Verspannt, schlaflos, reizbar? Stress – wie er entsteht und wie Sie ihn bewältigen

Berge von Arbeit, Zeitnot, Konflikte, ständige Anrufe – jeder Projektmitarbeiter kann ein Lied davon singen. Doch anstatt die Stressfaktoren zu senken, erwarten Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter damit umgehen können. Für Projektschaffende ist es deshalb wichtig, Stress gut zu bewältigen – auch um ihre Gesundheit auf Dauer zu erhalten. Julia Krieg beschreibt in ihrem Beitrag, wie Stress entsteht, welche Funktion er erfüllt und was Sie tun können, um ihn zu meistern.

 

Verspannt, schlaflos, reizbar? Stress – wie er entsteht und wie Sie ihn bewältigen

Berge von Arbeit, Zeitnot, Konflikte, ständige Anrufe – jeder Projektmitarbeiter kann ein Lied davon singen. Doch anstatt die Stressfaktoren zu senken, erwarten Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter damit umgehen können. Für Projektschaffende ist es deshalb wichtig, Stress gut zu bewältigen – auch um ihre Gesundheit auf Dauer zu erhalten. Julia Krieg beschreibt in ihrem Beitrag, wie Stress entsteht, welche Funktion er erfüllt und was Sie tun können, um ihn zu meistern.

 

Stress - einige Menschen scheinen ihn geradezu zu brauchen. Sie schätzen und genießen den Antrieb und die Aktivität, die mit ihm verbunden sind. Weit mehr Menschen aber leiden unter Stress und unter seinen Auswirkungen wie Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Erschöpfung. Im Berufsleben ist Stress weit verbreitet. Aber anstatt dass versucht wird, die Stressfaktoren zu senken, wird oft erwartet, dass die Mitarbeiter mit Stress umgehen können; werden sie nicht damit fertig, wirft das ein schlechtes Bild auf sie. Für Personen, die in anstrengenden Berufen arbeiten - dazu gehören auch Projektleiter und -mitarbeiter -, ist es allein schon aus Eigeninteresse und gesundheitlichen Gründen wichtig, sich möglichst wenig Stress auszusetzen bzw. gut mit Stress umgehen zu können. Im Folgenden erfahren Sie, wie Stress entsteht, welche Funktion er erfüllt und was Sie tun können, um ihn gut zu meistern.

Der Stress kommt - die Selbstbestimmung geht

Jede Projektleiterin und jeder Projektleiter kennt diese Situation: Berge von Arbeit warten jeden Tag darauf, erledigt zu werden. Nachdem sie abgearbeitet sind, bleibt keine Zeit für etwas anderes. Keine Zeit, um zu planen, das Vorgehen zu analysieren, durchdachte Lösungen zu finden, neue oder bessere Strategien zu entwickeln, um einfach mal nachzudenken - oder schlicht um Mittagessen zu gehen. Oft bemerken wir nicht, dass wir in ein Fahrwasser geraten, in dem es immer schwerer wird, das Ruder in der Hand zu halten und in dem wir nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren.

Doch auch wenn das Umfeld stressig ist, gibt es Möglichkeiten, dem Stress entgegenzuwirken - es liegt an jedem selbst, etwas für sich zu tun. "Keine Zeit!" - diese Antwort kann hier nicht gelten. Denn gestresste Menschen denken und arbeiten nicht schneller - im Gegenteil. Wer auf Dauer leistungsfähig, gesund und zufrieden bleiben will, muss den Umgang mit Stress beherrschen und dafür Zeit investieren.

Wozu ist Stress gut?

Stress bezeichnet ganz allgemein eine Anpassungsreaktion unseres Körpers, der zusätzliche Energie bereitstellt, um starke, plötzliche oder unbekannte Anforderungen bewältigen zu können. Die Stressreaktion kam z.B. unseren Vorfahren in gefährlichen Situationen zugute, in denen sie kämpfen oder fliehen mussten. Die Aufmerksamkeit der gestressten Person liegt auf dem Auslösereiz bzw. der Auslösesituation (Stressor). Gleichzeitig ermittelt das Gedächtnis (gelernte) Verhaltensweisen, die geeignet erscheinen, um die (neue) Aufgabe zu lösen.

Eustress und Disstress - positiver und negativer Stress

Entspricht die bereitgestellte Energie genau dem Bedarf der anstehenden Aufgabe, erleben wir den Stress als positiv und bereichernd. Wir haben eine Aufgabe erfolgreich bewältigt (Eustress). Wird für die Anforderung zu wenig Energie bereitgestellt, greift der Organismus auf Notreserven zurück. In der Folge fühlen wir uns erschöpft. Wird zu viel Energie freigesetzt, macht sich dieser Überschuss nach erfolgreichem Abschluss der Aufgabe als innere Übererregung und Unruhe bemerkbar. Ein Ungleichgewicht zwischen der Anforderung und der zur Verfügung gestellten Energie erleben wir als belastenden Stress (Disstress) - meist erst dann, wenn die Stress-Situation vorüber ist, da wir davor noch auf den Auslöser fokussiert sind.

Egal, ob wir Eustress oder Disstress ausgesetzt waren - nach jedem Stresserlebnis brauchen wir eine Erholungsphase. Der Organismus muss Zeit haben, die Energiezufuhr herunter zu regulieren. Geschieht das nicht und folgt auf eine eben erst bewältige Anforderung sofort die nächste, reagieren wir gereizt, weil unser Organismus noch Restenergie bereit hält und keinen neuen Schub vertragen kann. Auch wenn wir eine Aufgabe gut gelöst haben, benötigen wir dafür keine weitere Energie mehr und sollten überschüssige Energie möglichst schnell abbauen, sonst "liegen die Nerven blank".

Ohne Anforderungen und die Anspannung, ob wir diese erfüllen können, wäre unser Leben fade. Das Erleben von Stress und seine Auswirkungen sind quasi wie das Salz in der Suppe. Die Dosis, die sie schmackhaft macht, ist allerdings je nach Mensch, Situation und Tag unterschiedlich.

Wie der Organismus auf Stress reagiert

Bei der Stressreaktion werden die Hormone Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und das adrenocoticotropen Hormon (ACTH) ausgeschüttet. Der Organismus schaltet blitzschnell auf Aktivierung und Schutz um: Glukose- und Fettreserven werden mobilisiert, gleichzeitig weiten sich die Bronchien und die Atemfrequenz erhöht sich. Damit diese Betriebsstoffe schneller im Körper verteilt werden können, erhöht sich die Herztätigkeit, die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt, dadurch zirkuliert das Blut schneller. Gehirn, Lunge, Leber, Herz und die Skelettmuskeln, die ihre Grundspannung erhöhen, werden besser durchblutet. Die Verdauungsorgane drosseln ihren Energieverbrauch; Hunger, Durst und Sexualfunktionen werden unterdrückt. Zum Schutz des Organismus wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes erhöht, kühler Schweiß abgesondert und das Schmerzempfinden vermindert. Letzteres kann bis zu einer Schmerzhemmung (Stressanalgesie) reichen. Vorübergehend kommt es zu einem Anstieg der Killerzellen im Blut, doch mittel- und langfristig bremst das Cortisol die körpereigene Entzündungs- und Immunabwehr. Auch auf das Gehirn hat diese Reaktion Auswirkungen: Zunächst kommt es zu Blockaden in den Bereichen, die beim planvollen, kreativen Denken aktiv sind, mittel- und langfristig vermindern sich Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit.

Auswirkungen von Stress

Eine Stressreaktion ist nicht per se schädlich. Im Gegenteil: Diese Aktivierung hält uns geistig und körperlich in Bewegung, Herausforderungen sorgen für Entwicklung. Aber alles hat sein…

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Guest

Der Artiker ist strukturiert und prinzipiell richtig aber: Dies ist ein sehr komplexes Thema und mit einfachen Ratschlägen wie "gelassener werden" ist es nicht getan. So ein Artikel weckt evtl. noch mehr Stress und Besorgnis, welich er ein Einfachheit suggeriert.

 

Petra
Berleb

Der Artikel gibt einen guten Überblick und Tipps und regt zum Nachdenken an. Wichtig ist jedoch, den eigenen Stressauslöser kennen zu lernen und das geht nur mit viel Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und mit kontinuierlicher Selbstreflektion. Erst wenn ich die Ursache meines Stresses kenne, kann ich auch etwas dagegen tun. Ich bin überzeugt, dass ein Grossteil des Stresses selbst produziert ist, weil man z.B. zu perfektionistisch ist und dadurch die Verantwortung nicht abgeben will und sich so immer mehr Arbeit aufhalst. Oder, weil man denkt, das kann ich nicht gut genug und seine Gedanken nicht hinterfragt (Was heißt denn im Gegenschluss gut genug?).

 

Peter
Howe

Der Artikel ist sehr gut und regt zum Nachdenken, ja sogar zum Handeln an. Klingt jetzt vielleicht ein wenig banal aber in Stresssituationen frage ich mich manchmal " Welchen Schaden richte ich jetzt an, wenn ich das oder jenes jetzt nicht erledige?" Meistens kann ich das dann verschieben und habe Platz zum Durchatmen.