Wie umgehen mit persönlicher Verunsicherung? Krisen überwinden dank mehr Resilienz und Bewusstsein

Teil 2:
Verantwortung übernehmen, Netzwerk aktivieren, improvisieren sowie kreativ sein und die Zukunft planen
Krisen überwinden dank mehr Resilienz und Bewusstsein

Um uns gegen das Krisenhafte in der Welt zu wappnen, können wir unsere Resilienz stärken. Lernen Sie Übungen kennen, mit denen Sie krisenfester werden und die Ihnen den Weg aus einer akuten persönlichen Krise in die Zukunft weisen.

Management Summary

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Artikelserie

  1. Bestandsaufnahme, Lösungssuche, Ablegen der Opferrolle und Üben in Zuversicht
  2. Verantwortung übernehmen, Netzwerk aktivieren, improvisieren sowie kreativ sein und die Zukunft planen

Wie umgehen mit persönlicher Verunsicherung? Krisen überwinden dank mehr Resilienz und Bewusstsein

Teil 2:
Verantwortung übernehmen, Netzwerk aktivieren, improvisieren sowie kreativ sein und die Zukunft planen
Krisen überwinden dank mehr Resilienz und Bewusstsein

Um uns gegen das Krisenhafte in der Welt zu wappnen, können wir unsere Resilienz stärken. Lernen Sie Übungen kennen, mit denen Sie krisenfester werden und die Ihnen den Weg aus einer akuten persönlichen Krise in die Zukunft weisen.

Management Summary

Nachdem wir in Teil 1 dieses zweiteiligen Beitrags vier Schritte zum Überwinden einer akuten Krise behandelt haben (1. Bestandsaufnahme, 2. Lösungssuche, 3. Ablegen der Opferrolle und 4. Üben in Zuversicht), richtet sich der Blick in diesem Teil verstärkt in die Zukunft. Dafür lege ich Ihnen zehn Übungen ans Herz.

Die Übernahme der Verantwortung für das eigenen Leben und Handeln stärkt die Selbstwirksamkeit sowie das Selbstvertrauen. Das Aktivieren des persönlichen Netzwerks liefert Unterstützung und ermöglicht neue Blickwinkel.

Über das Trainieren des Improvisationsvermögens und der Kreativität wird die Resilienz gestärkt. Anschließend sollte man seine Zukunft planen. Dazu empfehle ich die eigenen Werte zu identifizieren und sich fragen, inwieweit man diese lebt.

1. Verantwortung übernehmen: Für die eigenen Antworten sorgen

Nachdem unser Held Felix Engel die ersten Schritte aus seiner akuten Krise gemacht hat, ist er nun bereit, mehr Verantwortung für sich zu übernehmen. In unseren Projektleiter-Ohren klingt das Wort Verantwortung ziemlich normal: Täglich übernehmen wir Verantwortung, für unser Projekt, den Zeitplan, das Budget.

Aber was heißt eigentlich Verantwortung übernehmen? Es bedeutet, dass wir für Antworten sorgen auf die Fragen, die sich uns stellen. Im Projekt sind das meist Fragen nach der Realisation, der Zeit und des Geldes. Wir sind darin geübt, diese Fragen so klar wie möglich zu beantworten. Doch wie sieht es mit der Verantwortung für uns selbst aus? Welche Antworten geben wir uns in der Krise? Und wie finden wir die Antworten, die uns in der Krise stützen und uns helfen, diese zu überwinden?

Die Krise eröffnet einen Raum für neue Möglichkeiten

Sobald wir es uns erlauben, die Krise als Möglichkeitsraum zu begreifen, öffnet sich unser Denken. Viele meiner Mandanten und Klienten sind regelrecht überrascht, wie viele Gedanken und Ideen ihnen dann kommen. So viel Raum kann ungewohnt und fremd wirken. Stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge vor, Sie stehen auf einem großen Platz, der leer vor Ihnen liegt. Auf diesem Platz können Sie in der Krise Ihre Zukunft für die Zeit danach aufbauen.

So viel Verantwortung bei so wenigen Rahmenbedingungen, eine ganz ungewöhnliche Vorstellung. Fast automatisch erscheinen warnende innere Stimmen: "Das schaffst Du nicht. So viel Raum kann es einfach nicht geben. Lass das, du verhebst dich. Das ist nur etwas für Leute mit mehr Erfahrung oder einem wichtigen Posten." Und wie von Geisterhand verkleinert sich der große, freie Platz auf das handliche, übersichtliche und uns wohlbekannte Format, mit Platz für ebenso wohlbekannte Antworten. Wie kann das sein?

Um sich diesem Thema zu nähern, kann eine Übung helfen, die auf den ersten Blick paradox und anachronistisch wirkt. Sie kann aber verhindern dass der Raum der Möglichkeiten in uns schrumpft oder ihn wieder weiten. Statt sich wie üblich zu fragen, was ich davon habe, bestimmte Dinge zu tun, also eine belastende Situation rein nutzenorientiert zu betrachten und dadurch deren Bedeutung womöglich noch zu erhöhen, gehen wir dieses Mal quasi entgegengesetzt vor.

Übung: Warum tue ich bestimmte Dinge nicht?

Fragen Sie sich einmal, was Sie persönlich davon haben, dass Sie bestimmte Dinge nicht tun! Also keine neuen, alternativen Möglichkeiten für sich entwickeln, den besten Kunden nicht anrufen um neue Aufträge zu erbitten, keine Informationen über Weiterbildungen einholen – oder was auch immer Ihre persönlichen Möglichkeiten wären.

Stutzen Sie jetzt überrascht? Bestimmte Dinge nicht zu tun, soll nützlich sein? Oft richten wir in solchen Fällen unser Augenmerk darauf, was uns behindert, z.B. uns frei zu entfalten, unseren Möglichkeiten nachzugehen, neue Wege zu beschreiten. Dass wir etwas davon haben könnten, unsere Möglichkeiten nicht auszuschöpfen, die alten Wege nicht weiter zu beschreiten, kommt uns selten in den Sinn. Haben Sie eine Idee, was Sie davon haben könnten, bestimmte Dinge nicht zu tun, um den Krisenmodus zu verlassen?

Herr Engel hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und verblüfft festgestellt, dass es ihm viel gibt, in Angst, Befürchtungen und Bedenken zur Krise zu verharren. Seine Situation ist ihm vertraut, er kennt sie gut. Er spart Energie, wenn er sich nicht bewegt und im gesetzten Rahmen bleibt: Er muss weder nachdenken, noch sich an Neues gewöhnen oder sonst wie anstrengen. Die Bequemlichkeit sorgt für Ruhe und eine gewisse Entspannung, die sich angenehm anfühlt.

Herr Engel bemerkt beim Nachdenken auch, dass andere ihm Mitleid schenken, so lange seine Situation schlecht ist. Er bekommt dadurch Aufmerksamkeit, andere kümmern sich um ihn. Allerdings fällt ihm auch auf, dass bei einigen Menschen aus seinem Umfeld mittlerweile die Bereitschaft schwindet, sich seine Geschichte anzuhören und ihm Mitleid zu spenden.

Durch seine Angst und Bequemlichkeit wird Herrn Engels Bedürfnis nach Entspannung und Mitgefühl befriedigt. Vielleicht findet er – sofern er die Verantwortung für sich selbst übernehmen will – auch andere Wege, diese Bedürfnisse zu befriedigen. So könnte er z.B. für seine Entspannung einen Yoga- oder Meditationskurs belegen und Entspannungstechniken erlernen. Um mehr Mitgefühl zu erhalten, könnte Herr Engel seine eigenen Gefühle stärker beachten oder sich mit Interesse und einer Menge offener Fragen seinen Mitmenschen zuwenden. Diese beiden Möglichkeiten bedeuten auch gleichzeitig, dass Herr Engel selbst die Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen übernimmt.

Übung: Wann gebe ich die Verantwortung ab?

Eine andere Variante ist zu erforschen, in welchen Fällen Sie gerne die Verantwortung auf andere verschieben. Ein klassisches Beispiel sind die Begründungen, die wir uns einfallen lassen, wenn wir zu spät kommen. Da war z.B. der Verkehr schuld (der langsame LKW auf der Straße, der nicht überholt werden konnte), der Kunde, der gerade in dem Moment anrief, als wir losfahren wollten, oder der Kollege, der uns den Firmenwagen mit fast leerem Tank übergeben hat. Solche Zuschreibungen von Verantwortung passen uns manchmal gut in den Kram.

Schwieriger wird es, wenn wir die Verantwortung für unser Leben dauernd nach außen abgeben. Beispiele hierfür sind die Erziehung der Eltern, die unser Selbstwertgefühl demoliert hat, der Partner, der die Beziehung zerstört hat, der Kollege, der im wichtigen Projektmeeting gefloppt hat. Wir merken meist gar nicht, wie wir Stück für Stück die Hoheit über unser eigenes Leben in fremde Hände übergeben und die Verantwortung für unser Wohlergehen anderen übertragen.

Wenn wir herausfinden, in welchen Momenten wir die Verantwortung auf andere schieben, haben wir einen Schlüssel in der Hand, selbst wieder das Ruder in die Hand zu nehmen und für uns zu sorgen. Es reicht übrigens völlig aus, wenn Sie diese Momente bewusst bemerken, in denen Sie diese Abzweigung nehmen und die Verantwortung für das Geschehen anderen zuschreiben. Das bewusste Wahrnehmen schärft Ihre Wahrnehmung. Sie merken viel früher, dass sich eine Abzweigung ankündigt und Sie können entscheiden: Übergebe ich die Verantwortung oder übernehme ich sie selbst?

Bewusst und angemessen eigene Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, erhöht die Resilienz und den souveränen Umgang mit einer Krise ganz erheblich. Eigene Verantwortung lässt Sie Ihre Selbstwirksamkeit erleben, was sich positiv auf die Stressbewältigung auswirkt.

2. Netzwerkorientierung: Hilfe von anderen annehmen

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