Strategien im Großprojektgeschäft der Bau- und Anlagenbauindustrie

Große Projekte bergen große Risiken – das gilt auch für Projekte in der Bauwirtschaft und im Anlagenbau. Beide Industrien sehen sich denselben grundlegenden Problemen gegenüber: hohe Vorfinanzierungsquoten bei geringen Margen, große Beschaffungsanteile, Ausführungsmängel usw. Im Rahmen der Studie "Zukunftsstrategien der Bau- und Anlagenbauindustrie im Vergleich" wurden Vorstände und Geschäftsführer von Bau- und Anlagenbauunternehmen befragt, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Melich Seefeldt und Steffen Pekrul stellen die Ergebnisse der Studie vor.

Die Technische Universität Berlin, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen / Nürnberg und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie stellten Mitte dieses Jahres in Berlin die Benchmark-Studie "Zukunftsstrategien der Bau- und Anlagenbauindustrie im Vergleich" vor. Inhalt des Forschungsprojekts war eine Untersuchung, wie die Unternehmen der Großprojektbranchen Bau- und Anlagenbau die Herausforderungen des marktwirtschaftlichen Strukturwandels meistern können.

Bild 1: Auf dem Podium besprechen (v.l.n.r.) Dr. Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel (Hochtief AG), Prof. Dr. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie), Prof. Dr. rer. pol. Gerd Bornmüller und Dr.-Ing. Wolfgang Stein (ThyssenKrupp Fahrtreppen) die Ergebnisse der Benchmark-Studie.

Ausgangssituation

Die Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft und des deutschen Anlagenbaus hat dazu geführt, dass die Unternehmen immer härteren Anforderungen gewachsen sein müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Wollen die Firmen ihre Leistungsfähigkeit verbessern, müssen sie neue Standards setzen und ihre bisherige Geschäfts- und Projektpraxis in allen Bereichen überprüfen.

Dabei besitzen beide Industriezweige trotz des unterschiedlichen Leistungsgegenstands zahlreiche Gemeinsamkeiten, die in der Natur des Großprojektgeschäftes begründet sind. Große Projekte - sei es die Errichtung von Gebäuden oder die Herstellung komplexer Industrieanlagen - bedeuten in beiden Branchen große Risiken und oft auch große Verluste. Grundlegende Probleme, wie z.B. Erstellung schlüsselfertiger Großanlagen mit hoher Vorfinanzierungsquote bei geringen Margen, Fehlkalkulationen, großer Beschaffungsanteil, Ausführungsmängel etc. sind beiden gemein.

Diese Problematik hat uns Doktoranden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen / Nürnberg und der Technischen Universität Berlin veranlasst, mit Unterstützung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie diese hochschulübergreifende Studie durchzuführen, in der wir die Meinung der Entscheidungsträger repräsentativer Unternehmen dieser Industrien erforschen. Dieser Artikel stellt die Studienergebnisse auszugsweise dar.

Design der Studien

Die bundesweiten Umfragen analysieren detailliert die voneinander unabhängigen Strategien und Reaktionsweisen der beiden Großprojektindustrien und vergleichen sie miteinander, um Analogien und Differenzen in der Vorgehensweise zu ermitteln. Ein weiteres Ziel der Studien war herauszufinden, in welchen Bereichen die beiden artverwandten Branchen voneinander lernen können, z.B. aus vorhandenen Management-Konzepten oder Erfahrungen.

Dazu wurden Vorstände und Geschäftsführer von 400 repräsentativen Bau- und 150 Anlagenbauunternehmen befragt. Die Umfrage wurde anonym mittels eines zwanzigseitigen vollstandardisierten Fragebogens durchgeführt, der vorformulierte Fragen und Antwortbatterien zum Ankreuzen enthielt. Die Rücklaufquote betrug im Anlagenbau 22%, im Bauhauptgewerbe 23%.

Im wesentlichen nahmen große

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