Ein Vertrag für erfolgreiche IT-Projekte

In sechs Schritten zum Agilen Festpreis

Planungssicherheit hinsichtlich Umfang und Preis scheint im krassen Widerspruch zur agilen Methodik zu stehen. Denn beim agilen Vorgehen werden gewöhnlich weder Umfang noch Termin definiert, wodurch auch das Budget nicht festgelegt ist. Dr. Andreas Opelt beschreibt ein erprobtes Vorgehen, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann, sodass die Vorteile der agilen Methodik erhalten bleiben. Der vom Autor empfohlene Weg führt Auftraggeber und Auftragnehmer in sechs Schritten zum "Agilen Festpreisvertrag". Wesentliche Punkte sind dabei ein gemeinsames Verständnis vom Projektumfang und eine Regelung zur Teilung der Kostenrisiken. Mit dem agilen Festpreisvertrag haben die Vertragspartner eine Alternative zu den traditionellen Vertragsformen, bei denen stets nur eine Seite das finanzielle Risiko trägt.

In IT-Projekten haben sich agile Entwicklungsmethoden in den vergangenen Jahren etabliert. Wenige Rollen und Prozesse sowie kurze Feedbackschleifen mit dem Auftraggeber, um zeitnah auf einen veränderten Funktionsumfang zu reagieren, haben die Erfolgsquote von IT-Projekten signifikant erhöht. Geht es jedoch im Vorfeld zwischen Auftraggeber und Lieferant um eine vertragliche Vereinbarung über Umfang und Kosten, kann es in agilen Projekten schnell zu Problemen kommen: Denn oft forciert der Auftraggeber weiterhin einen herkömmlichen Festpreisvertrag und möchte trotzdem von der Agilität der Entwicklungsmethodik profitieren.

An diesem Punkt stößt man allerdings an Grenzen, da ein solcher Vertrag eine ständige Veränderung des Vertragsgegenstands nicht vorsieht, was jedoch ein wesentlicher Vorteil der agilen Entwicklungsmethodik ist. In den vergangenen Jahren wurden sehr oft agile Entwicklungsprojekte auf Basis von Time&Material-Verträgen vereinbart. Dabei verlagert sich aber die Verantwortung häufig zu sehr auf die Seite des Auftragnehmers, wodurch wiederum die Vorteile der agilen Entwicklung nicht voll ausgeschöpft werden, welche sich am besten in einem Umfeld gemeinsamer Verantwortung nutzen lassen.

Um solch typischen Problemen bei agil entwickelten Software-Projekten in der Praxis zu begegnen, kann ein Agiler Festpreisvertrag die Lösung sein.

Der Agile Festpreis – was ist das?

Ein Agiler Festpreisvertrag regelt die vertraglichen Beziehungen zwischen Kunde und Lieferanten in agil durchgeführten IT-Projekten, wie z.B. nach Scrum. Kerngedanke eines solchen Festpreisvertrags ist, sich vor der Umsetzung des Liefergegenstands nicht auf einen festen Detail-Umfang zu einigen, wie das in Projekten nach dem Wasserfall-Modell meistens der Fall ist. Vielmehr können die Parteien einen Vertragsrahmen schaffen, in dem sie sich auf die Kosten, den groben Umfang, das Ziel, einen Termin sowie ein strukturiertes Vorgehen festlegen, um den genauen Umfang sowie die Projektabwicklung innerhalb eines vereinbarten Rahmens und innerhalb vereinbarter Prozesse zu definieren und zu steuern.

Das in diesem Beitrag vorgestellte Vorgehen, um zu einem Agilen Festpreisvertrag zu gelangen, basiert auf langjährigen praktischen Erfahrungen und kam in der Praxis bereits erfolgreich zum Einsatz. Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit wurde in den letzten Jahren dieses Vertragskonzept bei Projekten im Umfang von einigen hundert bis tausend Tagen erfolgreich eingesetzt. Um den Prozess kontinuierlich weiter zu entwickeln und zu verbessern, wurde das Modell dabei auch regelmäßig aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, wie z.B. von Dienstleistern, Einkäufern, Beratern oder Scrum-Experten.

Im Folgenden beschreibe ich die in der Praxis erprobten Schritte, mit denen Auftraggeber und Auftragnehmer ihre Zusammenarbeit so definieren können, dass sie die finanziellen Risiken aufgrund der zu Beginn unklaren Spezifikation und unsicheren Aufwandsschätzung für beide Seiten minimieren können. Ergebnis dieser Verhandlungen sind vertragliche Vereinbarungen, die z.B. die Verteilung des Risikos für

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