Die Zukunft des Bauprojektmanagements hat bereits begonnen So starten Sie mit Building Information Modeling (BIM)!

Das Building Information Modeling (BIM) gilt vielen als "Wundermittel" für Bauprojekte. Baumeisterin Adriane Gasteiger beschreibt aus ihrer zehnjährigen Erfahrung mit BIM, wie Sie Ihr erstes BIM-Projekt aufsetzen: Die Autorin liefert eine schrittweise Anleitung und schildert die größten Vorteile und Stolpersteine.

Management Summary

Die Zukunft des Bauprojektmanagements hat bereits begonnen So starten Sie mit Building Information Modeling (BIM)!

Das Building Information Modeling (BIM) gilt vielen als "Wundermittel" für Bauprojekte. Baumeisterin Adriane Gasteiger beschreibt aus ihrer zehnjährigen Erfahrung mit BIM, wie Sie Ihr erstes BIM-Projekt aufsetzen: Die Autorin liefert eine schrittweise Anleitung und schildert die größten Vorteile und Stolpersteine.

Management Summary

Die grundlegende Aufgabe des Projektmanagers eines Bauprojekts ist schnell erklärt: Er muss dafür sorgen, dass das Bauprojekt unter Einhaltung von Kosten, Zeit und Qualität abgewickelt wird. So banal die Beschreibung, so erschreckend vielschichtig zeigt sich dann aber häufig die Realität eines Bauvorhabens: Jede Fachdisziplin erzeugt eine gewaltige Menge Daten, die Vorstellungen und Bedürfnisse der Stakeholder sind teilweise widerstreitend und dazu kommen jederzeit unerwartete Änderungen. All das stellt den Bauprojektmanager täglich vor große Herausforderungen.

Wundermittel BIM?

Doch stellen Sie sich vor, es gäbe ein Werkzeug, das den Dschungel an Projektdaten in eine schön strukturierte Grünanlage verwandelt, in der Informationen automatisch geordnet werden und zusammen ein großes Ganzes ergeben; ein Werkzeug, das es jedem Projektbeteiligen ermöglicht, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und gesuchte Daten – egal aus welcher Abteilung diese stammen – zu finden. Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Werkzeug, das die Beteiligten an einen (virtuellen) Tisch setzt und zum Dialog zwingt. Genau dieses Wundermittel soll das sog. Building Information Modeling, kurz BIM, nach Vorstellung seiner Vertreter und insbesondere der für große Bauvorhaben verantwortlichen Politiker sein.

Der vorliegende Beitrag ist Ihre Gebrauchsanleitung für das "Wundermittel" BIM:

  • Was ist Building Information Modeling eigentlich genau?
  • Welchen Nutzen verspricht BIM und welchen Nutzen kann es tatsächlich erzielen?
  • Wie können Sie als Projektmanager BIM für sich nutzen und ihrem Bauherrn das Thema näherbringen?

Als Tochter des BIM-Pioniers Anton Gasteiger und Gesellschafterin der b.i.m.m GmbH unterstütze ich seit fast zehn Jahren Unternehmen bei der Einführung und Umsetzung von BIM. In diesem Beitrag möchte ich Ihre Angst vor BIM, die meiner Meinung nach in erster Linie auf Unwissen beruht, mindern und Sie von den Vorzügen von BIM überzeugen. Meiner Meinung nach wird zu viel über BIM gesprochen, geschrieben und diskutiert, anstatt dass Baubeteiligte selbst ihre eigenen Erfahrungen mit BIM sammeln.

Die Verbreitung von BIM rund um den Globus

Die weltweilten Vorreiter beim Einsatz von BIM sind die USA und Australien; in beiden Ländern wird BIM bereits als Standard für Bauprojekte gesehen. In Europa gilt das ebenfalls englischsprachige Großbritannien als vorbildlich: Die dortige Regierung gründete bereits 2011 eine "BIM Task Group" und unterstützte mit öffentlichen Geldern die Einführung von BIM.

Seit 2016 ist die Abwicklung öffentlicher Bauwerke mit BIM in Großbritannien verpflichtend; die dafür notwendigen Vorgaben und Definitionen entwickelte die erwähnte Task Group. Weitere europäische Vorreiter sind die skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Dänemark, sowie die Niederlande. Auch dort wurden entsprechende Richtlinien definiert und wird BIM in zahlreichen Projekten umgesetzt.

Um BIM in Deutschland zu etablieren, gründete sich 2015 – unterstützt vom Bundesverkehrsministerium und buildingSMART Germany – die "planen bauen 4.0 GmbH". Gestartet als Zusammenschluss von 14 führenden Verbänden und Institutionen der Baubranche, gehören der Gesellschaft inzwischen 24 Verbände und 34 Unternehmen an. Planen bauen 4.0 entwickelte unter anderem einen Stufenplan, der festlegt, dass bis 2020 für alle neu geplanten Projekte BIM eingesetzt werden soll.

In Österreich wurde bereits 2015 eine BIM-Norm veröffentlicht (A6241-2), welche voraussichtlich eine Vorlage für eine VDI-Richtlinie und eine CEN-Norm bilden soll. Die Wirtschaftskammer Österreich unterstützt bereits BIM über Förderungen ("BIM-Beratungscheck"), um das Wissen über BIM zu verbreiten.

BIM – was ist das?

"BIM" steht für "Building Information Model(-ing)"; es handelt sich um eine Arbeitsweise, in der alle notwendigen Daten vom Entwurf des Bauwerks bis hin zu Ausführung – und wenn gewünscht auch Betrieb – in einem zentralen Modell gesammelt werden können. Diese Informationen können die Projektbeteiligten nach Bedarf abrufen, aktualisieren und auswerten.

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Alle Kommentare (7)

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Thomas
Mathoi
Dr.

Hallo Frau Gasteiger, danke für den Artikel, der m.E. einen guten Ein- bzw. Überblick zum aktuellen Stand in Sachen BIM aus dem Blickwinkel des PM gibt. Spannend wird es aber sein, wie sich durch den Einsatz von BIM der Planungsprozess an sich - und somit auch die Art und Weise, wie wir unsere Hochbauprojekte leiten und steuern - entwickeln wird. Ist die herkömmliche wasserfallorientierte, iterative Vorgangsweise dafür noch geeignet?

 

Ein klares JAIN... Der Grundgedanke von BIM widerspricht deutlich der von Ihnen genannten wasserfallorientierten Arbeitsweise: Mit BIM ist es ein großer Vorteil, die Fachdisziplinen so früh als möglich im Modell zu integrieren. Die herkömmlich iterativen Prozesse werden drastisch verkürzt, da man nicht Pläne dem Fachplaner schickt, der diese entkoppelt bearbeitet und dann alles zurückgeschickt wird; sondern der Fachplaner arbeitet direkt in das zentrale Modell hinein, Änderungen werden direkt am Modell besprochen und vorgenommen. JAIN deswegen, weil die Praxis teilweise anders aussieht: der Fachplaner (z.B. Statik) arbeitet auch gern vorübergehend an einem entkoppelten Modell vom Architekten, testet dort seine Varianten und Einstellungen und arbeitet erst dann gemeinsam mit dem Architekten die relevanten Punkte in das zentrale Modell ein. Dadurch erhält man wieder in kleinem Ausmaße eine iterative Vorgangsweise. Auch den "Wasserfall" hat man im kleinen Stile auch bei BIM: Jemand (der Architekt) muss die Grundlagen (das Basis-3D-Modell) liefern. Allerdings vermeidet man viele Schwierigkeiten, wenn man schon zu Beginn seine Projektpartner kennt und das Modell in Absprache mit den anderen Fachdisziplinen erstellt.

 

Oliver
Hebeisen

Aus der Praxis, für die Praxis. Man merkt, dass da jemand die fundierte selbst erlebte Erfahrung beschreibt. Auch sehr verständlich geschrieben. Einer der besten Artikel die ich auf diesem Portal jemals gelesen habe. Bravo!

 

Corinna
Schmidt

Hallo Frau Gasteiger, auch mir hat Ihr Artikel gut gefallen und ich frage mich, ob nicht ganz andere Industriebereiche von dieser Vorgehensweise profitieren könnten. Gibt es bereits Versuche oder Studien BIM zum Beispiel bei der Konstruktion komplexer Baugruppen einzusetzen. Sie hatten es ja schon mit dem 3D-Betondrucker angedeutet, die additiven Verfahren sind auf dem Vormarsch und mit der BIM Methode könnte interaktiv an neuen Konzepten "gewerkelt" werden. Einfach spannend.....

 

Hallo Frau Schmidt, Ja, erfolgreiche Versuche und Umsetzungen gibt es schon zur Genüge: Im Holzbau ist es heute Standard, dass sämtliche Träger, Dachkonstruktionen usw. von Robotern (CNC-Maschinen) gefräst werden und nur mehr auf die Baustelle geliefert werden. Die Daten kommen alle aus dem Modell. Fehler im Modell = Fehler auf der Baustelle. Im Massivbau gibt es in Fertigteilwerken viele BIM-Ansätze: Es gibt schon Roboter, die Bewehrung schweißen, Laser, welche die exakte Lage in der Schalung markieren usw. Wir haben auch Kooperationen mit Universitäten, wo Häuser mit Betondruck, "Falttechniken" (Origami-Häuser) u.ä. zuerst virtuell und dann real gebaut werden. Das "Problem": Es geht der Baubranche viel zu gut. Jeder hat genug Aufträge, genug Leute, warum dann was ändern? Und gerade die Bauherren lieben die Flexibilität im Massivbau: Ich kann direkt auf der Baustelle noch schnell was ändern (so etwas geht im Holzbau z.B. nur schwierig). Ich bin da Ihrer Meinung: es bleibt spannend.....