Die neue Art der Weiterbildung: kollaborativ, digital, vernetzt Future Learning: So gelingt selbstgesteuertes Lernen im Job

Future Learning: So gelingt selbstgesteuertes Lernen im Job

In Zukunft lernen wir vernetzt, kollaborativ und digital, meint Anne M. Schüller. Sie gibt Tipps zum selbstorganisierten Lernen im Job und zeigt, wie Sie mit Formaten wie Lunch & Learn und internen TED Talks Ihre Selbstlernkompetenz trainieren.

Management Summary
  • In Zukunft lernen wir vernetzt, kollaborativ und digital. Future Learning bedeutet, dass jede:r selbstständig für das eigene persönliche Wachstum – und damit auch für die eigene Employability – sorgt. Die Selbstlernkompetenz wird so zur Schlüsselkompetenz in der Weiterbildung.
  • Ein stressfreies Umfeld, der richtige Zeitpunkt zum Lernen, eine offene Haltung, regelmäßige Wiederholungen, eine typgerechte Aufbereitung des Lernstoffs, die alle Sinne anspricht, sowie die Bereitschaft, veraltetes Wissen loszulassen, begünstigen den Lernerfolg.
  • Lerngemeinschaften unterstützen beim selbstorganisierten Lernen: Ob Lunch & Learn, Reverse Mentoring, interne TED Talks oder Working Out Loud (WOL) – hier teilen die Teilnehmenden ihr Wissen untereinander und können so voneinander und miteinander lernen.

Die neue Art der Weiterbildung: kollaborativ, digital, vernetzt Future Learning: So gelingt selbstgesteuertes Lernen im Job

Future Learning: So gelingt selbstgesteuertes Lernen im Job

In Zukunft lernen wir vernetzt, kollaborativ und digital, meint Anne M. Schüller. Sie gibt Tipps zum selbstorganisierten Lernen im Job und zeigt, wie Sie mit Formaten wie Lunch & Learn und internen TED Talks Ihre Selbstlernkompetenz trainieren.

Management Summary
  • In Zukunft lernen wir vernetzt, kollaborativ und digital. Future Learning bedeutet, dass jede:r selbstständig für das eigene persönliche Wachstum – und damit auch für die eigene Employability – sorgt. Die Selbstlernkompetenz wird so zur Schlüsselkompetenz in der Weiterbildung.
  • Ein stressfreies Umfeld, der richtige Zeitpunkt zum Lernen, eine offene Haltung, regelmäßige Wiederholungen, eine typgerechte Aufbereitung des Lernstoffs, die alle Sinne anspricht, sowie die Bereitschaft, veraltetes Wissen loszulassen, begünstigen den Lernerfolg.
  • Lerngemeinschaften unterstützen beim selbstorganisierten Lernen: Ob Lunch & Learn, Reverse Mentoring, interne TED Talks oder Working Out Loud (WOL) – hier teilen die Teilnehmenden ihr Wissen untereinander und können so voneinander und miteinander lernen.
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PM Welt 2023: Mutig handeln in unsicheren Zeiten

Wie gehe ich mit den Herausforderungen fehlender Planbarkeit und Unsicherheit um? Welche Kompetenzen, Methoden und Tools sind gefordert, um sich mutig und sicher den Herausforderungen der Zukunft zu stellen? Diese und weitere spannende Themen erleben Sie am 4. Mai 2023 in München bei der PM Welt, unserer Projektmanagement-Konferenz. Seien Sie dabei! Mehr Infos

Wie bereiten wir die Mitarbeiter auf Jobs vor, die gegenwärtig noch gar nicht existieren, auf die Nutzung von Technologien, die noch gar nicht entwickelt sind, um Probleme zu lösen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass sie entstehen werden? (Sauter, 2018)

Längst verändern sich die Berufsbilder rasch. Niemand hat je ausgelernt. Das einmal Gelernte altert schneller als je zuvor, wird also zunehmend wertlos. In einem sich mehr und mehr dynamisierenden Umfeld werden Karrieren immer beweglicher. Sprünge zwischen Aufgaben, Fachgebieten, Projektteams und Arbeitgebenden sind völlig normal. Damit verbunden ist die Notwendigkeit für eine lebenslange Bereitschaft, selbstgesteuert zu lernen. Nur so lassen sich die eigenen Kompetenzen aktualisieren, erweitern und auf einem hohen Niveau halten. Beim Future Learning sorgt jede:r selbstständig für das eigene persönliche Wachstum - und damit auch für die eigene Employability.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche neuen Formen und Methoden des Lernens es gibt und wie Sie Ihre Selbstlernkompetenz als Schlüsselkompetenz der Zukunft trainieren.

Selbstgesteuertes Lernen – und Entlernen

Das bloße Ansammeln von Wissen in Weiterbildungskursen ist Vergangenheit. In Zukunft liegt es an uns selbst zu steuern, wo, wann, wie und was wir lernen. Es geht darum, auf Wissen dann zuzugreifen, wenn wir es benötigen. Dafür müssen wir die guten von den schlechten Lernquellen unterscheiden können und die Fülle der guten Lernquellen so für uns zu nutzen wissen, dass sich beim Lernen die eigenen Handlungskompetenzen auch wirklich erhöhen (Upskilling).

Symptomatisch für diese neue Art der Selbstlernkompetenz sind Lerngemeinschaften (Learning Communitys), in denen wir voneinander und miteinander lernen (für Beispiele siehe den Abschnitt "Die neuen Lernmethoden: kollaborativ, digital, vernetzt"). Die in der Sharing Economy sozialisierte junge Generation (Generationen Y und Z) hat längst verstanden, wie arm wir bleiben, wenn wir alles für uns behalten, und wie reich wir werden, wenn wir teilen. Das gilt vor allem für Wissen. Es verflüchtigt sich, wenn wir es horten. 

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Vergessen gehört zum Lernen dazu

Zum Lernen gehört auch das Entlernen. Veraltetes Wissen und Können muss weg, damit das Neue Platz finden kann. Die schlechte Nachricht: Unser Gehirn schützt das Gelernte, weil es uns geholfen hat, zu überleben. An die 90% unseres Denkens und Handelns basiert auf Automatismen.

Diejenigen, die wir nicht mehr benötigen, müssen wir löschen und überschreiben. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist bis ins hohe Alter lernfähig – und auch lernbereit, wenn das Lernen entsprechend gestaltet wird. Nervenzellen und deren neuronale "Verdrahtungen" entstehen und vergehen, das heißt, wir lernen immer und vergessen ständig – jede Nacht. Diese als Neuroplastizität bezeichnete Wandlungskraft unseres Oberstübchens sorgt dafür, dass wir uns an neue Situationen zügig anpassen können. Allerdings müssen wir dranbleiben, wenn wir Neues lernen. Denn was wir nicht auffrischen und wiederholen, ist sehr vergänglich. Meist fallen wir dann alsbald in frühere Muster zurück.

12 Schritte des selbstorganisierten Lernens

Future Learning, das Lernen der Zukunft, zeichnet sich dadurch aus, dass die Lernenden die Auswahl und Kombination der Lernformate situativ an ihre jeweiligen Anforderungen anpassen können. Wer seinen eigenen Lernprozess steuert, durchläuft folgende Schritte: 

  1. Die eigenen Defizite erkennen
  2. Ein Lernzielbild definieren
  3. Zukünftige Kompetenzbedarfe ermitteln
  4. Persönlichen Lernplan entwickeln
  5. Geeignete Lernquellen identifizieren
  6. Passende Lernmethoden bestimmen
  7. Ressourcen (Budget, Zeit) organisieren
  8. Dosieren, durchhalten, nicht verzetteln
  9. Erlerntes in der Praxis erproben und anwenden 
  10. Gelerntes teilen bzw. mit anderen weiterlernen
  11. Erfolge bewerten und stetig optimieren
  12. Erfolge feiern, um motiviert zu bleiben

Die neuen Lernmethoden: kollaborativ, digital, vernetzt

Das selbstgesteuerte Lernen findet vor allem digital statt. Dazu gehören z.B. Mini-Studiengänge an Online-Universitäten, Videos von TED Talks auf der ganzen Welt, Learning Games, Lern-Podcasts, Webinare, Lern-Apps oder Erklärfilme auf YouTube. Statt Schulungen abzusitzen, werden relevante Lerneinheiten "on demand" zeit- und ortsunabhängig in den Arbeitsalltag integriert. So kann sich jede:r neues Wissen im eigenen Lerntempo ganz genau dann aneignen, wenn es gebraucht wird. Die Rolle einstiger Ausbilder:innen und Trainer:innen ändert sich im Kontext des Future Learning von Unterweisenden zu Lernbegleitenden.

Hier eine Auswahl einiger Lernmethoden:

  • Micro Learning: Die Lernenden erarbeiten sich in ca. fünf Minuten kompakte Lernbausteine. Bei diesen auch "Learning Nuggets" genannten Einheiten kann es sich z.B. um ein kleines Lernspiel, einen kurzen Textabschnitt oder ein Quiz zur Selbsteinschätzung handeln. Ein "Learn more"-Knopf am Ende des Nuggets führt die User:innen zu weiteren thematisch passenden Lernangeboten.
  • Peer-to-Peer-Lernplattformen: Die Mitarbeitenden (Peer = Gleichrangige, Gleichgestellte) wissen meist sehr viel besser als Höhergestellte, welche Lerninhalte für die Kolleg:innen hilfreich sein können und was alle gemeinsam weiterbringt. So lassen sich auf firmeninternen P2P-Lernplattformen passende Inhalte in Eigenregie erstellen und/oder kuratieren. Solche Plattformen sind für alle Beschäftigten zugänglich. Sie verfügen über Like- und Kommentarfunktionen.
  • Lunch & Learn: Im Rahmen eines Mittagessens geben Kolleg:innen ihr Wissen untereinander weiter. Sie stellen die geplanten Themen vorab in eine interne Lernplattform ein. Wer interessiert ist an einem bestimmten Thema, meldet sich freiwillig an. Ein Beitrag dauert maximal 15 Minuten. Er sollte möglichst lebendig und frei von Fachjargon sein. Danach ist fünf Minuten Zeit für Fragen. Im Anschluss können Gespräche in kleiner Runde oder im direkten Eins-zu-eins-Austausch für eine weitere Vertiefung sorgen.
  • Interne TED Talks: In Anlehnung an das TED-Talk-Format können Lern- oder Innovationsprojekte vorgestellt werden, z.B. einmal pro Woche im Team oder einmal im Monat im gesamten Unternehmen. Die Themenangebote für solche Lernevents lassen sich ebenfalls auf einer Lernplattform sammeln. Per Voting wird entschieden, welche davon ein breites Interesse finden und folglich auf die Bühne kommen.
  • WOL-Communitys: Hierbei handelt es sich um selbstorganisierte Working-out-Loud-Lerngruppen von ca. fünf Personen aus unterschiedlichen Abteilungen, Disziplinen und/oder Hierarchiestufen. Sie treffen sich digital oder analog zwölf Wochen lang einmal wöchentlich für eine Stunde, um sich mit individuellen Weiterentwicklungsaufgaben zu befassen und selbstgesteckte Lernziele gemeinsam zu erreichen (siehe auch "Working out loud – 5 Prinzipien für eine bessere Zusammenarbeit").
  • Smart Learning: Es gibt verschiedene Formen des Lernens, die sich künstlicher Intelligenz (KI) bedienen: Beim Einsatz von Augmented Reality (AR) bekommen die Lernenden Informationen in eine Datenbrille eingeblendet. Bei der Virtual Reality (VR) tauchen sie komplett in eine virtuelle Wirklichkeit ein (Immersion), in welcher sie neu Gelerntes direkt ausprobieren können. Hier können auch Avatare, also virtuelle Stellvertretende, in die Tiefen des Web geschickt werden, um nach Erkenntnistrüffeln zu fahnden oder mit anderen Avataren in den Austausch zu gehen. Digitale Lernassistenten wiederum verknüpfen Wissen aus der digitalen Welt mit der aktuellen Lernsituation einer Person und stellen personalisierte Lernangebote zusammen. Mithilfe eines Chatbots als digitalem Gesprächsgegenüber ist interaktives Lernen möglich (siehe auch "Vom Lessons Learned bis zum Chatbot"). 
  • Reverse Mentoring: Dieses Lernkonzept dreht das klassische Mentoring um: Die jüngeren Mitarbeitenden schulen die älteren Teammitglieder in den Bereichen, in denen die jüngere Generation geübter ist. Ziel ist es, die digitale Fitness im Unternehmen insgesamt zu erhöhen, Prozesse und Strukturen zu verjüngen und altgewohnte Kommunikations- und Arbeitsweisen an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen. Zudem lernen ältere Kolleg:innen, Führungskräfte und das Topmanagement die Lebenswelt der Millennials besser kennen. Dies ist ein hervorragender Weg, um eine lernende Organisation aufzubauen.
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6 Tipps für selbstgesteuertes Lernen

Nicht allen Mitarbeitenden wird selbstorganisiertes Lernen auf Anhieb gelingen. Wie alles andere auch müssen wir Menschen diese neue Form des Lernens erst lernen und unsere Selbstlernkompetenz immer weiter trainieren. Wertvoll und hilfreich sein kann dabei das folgende Wissen: 

Um optimal lernen zu können, benötigen Sie …

  1. … ein entspanntes Gehirn, Muße und ein stressfreies Umfeld.
  2. … Wiederholungen, Üben, Ausprobieren und Selbermachen.
  3. … die richtige Zeit. Vormittage eignen sich für viele Menschen besonders.
  4. … ein lerntypgerechtes Vorgehen und möglichst alle Sinne.
  5. … eine offene Haltung. Mit Begeisterung klappt es am besten.
  6. … die Bereitschaft, veraltetes Wissen und Können aufzugeben.

Bahn frei für Übermorgengestalter   Weitere Anregungen finden Sie im Buch     
   "Bahn frei für Übermorgengestalter"

   von Anne M. Schüller,
   erschienen 2022 im Verlag GABAL

   ➜ Zum Buch

Literatur

Sauter, Werner: Emotionen und Bildung, 2018. Online abrufbar unter: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Thesenpapier%20Sauter.pdf (Zuletzt aufgerufen am 07.11.2022)

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