Entscheidungsrisiko-Analyse

English
decision analysis

Die Entscheidungsrisikoanalyse untersucht und bewertet negative Auswirkungen (Risiken) einer Entscheidung. Sie identifiziert für alle Entscheidungsoptionen die mit ihnen verbundenen Risiken und bewertet sie. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse vergleicht die Risikobelastung der betrachteten Optionen und liefert damit eine Grundlage für die zu treffende Entscheidung.

Entscheidungsrisiko-Analyse

Entscheidungsrisiko-Analyse

English
decision analysis

Die Entscheidungsrisikoanalyse untersucht und bewertet negative Auswirkungen (Risiken) einer Entscheidung. Sie identifiziert für alle Entscheidungsoptionen die mit ihnen verbundenen Risiken und bewertet sie. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse vergleicht die Risikobelastung der betrachteten Optionen und liefert damit eine Grundlage für die zu treffende Entscheidung.

Entscheidungsrisiko-Analyse

Einsatzmöglichkeiten

  • Alle Entscheidungssituationen, auch außerhalb von Projekten.
  • Bewertung von Kompromisslösungen und der Beibehaltung des Status Quo (d.h. "Nicht-Entscheiden")
  • Typische Projektsituationen wie z.B. Make-or-buy-Entscheidung, Lieferantenauswahl, Suche nach einem Projektpartner oder kurzfristigen Personalentscheidungen

Die Entscheidungsrisikoanalyse wird idealerweise mit anderen Methoden zur Entscheidungsfindung (wie etwa Nutzwertanalyse, Kraftfeldanalyse) kombiniert. 

Ergebnisse
  • Darstellung der Risikobelastung der Entscheidungsoptionen
  • Empfehlungen für das weitere Vorgehen im Entscheidungsprozess
  • Input für eine anschließende umfassende Projektrisikoanalyse
Vorteile
Einfache Anwendung
Geringer Aufwand
Einfache Visualisierung
Betrachtet auch die häufig vernachlässigte Option des "Nicht-Entscheidens"
Ergänzt die Projektrisikoanalyse und reduziert den Aufwand für deren Aktualisierung
Grenzen, Risiken, Nachteile
Die Methode zeigt nur die negativen Auswirkungen der Entscheidungsoptionen und ist daher alleine nicht aussagefähig genug für einen Entscheidungsprozess
Sind nicht alle Entscheidungsoptionen bekannt, kann ein falsches Bild erzeugt werden
Können die an der Analyse Beteiligten die Auswirkungen nicht umfassend beurteilen, ist das Ergebnis nicht belastbar
Für komplexe Entscheidungssituationen nur bedingt geeignet, da nur eine "flache" Betrachtung der Abhängigkeiten verschiedener Risiken durchgeführt wird
Die Methode ersetzt nicht eine umfassende Projektrisikoanalyse
Voraussetzungen
  • Kenntnis aller (realistischen) Entscheidungsoptionen (inklusive möglicher Kompromisslösungen)
  • Projektdaten (Planung, Zielsetzung) sowie Projektbeteiligte (Stakeholder, Auftraggeber, ...) sind bekannt
  • Die Auswirkungen der Entscheidungsoptionen können anhand der Projektdaten und Projektsituation beurteilt werden
Qualifizierung

Die Entscheidungsrisikoanalyse erfordert keine spezielle Qualifikation. Kenntnisse bzw. Erfahrungen im Risiko-management sind hilfreich. Bei der Anwendung in Gruppen ist Moderationserfahrung hilfreich.

Benötigte Informationen
  • detaillierte Informationen über die Entscheidungssituation (z.B. Projekthandbuch, Interessen der Stakeholder, Gutachten)
  • genaue Beschreibung der möglichen Entscheidungsoptionen (inclusive des Nicht-Entscheidens bzw. möglicher Kompromisslösungen)
  • Wissen der Beteiligten über die möglichen Auswirkungen der Entscheidung sowie deren Einschätzung
Benötigte Hilfsmittel
  • Moderationsmaterial sowie Whiteboard, Flipchart etc. bei der Bearbeitung in einer Gruppe
  • Hilfsmittel zur Dokumentation der Ergebnisse (z.B. Programme für Tabellenkalkulation und Textverarbeitung o.Ä.)
  • falls vorhanden: Vorlagen, Spezialsoftware für die Risikoanalyse
Herkunft

In der Entscheidungsrisikoanalyse kombiniere ich verschiedene Elemente des Risikomanagements speziell für Entscheidungssituationen. Erstmalig publiziert wurde die Methode 2014 (Niklas, Cornelia: Die Entscheidungsrisiko-Analyse – in schwierigen Situationen richtig urteilen, Projekt Magazin, 08/2014).

Durchführung: Schritt für Schritt

Schritt 1: Definieren Sie die Entscheidungssituation!

Beschreiben Sie mit Hilfe der vorliegenden Informationen (z.B. Offener Punkt, Spezifikationen, Organigramm, Kalkulation, Terminplan, Statusbericht, aktuelle Leistungskennzahlen, Prognosen) folgende Aspekte:

  • Ausgangssituation: In welchem Kontext ist die Entscheidung zu fällen? Welche Entwicklungen haben zu der aktuellen Situation geführt?
  • Problemstellung: Warum ist eine Entscheidung notwendig? Was passiert bei Untätigkeit?
  • Zielsetzung: Welche Auswirkungen hätte eine optimale Entscheidung?
  • Beteiligte: Wer ist von der Entscheidung betroffen? Wer muss informiert werden? Wer muss konsultiert werden? Wer muss an der Entscheidung aktiv beteiligt werden?
  • Beschränkungen: Bis wann muss die Entscheidung spätestens gefällt werden? Welche Kosten dürfen durch die Entscheidung entstehen? Welche anderen Rahmenbedingungen sind einzuhalten?

Beispiel: Ein Einzelhandelsunternehmen plant für den Sommer ein Kundenevent zur Gewinnung von Neukunden. Im Januar zeichnet sich durch kurzfristigen Ausfall eines Teammitglieds aus dem Einkauf ein Personalengpass ab. Das Event soll unverändert im gleichen Umfang zum festgelegten Termin stattfinden. Die Motivation der Mitarbeiter darf nicht darunter leiden. Beteiligt sind der Filialleiter (Auftraggeber), Marketingleitung (Projektleitung), Einkaufsleitung und der Betriebsrat. Das Projekt ist in Plan und es gibt ein Risikobudget. Alle Mitarbeiter sind ausgelastet, z.T. überlastet.

Schritt 2: Stellen Sie die möglichen Entscheidungsoptionen dar!

Nehmen Sie dazu nicht nur alle "auf den ersten Blick" ersichtlichen eindeutigen Möglichkeiten auf, sondern ergänzen Sie dabei als Option das Nicht-Entscheiden ("Aussitzen") der Situation sowie mögliche Kompromisslösungen. Sie können die Optionen z.B. in Form einer Mind Map visualisieren.

Beispiel: Der Marketingleiter diskutiert die Situation mit dem Filialleiter und dem Einkaufsleiter. Sie identifizieren drei Entscheidungsoptionen: Mehrarbeit für die Mitarbeiter anordnen, einen externen Dienstleister beauftragen, vorerst nichts tun und die Prognose der Ausfallzeit abwarten (Bild 1).

Bild 1: Optionen für die Entscheidungsrisikoanalyse

Bild 1: Optionen für die Entscheidungsrisikoanalyse

Praxistipps ...

Varianten ...

Ergänzende Methoden

Negativer / Positiver Zweig

Analysieren und visualisieren Sie die erwarteten Auswirkungen einer Idee! Gehen Sie positiven wie negativen Effekten auf den Grund und identifizieren Sie die richtigen, frühzeitig greifenden Maßnahmen!

Ishikawa-Diagramm

Identifizieren Sie die Ursache aller Ursachen eines Problems! Visualisieren Sie im Team den gemeinsamen Problemlösungsprozess mit dem Klassiker aus den "Sieben Qualitätswerkzeugen"!

Risikoidentifikation

Identifizieren ist besser als böse Überraschungen! Finden Sie alle möglichen Bedrohungen für Ihren Projekterfolg heraus und dokumentieren Sie diese zur weiteren Behandlung.

Risikoanalyse

Vorbeugen ist besser als Trouble-Shooting: Analysieren Sie die Risiken rechtzeitig, bevor sie den Erfolg Ihres Projekts gefährden können! Nur so können Sie sich auf alle Eventualitäten richtig vorbereiten.

Risikomatrix

Visualisieren Sie intuitiv die Risikosituation Ihres Projekts. Erkennen Sie auf einen Blick, welche Risiken Sie unbedingt vermeiden oder reduzieren müssen. Kommunizieren Sie für alle Stakeholder leicht verständlich die Gefahren für den Erfolg Ihres Projekts.

Umfeldanalyse

Identifizieren Sie unterstützende und bedrohende Einflussfaktoren Ihres Projekts, indem Sie die Wechselwirkungen mit seinem Umfeld analysieren! Mit der Umfeldanalyse verfügen Sie über ein wirkungsvolles Werkzeug zur systemischen Projektsteuerung.

Kraftfeldanalyse

Identifizieren und visualisieren Sie die treibenden und bremsenden Einflüsse auf Ihr Vorhaben! Leiten Sie aus dem Kraftfelddiagramm den optimalen Aktionsplan ab, der den größtmöglichen Netto-Effekt für Ihr Ziel bewirkt!

Nutzwertanalyse

Wählen Sie bei komplexen Entscheidungen die Handlungsoption mit dem höchsten Zielbeitrag aus! Berücksichtigen Sie dabei auch nicht-monetäre Kriterien transparent und nachvollziehbar!

Entscheidungsbaum

Visualisieren Sie komplexe Entscheidungen, damit Sie die Entscheidungssituation und deren Konsequenzen vollständig überblicken! Leiten Sie fundiert begründete Entscheidungen systematisch ab!

Paarweiser Vergleich

Sie müssen sich unter Zeitdruck für eine von mehreren Optionen entscheiden? Dann ist der Paarweise Vergleich die richtige Methode für Sie! Mit ihm identifizieren Sie schnell unter den zur Verfügung stehenden Alternativen die besten Optionen.

Fachartikel zur Methode

Stehen im Projekt wichtige Entscheidungen an, sollte der Projektleiter unbedingt auch die Risiken analysieren, die mit jeder Entscheidungsoption verbunden sind.

Aufgabengebiete

Download PDFDownload PDF

Bewertungen und Kommentare

Diese Funktion steht nur eingeloggten Nutzern zur Verfügung.
1 Kommentare anzeigen & selbst mitreden!
Gesamt
Bewertungen 1
Kommentare 1

Alle Kommentare (1)

Nikolay
Podpryatov

test