Der richtige Umgang mit dem Wörtchen "Nein"

Wenn ein Projektleiter einen Kollegen um Unterstützung bittet, kommt es häufig vor, dass dieser dafür keine Zeit oder schlicht keine Lust hat. Anstatt offen "Nein" zu sagen, druckst der Kollege herum und gibt keine eindeutige Antwort. Gaby Graupner erklärt in diesem Tipp, wie Sie es Ihrem Gesprächspartner ermöglichen können, sein "Nein" offen zu formulieren. Darüber hinaus zeigt sie, wie Sie versuchen können, das "Nein" eines Kollegen in eine Zusage zu verwandeln.

Ein wichtiges Projekt eines großen Unternehmens gerät allmählich in Verzug. Der Projektleiter bittet einen Abteilungsleiter um dessen Unterstützung und die Freigabe zusätzlicher Ressourcen, um die Terminverzögerungen noch aufzufangen – und der Abteilungsleiter sagt: "Nein!"

Das "Nein" eines Geschäftspartners oder Arbeitskollegen löst oft ein Gefühl der Ohnmacht aus, da wir im ersten Moment nicht wissen, was wir gegen das "Nein" unternehmen können. Je nach Temperament empfinden wir auch Zorn und Wut. Selbst wenn wir den Abteilungsleiter in dem Beispiel bis zu einem gewissen Grad verstehen können, fühlen wir uns ausgebremst, denn ein "Nein" wirkt häufig wie ein Stoppschild.

Dieser Tipp zeigt Ihnen, warum es wichtig ist, das "Nein" eines Geschäftspartners offen zuzulassen und wie Sie professionell damit umgehen können.

Lassen Sie ein "Nein" zu

Angenommen, ein Gesprächspartner denkt nur "Nein", sagt es aber nicht. Im Verkauf ziehen sich potentielle Kunden, die nicht "Nein" sagen möchten, gerne mit einer Aufgabe aus der Affäre. Da heißt es dann: "Sehr interessant. Senden Sie uns doch bitte ein ausführliches Angebot. Wir melden uns dann wieder bei Ihnen." Und tatsächlich – wenn das Wort "Angebot" fällt, sind oft alle Beteiligten zufrieden. Der Kunde, weil er das Thema vom Tisch hat und der Verkäufer, weil er glaubt, einen Fuß in der Tür zu haben. In Wirklichkeit hat sich jedoch nur der Aufwand vor der endgültigen Ablehnung erheblich erhöht.

Diese Verzögerungsrhetorik kommt auch in Projekten gerne zum Einsatz, sie lautet nur etwas anders, z.B.: "Ja, ich werde sehen, was ich für Sie tun kann." Besonders bei ungeklärten Kompetenzen, wenn der Angesprochene nicht weiß, ob er zur Mitarbeit verpflichtet ist oder nicht, wird er möglicherweise dazu tendieren, Ihnen immer wieder neue Entschuldigungen und Ausflüchte statt Ergebnisse zu liefern, obwohl er bereits ein klares "Nein" im Kopf hat. Die Folge: Sie verlieren wertvolle Zeit und Handlungsoptionen.

Fühlt sich Ihr Ansprechpartner hingegen zur Zusage gezwungen und absolviert seine Aufgabe nur halbherzig, enthält das Ergebnis möglicherweise etliche Fehler. Oder – oft noch schlimmer – auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung, es fehlen aber wichtige Zusatzinformationen.

Wenn Sie Ihr Gegenüber um etwas bitten, sollten Sie also darauf achten, dass er das "Nein" in seinem Kopf auch offen

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