Wie wertvoll ist Ihre Zeit? Der Trick mit dem Fünf-Euro-Schein

Dass unsere Arbeitszeit wertvoll ist, weiß jeder. Doch häufig verschwenden wir einen großen Teil davon, ohne dass es uns bewusst ist. Um sich den Wert seiner Arbeitszeit besser zu verdeutlichen und die eigene Produktivität zu erhöhen, behilft sich Martin Geiger mit einem kleinen Trick.

 

Wie wertvoll ist Ihre Zeit? Der Trick mit dem Fünf-Euro-Schein

Dass unsere Arbeitszeit wertvoll ist, weiß jeder. Doch häufig verschwenden wir einen großen Teil davon, ohne dass es uns bewusst ist. Um sich den Wert seiner Arbeitszeit besser zu verdeutlichen und die eigene Produktivität zu erhöhen, behilft sich Martin Geiger mit einem kleinen Trick.

 

Produktlebenszyklen werden immer kürzer, die Komplexität von Projekten nimmt immer mehr zu. Diese Entwicklungen erfordern einen effizienteren Umgang unserer ohnehin schon knapp bemessenen Zeit. Ob Geschäftsführer, Projektleiter oder Fachkräfte: Jeder muss heute lernen, mehr aus seiner Zeit herauszuholen. Wohlgemerkt, aus der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit. Es geht nicht darum, mehr Überstunden zu machen, sondern effizienter und produktiver zu arbeiten.

Um sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und fokussiert an den Aufgaben mit höchster Priorität zu arbeiten, gibt es einen einfachen psychologischen Kniff, den ich seit einiger Zeit erfolgreich anwende: den Trick mit dem Fünf-Euro-Schein.

Eine Minute, fünf Euro

Nehmen wir einmal an, Sie würden mit Ihren Fähigkeiten und Begabungen, Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung 300 Euro die Stunde verdienen. Zugegeben, das ist ein sehr ordentlicher Stundensatz, den viele Leser wahrscheinlich (noch) nicht bekommen, aber darum geht es an dieser Stelle auch gar nicht. Halten wir uns zunächst einmal nur vor Augen, dass sich 300 Euro die Stunde ideal umrechnen lassen auf fünf Euro die Minute. Um sich besser vorstellen zu können, was das letztendlich bedeutet, holen Sie einen Fünf-Euro-Schein aus Ihrem Geldbeutel, legen Sie ihn vor sich auf den Tisch und betrachten Sie ihn eine Minute lang.

Stellen Sie sich nun vor, fünf Euro die Minute sei der Wert Ihrer Arbeitszeit. Auch wenn Sie keine 300 Euro die Stunde verdienen, kann dies eine sehr produktive Vorstellung sein. Denn nur wer seine Arbeitszeit so effizient wie möglich einsetzt, erzielt Top-Leistungen im Beruf – und hat gleichzeitig ausreichend Freizeit für die Erholung zur Verfügung.

Geben Sie den fünf Euro einen Rahmen…

Um mir den Wert meiner Arbeitszeit immer vor Augen zu halten, habe ich mir einen Bilderrahmen gekauft und einen Fünf-Euro-Schein hineingeklebt. Über dem Schein steht "Der Wert meiner Zeit", darunter "pro Minute". Der Bilderrahmen steht seither auf meinem Schreibtisch. Bei jedem Telefongespräch oder jeder neu eingetroffenen E-Mail fällt mein Blick unweigerlich auf diesen Bilderrahmen.

…und verändern Sie den Umgang mit Ihrer Zeit

Als Effekt stellte sich bei mir rasch ein völlig anderer Umgang mit der Arbeitszeit ein. Denn bei einem Wert von fünf Euro pro Minute werden Sie Ihre Zeit z.B. nicht mehr damit verschwenden, minutenlang abzuwarten, bis jemand ein Telefongespräch beendet hat, auch wenn Sie eine bestimmte Info gerade dringend benötigen. Sie werden stattdessen eine Nachricht hinterlassen oder es später noch einmal versuchen.

Sie werden auch nicht mehr Däumchen drehend in irgendeinem Empfangsbereich herumhocken und auf einen Geschäftspartner warten, mit dem Sie einen Termin vereinbart haben, der aber noch in einer anderen Besprechung festgehalten wird. Stattdessen werden Sie sich angewöhnen, sämtliche Besprechungstermine ausdrücklich bestätigen zu lassen. Oder Sie nehmen sich zu Außer-Haus-Terminen eine oder mehrere Aufgaben im Tablet bzw. Laptop mit, um diese bearbeiten zu können, falls doch eine Verzögerung auftritt; quasi eine Art "Notfall-Arbeit". Auch auf die Frage des Kollegen oder Mitarbeiters "Haben Sie mal eine Minute?" werden Sie garantiert anders reagieren.

Fokus auf das Wesentliche

Kurzum: Sie werden den Blick auf Ihre Arbeitszeit schnell verändern. Denn wenn Ihnen erst einmal klar geworden ist, dass Ihre Zeit fünf Euro die Minute wert ist, werden Sie anders damit umgehen. Sie werden sich darauf fokussieren, was Einkommen produziert bzw. im Rahmen des Projektbudgets jetzt als nächstes unbedingt umzusetzen ist. Sie werden

  • nur noch das tun, was wirklich wichtig ist,
  • alles eliminieren, was Ihnen Zeit stiehlt und
  • Ihre Konzentration auf das richten, was es zu leisten gilt, um Ihre (Projekt-)Ziele zu erreichen.

Warum sollte ich das tun?

Ganz einfach: Weil wir Zeit in einem unglaublich hohen Ausmaß verschwenden. Microsoft beispielsweise gab vor ein paar Jahren eine Studie in Auftrag, in der es um die tatsächliche Arbeitszeit der Angestellten ging. Das Ergebnis: Ein ganz normaler Mitarbeiter arbeitete an nur drei Tagen pro Wochen jeweils nur eineinhalb Stunden tatsächlich produktiv. Der Rest war vergeudete Zeit.

Noch drastischer fiel das Ergebnis der über zehn Jahre angelegten Studie "Executive Time Use Project" der Harvard Business School und der London School of Economics aus, die die Produktivität von CEOs untersuchte. Laut Studie schaffte es ein durchschnittlicher Geschäftsführer während eines Zwölfstundentages bestenfalls 28 Minuten produktiv zu sein.

Beispiel

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Martin
Wagner

Michael Ende lässt grüßen. Mich würde doch sehr interessieren, anhand welcher Maßstäbe der Autor festgestellten kann, ob und warum Zeit "verschwendet" wurde.

 

Danke für die Grüße. Den Maßstab, wann Sie Zeit verschwenden, legen Sie ganz alleine fest, ebenso wie ich das bei mir tue. Sind Ihre Maßstäbe dabei tendenziell eher großzügig, werden Sie dann sicher weniger Verbesserungspotenzial ausfindig machen, als bei einer kritischeren Selbstreflexion. Meine Definition ist hier recht einfach: Ich denke, alles, was a) Sie nicht an Ihrem wichtigsten Ziel arbeiten lässt b) kein Einkommen für Sie bzw. kein anderweitig zählbares Ergebnis für das Unternehmen erzielt c) keinen Nutzen stiftet ist reine Zeitverschwendung. Mit dieser Betrachtungsweise habe ich diesen Kommentar gerne geschrieben und für mich unter c) als nutzbringend verbucht. Und Sie Ihren?

 

Martin
Wagner

Vielen Dank für die Antwort. Sie ergänzt den Artikel aus meiner Sicht recht hilfreich. Darüber hinaus könnte aber immer passieren, dass sich "verschwendete" Zeit im Nachhinein als sinnstiftend, sinnvoll oder hilfreich eingesetzt herausstellt.

 

Da haben Sie natürlich Recht, Herr Wagner! Zumal sich das "Nutzen stiften" im Geschäftsleben im nachhinein oft als überaus "einkommensproduzierend" erweisen kann, z. B. im Bereich Kundenservice. Darüber hinaus helfen mit für die Bewertung des Wertes einer Aufgabe insbesondere zwei Fragen: 1. Bringt mich dies meinem Ziel näher? 2. Welches Ergebnis erziele ich damit? Nehmen wir an, ich finde für Frage Nummer 1 keine befriedigende Antwort, so kann es dennoch angezeigt sein, die Aufgabe zu erledigen, weil das Ergebnis befriedigend sein kann. Nehmen wir an, Sie sind beispielsweise im Home Office gerade mit einem wichtigen Projekt beschäftigt, als plötzlich eines Ihrer Kinder weinend den Raum betritt. Natürlich werden Sie ihm Zeit widmen, auch wenn Sie dies Ihrem wichtigsten Ziel in dem Moment nicht näher bringt. Aber das Ergebnis, Ihrem Nachwuchs Aufmerksamkeit zu widmen, ist in diesem Moment natürlich höher zu bewerten. Sie sehen: Diese beiden Fragen können Ihnen fast immer bei einer klaren Entscheidung behilflich sein.

 

Frank-Michael
Korgitzsch

Dieser Artikel hat 20 € gekostet

 

Hallo Herr Korgitzsch! Zu Ihrem Trost: Das Schreiben war für den Autor noch teuerer. ;-) Grundsätzlich stellt sich für Unternehmer ja in erster Linie die Frage nach dem Return on Invest. Sicher wäre da beispielsweise die Investition für das Erlernen von Schnelllesetechniken sinnvoll. Sie sollte zu einem schnellen R-O-I führen. Einen ähntlichen Effekt erhoffe ich mir von meinem Artikel, was die Kosten ja rechtfertigen würde. Aber die grundlegende Frage ist natürlich: Ist das Lesen dieses (oder auch anderer) Artikels morgens um Viertel nach Sieben die am besten investierte Zeit, um meinem wichtigsten Ziel näher zu kommen?