Wie führe ich als ScrumMaster? Führungsstile für die Praxis

Der ScrumMaster hat zwar innerhalb seines Teams eine hervorgehobene Stellung, in der Regel verfügt er aber über keine Weisungsbefugnis und muss immer mit den Teammitgliedern auf Augenhöhe agieren. Somit bedarf es eines anderen Führungsansatzes, damit das Team seinem ScrumMaster auch folgt. Susanne Bartel stellt in diesem Beitrag zwei Führungsstile vor, die sich nach ihrer Erfahrung in der Praxis für den ScrumMaster bewähren.

Wie führe ich als ScrumMaster? Führungsstile für die Praxis

Der ScrumMaster hat zwar innerhalb seines Teams eine hervorgehobene Stellung, in der Regel verfügt er aber über keine Weisungsbefugnis und muss immer mit den Teammitgliedern auf Augenhöhe agieren. Somit bedarf es eines anderen Führungsansatzes, damit das Team seinem ScrumMaster auch folgt. Susanne Bartel stellt in diesem Beitrag zwei Führungsstile vor, die sich nach ihrer Erfahrung in der Praxis für den ScrumMaster bewähren.

Scrum ist derzeit das wohl am weitesten verbreitete agile Management-Rahmenwerk. Es definiert in seinen Grundzügen eine sehr überschaubare Anzahl an Rollen, Artefakten und Meetings. Eine Kernrolle, die Scrum definiert, ist die des "ScrumMasters". In dem vorliegenden Beitrag möchte ich die wesentlichen Merkmale dieser Rolle beleuchten und zwei Führungsstile vorstellen, die sich nach meiner Erfahrung für die Ausübung dieser Rolle besonders gut eignen. Zudem möchte ich zeigen, welche wesentlichen Unterschiede zwischen dem ScrumMaster und dem "traditionellen" Projektmanager bestehen und auf was man beim Wechsel in die Rolle eines agilen Managers besonders achten sollte.

Der ScrumMaster – ein kurzer Überblick

Der im Jahr 2011 aktualisierte "Scrum Guide" (Schwaber; Sutherland, 2011) beschreibt die Rolle des ScrumMasters wie folgt: "Der ScrumMaster ist verantwortlich, sicherzustellen, dass Scrum verstanden und umgesetzt wird. ScrumMaster erreichen dies indem sie sicherstellen, dass das Scrum-Team die Scrum-Theorie, ‑Praktiken und -Regeln einhält. Der ScrumMaster ist ein "Servant Leader" für das Scrum-Team. Er hilft denjenigen außerhalb des Teams zu verstehen, welche ihrer Interaktionen hilfreich sind, und welche nicht. Der ScrumMaster unterstützt alle Beteiligten, diese Interaktionen zu verändern, um den durch das Scrum-Team erzeugten Wert zu maximieren."

Der ScrumMaster unterstützt also zuallererst das Entwicklungsteam. Dabei ist ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit, das Team auf dem Weg zur Selbstorganisation und zur abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit zu unterstützen. Interessant dabei ist: Ein guter ScrumMaster macht sich über kurz oder lang in der Rolle des Organisators "überflüssig", da ein sehr gut eingespieltes und reifes Scrum-Team die Organisation selbst übernehmen wird. Dann wird der ScrumMaster das Team eher in der Rolle eines Coaches begleiten und es bei seiner weiteren kontinuierlichen Verbesserung unterstützen.

Weiter ist der ScrumMaster dafür verantwortlich, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Dazu schreibt der Scrum-Experte Ralf Wirdemann: "Der ScrumMaster steht hinter dem Team, schützt es vor negativen Einflüssen von außen und beseitigt alle Hindernisse, die sich dem Team in den Weg stellen. So bewahrt er beispielsweise das Team vor neuen Anforderungen, die der Product Owner dem Team während der aktuellen Iteration aufdrücken will. Das ist nicht erlaubt und muss vom ScrumMaster unterbunden werden. Oder er wehrt Aufgaben ab, die an das Team aus anderen Teilen der Organisation herangetragen werden, aber nichts mit dem Projekt zu tun haben". (Scrum – eine Einführung, Projekt Magazin 21/2009)

Veränderungen begleiten

Selbstverständlich läuft die Arbeit eines Scrum-Teams nicht ohne Konflikte ab. Gerade in der Einführungsphase von Scrum wird meist sogar ein wesentlich höheres Konfliktpotential vorhanden sein – neue Rollen, Werte und Verhaltensweisen schüren Konflikte, z.B. bezüglich der Aufteilung der Arbeit unter den Teammitgliedern oder dem Druck auf Spezialisten, ihr Wissen zu teilen. Diese Konflikte können dabei sowohl innerhalb des Teams als auch zwischen dem Team und seiner Umgebung (z.B. dem nicht-agilen Rest der Firma) auftreten. Dies ist ein wichtiges Betätigungsfeld für den ScrumMaster.

An dieser Stelle gilt: Der ScrumMaster unterstützt das Team im Erkennen und Lösen von Konflikten in der Team-Zusammenarbeit – für das Team löst er diese jedoch nicht. So wird er typischerweise das Team auf unterschwellige Konflikte aufmerksam machen ("den Finger in die Wunde legen") und es dabei unterstützen, eigene Kompetenzen und Spielregeln zur Konfliktlösung aufzubauen.

Kenntnisse im Bereich des Konflikt- und Beziehungsmanagements sind für den ScrumMaster hilfreich, die bei Bedarf auch durch Weiterbildungen ausgebaut werden sollten. Außerdem ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass der ScrumMaster in seiner Rolle glaubhaft und integer ist und ihm die Teammitglieder Vertrauen entgegenbringen.

Genau dafür möchte ich nachfolgend zwei Führungsstile vorstellen, die sich nach meiner Erfahrung für die Rolle des ScrumMasters besonders gut eignen: Zum einen der Führungsstil "Servant Leader – Führen durch Dienen" sowie der Führungsstil "Creative Manager – Kreativer Manager".

Servant Leadership – Führen durch Dienen

In den meisten Beschreibungen der Rolle des ScrumMasters wird dieser als ein "Servant Leader" bezeichnet. Doch was bedeutet dies konkret? Der Stil "Führen durch Dienen" (Servant Leadership) basiert ursprünglich auf der Arbeit von Robert Greenleaf aus den siebziger und achtziger Jahren, die von vielen Akademikern aufgegriffen und weitergeführt wurde. Unter den "klassischen" Führungsstilen ist er am ehesten dem kooperativen Führungsstil zuzuordnen.

Greenleaf selbst meinte, dass die Überzeugungskraft den Servant Leader am deutlichsten von den anderen Führungsstilen unterscheidet. Dies ist auch im Falle des ScrumMasters ein wesentlicher Faktor, da es keine hierarchische Führung gibt, sondern der ScrumMaster als Teil des Teams "auf Augenhöhe" agiert (laterales Führen). Damit verfügt der ScrumMaster über keine Führungsbefugnis (z.B. durch eine vorgesetzte Position) und muss sein Team durch Überzeugungskraft dazu bewegen, ihm zu folgen.

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Guest
Sehr guter Artikel. Das Thema sollten wir auf openPM noch mal vertiefen. Besonders die Rollenwechsel von Projektmanager zu Scrum Master bzw. Product Owner. Wobei in größeren Projekten dieser Wechsel nicht notwendig ist und stattdessen der Projektmanager beide Rollen hinzubekommt, er selbst aber das Planen für und das Steuern der Teams aufgeben kann bzw. muss ;-).
Birgit
Schultheiß
Sehr informativ und anschaulich. Interessant ist vor allem der Aspekt, was sind die Voraussetzungen, um als Scrum Master optimal wirken zu können und wie gestaltet sich der Rollenwechsel vom Projekt Manager her. Letzteres und die Beleuchtung von Zusammenspiel und Abgrenzung zwischen Product Owner und Scrum Master werde ich für mich noch vertiefen.
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