Tücken und Stolpersteine: Was Sie über Offshoring wissen sollten

Hohe Mitarbeiterfluktuation, die Gefahr von Know-how-Verlust, kulturelle Unterschiede - Offshore-Projekte stellen an Projektleiter besonders hohe Anforderungen. Offshoring ist durch Besonderheiten geprägt, die großen Einfluss auf die Arbeit des Projektleiters haben. Kay Schulz erklärt in seinem Beitrag, welche Tücken und Stolpersteine ein Offshore-Projektleiter beachten sollte, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Hohe Mitarbeiterfluktuation, die Gefahr von Know-how-Verlust, kulturelle Unterschiede - Offshore-Projekte stellen an Projektleiter besonders hohe Anforderungen. Im Artikel "IT-Projekte mit Offshore-Partnern: Darauf sollten Projektmanager achten", Ausgabe 24/2006, erhielten Projektleiter von IT-Projekten konkrete Handlungsempfehlungen für die einzelnen Projektphasen. Es gibt aber auch projektübergreifende Besonderheiten, die das Offshoring allgemein betreffen und ebenfalls Einfluss auf die Arbeit des Projektleiters haben. Im Folgenden erfahren Sie, welche Tücken und Stolpersteine Sie beachten sollten, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Arbeits- und Marktbedingungen in Offshore-Ländern

Insourcer sind oft selbst große Outsourcer

Viele der Länder, die wir in Europa als Auftragsempfänger (Insourcer) kennen, sind gleichzeitig sehr große Offshorer (Tabelle 1). Das Wirtschaftswachstum in Ländern wie Indien bringt es mit sich, dass die Kosten steigen und die Margen sinken. Für die Offshore-Anbieter ist deshalb der Anreiz sehr groß, die Aufträge europäischer Unternehmen ihrerseits in andere Länder zu vergeben, die günstiger produzieren können. Outgesourct werden z.B. abgegrenzte Aufgaben, Module oder spezielle Leistungen wie das Testen.

Für das europäische Unternehmen ist es schwer oder gar nicht erkennbar, ob der Offshore-Partner bestimmte Aufgaben an Dritte vergeben hat oder nicht. Offen kommuniziert wird ein solches Vorgehen in der Regel nicht, da die Gefahr besteht, dass das europäische Unternehmen sich direkt an den billigeren Offshorer wendet - sofern dieser gute Qualität liefert.

Ein "Doppel-Outsourcing" liegt nicht im Interesse der europäischen Firmen. In der Regel verschlechtert sich die Qualität, die beim Offshoring meist ohnehin nur mit viel Aufwand sichergestellt werden kann. Außerdem steigen die Kosten und der europäische Projektleiter verliert an Einfluss, da er nicht direkt mit den Offshore-Mitarbeitern in der Produktion bzw. deren Vorgesetzten kommunizieren kann.

Große Offshore-Unternehmen wie z.B. Wipro, InfoSys oder Cognizant vergeben derzeit keine Aufträge aus dem Ausland an Billig-Anbieter. Den meisten Offshore-Anbietern steht diese Möglichkeit jedoch offen, weil viele europäische Unternehmen keine gegenteiligen Vereinbarungen mit ihnen treffen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine Weitergabe des Auftrags zu verhindern. Der europäische Projektleiter sollte deshalb vertraglich sicherstellen, dass der Offshore-Anbieter den Auftrag selbst ausführt und ihn weder komplett noch teilweise an Dritte vergeben kann. Die meisten Offshore-Anbieter akzeptieren solche Regelungen.

Tabelle 1: Outsourcing-Rangliste.
Rang Land Auftragsvolumina, die 2002 in andere Länder vergeben werden (in US$)
1. USA 41 Milliarden
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