Die sieben häufigsten Stolpersteine in der kollegialen Beratung

Mit Hilfe der kollegialen Beratung können sich Ratsuchende von ihren Kollegen Lösungsvorschläge für schwierige berufliche Situationen holen. Um diese einfache und effektive Methode anwenden zu können, reicht ein wenig Übung zu Beginn unter Anleitung eines erfahrenen Moderators aus. Die Einfachheit der Methode verleitet allerdings dazu, vom festlegten Vorgehen abzuweichen und so den Beratungsprozess zum Scheitern zu bringen. Heinz-Detlef Scheer beschreibt, auf was Moderatoren achten müssen und wie sie dafür sorgen können, dass die Beratungssitzung dem Ratsuchenden den größten Nutzen bringt.

In schwierigen beruflichen Situationen kann man entweder einen Coach beauftragen und mit diesem eine Lösung erarbeiten oder Kollegen um Rat bitten. Die erste Möglichkeit scheidet oft aus, weil der Arbeitgeber entweder kein Coaching zahlt oder der Beratungsbedarf zu klein ist, um ein professionelles Coaching zu rechtfertigen. Die zweite Möglichkeit, die "kollegiale Beratung" (auch "Intervision" oder "Reflecting Team" genannt), stellt hier eine kostengünstige und effektive Alternative dar (siehe "Intervision: Wirkungsvolle Beratung ohne professionellen Berater", Projekt Magazin 13/2009). Nach einem festgelegten Vorgehen erarbeiten die Teilnehmer dabei Handlungsoptionen und Problemlösungen. Es ist dazu keine umfangreiche Schulung notwendig, ein wenig Übung unter Anleitung eines erfahrenen Moderators reicht aus, um eine wirkungsvolle Beratung zu ermöglichen. Die Methode, die sich seit den 70er Jahren kontinuierlich verbreitet hat, ist mittlerweile in der Wirtschaft fest etabliert

Jede Methode ist nur so gut wie ihre beste Durchführung!

Es gibt aber auch Stolpersteine, die den Erfolg dieser Methode ausbremsen können. Auch eine noch so gute Methode kann, wenn sie nicht professionell angewendet wird, zum frustrierenden Erlebnis für alle Beteiligten werden. Das scheint insbesondere für die Methode der "kollegialen Beratung" zu gelten. Denn auch wenn die Durchführung sehr einfach ist, müssen doch ein paar Spielregeln eingehalten werden, sonst ist diese im Grunde sehr effektive Methode zum Scheitern verurteilt. Gerade wegen ihrer Einfachheit reizt sie aber offensichtlich zu scheinbaren "Verbesserungen", "Ergänzungen" oder zu einer "Beschleunigung". Tatsächlich sind solche Veränderungen jedoch nur Stolpersteine, die sich negativ auf die Methode auswirken.

Die sieben Stolpersteine im Überblick

Das Reflecting Team oder die "kollegiale Beratung" scheitert unweigerlich, …

… wenn keine Zielklärung möglich ist, die in einen klaren Beratungsauftrag mündet.

… wenn die Berater zu "Experten" werden.

… wenn einer oder mehrere Berater Teil des Problemsystems sind.

… wenn wertende Diskussionen aufkommen.

… wenn der Ratsuchende nicht souverän hinsichtlich der Lösung bleibt.

… wenn die Methode durch Erweiterungen "verschlimmbessert" wurde.

… wenn die Lösungsstrategien nicht hinreichend auf Passung geprüft wurden.

Die sieben "beliebtesten" Stolpersteine habe ich nachfolgend für Sie aus meiner Erfahrung als Moderator von über 1.500 Reflecting-Team-Sitzungen zusammengestellt. Gleichzeitig erfahren Sie, was Sie als Moderator tun können, damit diese kontraproduktiven Stolpersteine gar nicht erst aufkommen oder zumindest bei ihrem Auftauchen ganz schnell aus dem Weg geräumt werden können. Denn schließlich soll die Beratergruppe sich auf das konzentrieren können, weswegen sie eigentlich zusammengetreten war: Ein Gruppenmitglied in die Lage zu versetzen, sein Problem schnell, effektiv und nachhaltig in den Griff zu bekommen bzw. in eine Lösung zu seinen Gunsten zu verwandeln.

Tabelle 1: Die einzelnen Phasen in der Grundversion der kollegialen Beratung. Unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren ist, dass die Spielregeln konsequent eingehalten werden.
Phase Dauer Ratsuchender Berater
Bericht des
Ratsuch-
enden
< 10 min Ratsuchender berichtet anhand der Leitfragen oder ohne diese. Er wird nicht unterbrochen! Berater hören nur zu!
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