihrem Gehirn ausreichend Know-how und Erfahrungswissen abgespeichert sind und entscheiden sich nach einer Analyse von Problem und Handlungsoptionen "aus dem Bauch heraus". Andere gehen vor allem mit Sachverstand und Logik an die Entscheidung heran. Sie analysieren die "Gefahrenlage", erfassen mit einem Brainstorming relevante Aspekte, oder versuchen mit Kreativitätsmethoden wie dem morphologischen Kasten, ihre Handlungsoptionen auszuloten. Beide Vorgehensweisen können zu befriedigenden Ergebnissen führen, bergen aber auch das Risiko, dass unbewusste Emotionen einen Einfluss bekommen, den wir ihnen bewusst nicht geben würden.

Souveränität gewinnen

So ist das Bauchgefühl vielleicht nicht, wie wir meinen, von unseren fachlichen Erfahrungen und unserem Wissen geprägt, sondern von Erfahrungen aus der Kindheit, unbewussten Ängsten oder Charakterzügen, denen wir keineswegs nachgeben würden, wären sie uns bewusst. Beim scheinbar rationalen Abwägen kann es uns zum einen passieren, dass wir mögliche Alternativen einfach "vergessen", weil sie nicht in die eigenen Denkmuster passen. Zum anderen bleibt auch hier ein Entscheidungsspielraum, den wir mit Erfahrungen und Einschätzungen füllen, die immer auch emotional geprägt sind. Mit Hilfe des systemischen Denkens erlangen wir Zugang zu dem, was in diesem Raum geschieht, um möglichst viele, zunächst verborgene Aspekte sowie Wechselwirkungen in die Entscheidung einzubeziehen.

Anders als das lineare Denken, das auf nachvollziehbare Ursache-Wirkung-Beziehungen abzielt, versucht das auch "zirkulär" genannte Denken also, komplette Systeme mit all ihren Elementen und deren Wechselwirkungen, zu erfassen. Besonders wichtig ist dieses Vorgehen, wenn wir uns in einer Entscheidungssituation unwohl fühlen, ohne dass wir uns im ersten Moment erklären können, warum das so ist. Für diese Situationen eignen sich systemische Fragen, die uns helfen, mehr über unser Denken, Wollen und Fühlen zu erfahren und so an Souveränität im Entscheidungsprozess zu gewinnen.

Theoretische Grundlagen

Das systemische Vorgehen basiert auf der Allgemeinen Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy (s. auch Wikipedia) und der in den 1970er Jahren im Mental Research Institute u.a. von Don Jackson, Gregory Bateson, Virginia Satir und Paul Watzlawick entwickelten systemischen Familientherapie (s. auch Wikipedia), die Interaktionen zwischen Familienmitgliedern und dem sozialen Umfeld bewusst in die Problemlösung einbezieht, sowie den seit den 80er Jahren darauf aufbauenden systemischen Schulen u.a. in Heidelberg (Helm Stierlin, Gunthard Weber), Mailand (Mara Selvini Palazzoli) und München (Insa Sparrer, Matthias Varga von Kibéd).

Den Weg in die Managementetagen fand das systemische Denken vor allem durch die Werke "Systemisches Management" von Fredmund Malik und "Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation" von Peter M. Senge. Inzwischen gibt es zahlreiche Universitäten, Hochschulen und Institutionen, die systemische Ansätze anbieten und lehren.

Entscheidungsfindung mit systemischen Fragen

Dieser Artikel beschreibt anhand von zwei konkreten Beispielen, wie wir in unserem Alltag mit systemischen Fragen Schritt für Schritt zur Entscheidungsfindung kommen. Die Beispiele behandeln sowohl typische Projektthemen, als…

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Raimund
Ritzmann
Sehr starker Impuls, sich mit systemischem PM intensiver zu befassen.
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