Was Experten erwarten

Braucht die digitale Transformation ein neues Projektmanagement und neue Projektmanager?

Kompetenzprofile der Projektmanager für die drei Projekttypen
Genügen für die vielbeschworene Digitale Transformation die herkömmlichen Instrumente des Projektmanagements? Welche Anforderungen müssen Projektmanager hierfür erfüllen? Dr. Matthias Eberspächer befragte hierzu rund ein Dutzend Expertinnen und Experten. Er stellt überraschende Ergebnisse und daraus abgeleitete Thesen über die Zukunft des Projektmanagements zur Diskussion.
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Die digitale Transformation ist in aller Munde. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Politiker oder Wirtschaftsvertreter die Digitale Transformation und deren Auswirkungen auf irgendeinen Bereich der Gesellschaft beschwört. Selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, Kryptowährungen und viele andere Themen, die wir noch vor zehn Jahren in das Reich der Science-Fiction abgeschoben hätten, bestimmen die aktuelle gesellschaftliche Diskussion.

Uneinigkeit herrscht allerdings darüber, wie die digitale Transformation umzusetzen ist. Eines ist jedoch klar: Der Prozess der digitalen Transformation wird in den allermeisten Fällen in Form von Projekten durchgeführt. Dies führt zu den Fragen: Brauchen wir ein neues Projektmanagement? Wenn ja: Welches Projektmanagement ist für diese Art von Projekten sinnvoll und angemessen? Und vor allem: Brauchen wir eine neue Art von Projektleitern?

Dieser Artikel präsentiert das Ergebnis von Interviews und Gesprächen mit etwa einem Dutzend erfahrenen Beratern und Projektmanagern aus dem In- und Ausland, in denen ich der Frage nachgegangen bin, ob und wie sich das Projektmanagement von digitalen Transformationsprojekten von anderen Projekten unterscheidet oder unterscheiden sollte. Alle Gesprächspartner hatten bereits eigene Erfahrungen mit dem digitalen Transformationsprozess gesammelt. Der Artikel gibt somit den Stand einer Expertendiskussion wieder und erhebt nicht den Anspruch, validierte Forschungsergebnisse zu präsentieren. Ich möchte damit zur Diskussion beitragen und freue mich über Ihre Rückmeldungen.

Digitale Transformationsprozesse sind Programme!

Eine grundlegende Erkenntnis der Fachgespräche war, dass der Prozess der digitalen Transformation Programm-Charakter aufweist: So hat die digitale Transformation eines Geschäftsprozesses einen definierten Anfang und mit der Einführung des neuen, digital transformierten Geschäftsprozesses auch ein definiertes Ende. Wie wir sehen werden, umfasst die Transformation zahlreiche einzelne, asynchron gestartete Projekte, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dieses Ziel ist zu Beginn des Prozesses der digitalen Transformation eher in Form von Visionen statt "SMART" formuliert. Jede einzelne digitale Transformation ist einmalig und wird arbeitsteilig in Teams durchgeführt.

Programm-Phasen: Ideation – Design – Realization

Nach den Erfahrungen der Mehrheit der Gesprächspartner lässt sich der digitale Transformationsprozess, wie in Bild 1 gezeigt, in die drei Phasen "Ideation", "Design" und "Realization" gliedern. Häufig dient die Ideation-Phase dazu, unter Anwendung kreativer Methoden, wie z.B. Design Thinking, in Workshops Ideen für die digitale Transformation eines Produkts, Dienstes oder Geschäftsprozesses zu entwickeln.

Beispiel: Eine solche Idee könnte darin bestehen, dass ein Urlauber in den Bergen spontan beim Frühstück entscheidet, Bergsteigen oder Skifahren zu gehen und für diese Aktivität eine Tagesunfallversicherung über sein Smartphone abschließen möchte. Der Anwendungsfall geht natürlich über den Abschluss der Versicherung hinaus. Der Abschluss der Versicherung über das Smartphone ist ein sogenannter "Touch-Point" (also eine Interaktion zwischen Kunde und Dienstleister), der im Rahmen einer Design-Phase weiter ausgearbeitet werden muss. Der vollständige Anwendungsfall kann mehrere Touch-Points enthalten, wie z.B. die Meldung eines Unfalls, die Stornierung oder Verlängerung der Versicherung, die Buchung von Zusatzoptionen oder den Abschluss weiterer Versicherungen. Zu jedem dieser Touch-Points könnte ein eigenes Design-Projekt gestartet werden.

Bild 1: Die Programm-Phasen eines digitalen Transformationsprozesses

Bild 1: Die Programm-Phasen eines digitalen Transformationsprozesses

Ideation-Phase

Die Ideation-Phase selbst besteht aus einem oder einer kleinen Reihe von Workshops, bei denen ein Moderator oder ein Moderatorenteam zusammen mit ausgewählten Mitarbeitern einer Organisation nach geeigneten Transformationen sucht. Die Ideation-Phase ist daher kein eigenes Projekt, sie dient lediglich der Festlegung des Umfangs für die sich anschließende Design-Phase. Die Ideation-Phase könnte als inhaltliche Auftragsklärung für das Programm verstanden werden.

"Einseiter" beschreiben Touch-Points

Das Ergebnis der Ideation-Phase sind mehrere Einseiter, in denen jeder Touch-Point und die Interaktion mit dem Kunden stichpunktartig beschrieben sowie gegebenenfalls in Form einer Customer Journey illustriert ist (vgl. Bild 2).

Bild 2: Ergebnis der Ideation-Phase sind einseitige, evtl. grafische Beschreibungen von Touch-Points

Bild 2: Ergebnis der Ideation-Phase sind einseitige, evtl. grafische Beschreibungen von Touch-Points
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