Intervision: Wirkungsvolle Beratung ohne professionellen Berater

Wer in einer schwierigen Situation nicht weiter weiß, kann die Hilfe eines Coachs in Anspruch nehmen. Was aber, wenn der Arbeitgeber kein Coaching zahlt? Oder wenn in regelmäßigen Abständen ein kleinerer Beratungsbedarf besteht, der nicht unbedingt ein professionelles Coaching erfordert? In diesem Fall kann eine Intervision helfen. Bei dieser Methode beraten sich Kollegen gegenseitig und erarbeiten nach einem festgelegten Vorgehen Handlungsoptionen und Problemlösungen. Olivier Sutz erklärt, wann eine Intervision sinnvoll ist, welche Vor- und Nachteile sie hat und wie sie abläuft.

Intervision: Wirkungsvolle Beratung ohne professionellen Berater

Wer in einer schwierigen Situation nicht weiter weiß, kann die Hilfe eines Coachs in Anspruch nehmen. Was aber, wenn der Arbeitgeber kein Coaching zahlt? Oder wenn in regelmäßigen Abständen ein kleinerer Beratungsbedarf besteht, der nicht unbedingt ein professionelles Coaching erfordert? In diesem Fall kann eine Intervision helfen. Bei dieser Methode beraten sich Kollegen gegenseitig und erarbeiten nach einem festgelegten Vorgehen Handlungsoptionen und Problemlösungen. Olivier Sutz erklärt, wann eine Intervision sinnvoll ist, welche Vor- und Nachteile sie hat und wie sie abläuft.

Wer in einer beruflich schwierigen Situation nicht weiter weiß, hat grundsätzlich die Möglichkeit, einen Coach zu beauftragen und mit dessen Unterstützung eine Lösung zu erarbeiten. Was aber tut man, wenn der Arbeitgeber kein Coaching zahlt? Oder wenn in regelmäßigen Abständen ein kleinerer Beratungsbedarf besteht, der nicht unbedingt ein professionelles Coaching erfordert? In diesem Fall kann eine Intervision helfen. Sie ermöglicht eine wirkungsvolle Beratung, ohne dass ein professioneller Berater bzw. Coach hinzugezogen werden muss. Mitarbeiter und Kollegen beraten sich gegenseitig. Im Folgenden erfahren Sie, wann eine Intervision sinnvoll ist, welche Vor- und Nachteile sie hat und wie sie abläuft. Zunächst werden Prinzip und Wirkung der einzelnen Ablaufschritte erläutert, anschließend wird der Ablauf anhand eines praktischen Beispiels dargestellt.

Die Intervision

Die Intervision ist eine Beratungsmethode und wurde vom Psychiater Rudolf Balint entwickelt. Sie wird auch als kollegiale Fallberatung bezeichnet, da sie unter beruflich Gleichgestellten erfolgt. Die Grundidee besteht darin, dass Menschen den Beitrag anderer zu einem Problem meist schnell erkennen, während sie ihren eigenen Beitrag oft ausblenden. Ein Projektleiter beispielsweise, dessen Projekt in Verzug geraten ist, erkennt schnell, dass ein Grund dafür die schlechte Arbeitsorganisation einiger seiner Mitarbeiter ist. Er erkennt aber nicht so leicht, dass auch er selbst zum Terminverzug beiträgt, weil er den Mitarbeitern keine Prioritäten vorgibt, nach denen sie ihre Arbeitspakete abarbeiten sollen.
Neutralen Personen, die eine solche Problemsituation beobachten, fallen diese ausgeblendeten Anteile nach kurzer Zeit auf. Sie können durch kritisches, aber wertschätzendes Feedback neue Sichtweisen auf das Problem aufzeigen und neue Lösungsansätze entwickeln.

Ausgangspunkt jeder Intervision ist ein Problem bzw. eine Frage, die ein Mitarbeiter (Fallgeberin bzw. Fallgeber) vorstellt. Die Beratung erfolgt dann nach einem vorgegebenen Ablauf. Es ist nicht erforderlich, dass die Beteiligten fallspezifische Fachkompetenz mitbringen. Grundsätzlich kann jedes Problem in eine Intervision eingebracht werden.

Es ist sinnvoll, wenn mehrere Personen an der Intervision teilnehmen. Da jeder Mensch über ein Beratungspotenzial verfügt, erhöht sich das Lösungspotenzial einer Intervision, wenn sie nicht nur zwischen drei Personen (Fallgeberin bzw. Fallgeber, zwei Berater), sondern in einer Gruppe erfolgt (Fallgeberin bzw. Fallgeber und mehrere Berater).

Der wesentliche Nutzen einer Intervision ist, dass dem Fallgeber, der sich in einer Sackgasse fühlt, neue Handlungsoptionen aufgezeigt werden und er wieder handlungsfähig wird. Oft geschieht es auch, dass sich konkrete Lösungsansätze eröffnen. Es liegt allerdings in der Verantwortung des Fallgebers, die Handlungsoptionen umzusetzen bzw. die Lösungsansätze in der Praxis zu erproben.

Vor- und Nachteile

Eine Intervision bietet folgende Vorteile:

  • Die Mitarbeiter können von ihren Kollegen lernen: Sie gewinnen neue Einsichten und erweitern ihre Perspektive auf die Problemsituation und sich selbst. Sie können auch konkrete Handlungsmöglichkeiten kennenlernen, um ihr Problem zu lösen.
  • Es fallen keine Kosten für einen Berater oder Coach an.
  • Sofern die Intervisionsgruppe in einer Organisation etabliert wird, kann sie sich zu einer Vertrauensgemeinschaft entwickeln, in welche die Mitarbeiter ihre Probleme ohne Scheu einbringen. Auf diese Weise kann die Intervisionsgruppe einen wertvollen Beitrag zur effizienten und erfolgreichen Arbeit in der Organisation leisten.

Die Nachteile sind:

  • Mindestens drei Personen müssen an der Intervision teilnehmen.
  • Da mehrere Personen beteiligt sind, ist der Aufwand für Terminfindung und Organisation relativ hoch. Dadurch kann sich die Behandlung eines dringenden Problems verzögern.
  • Für die Lösung von Problemen, die tiefer gründen, reichen Wissen und Zeit einer Interventionsgruppe unter Umständen nicht aus. Ein tiefer gründendes Problem liegt beispielsweise vor, wenn der Fallgeber wenig offen für Neues ist und sich deshalb auf neue Sichtweisen nicht einlassen kann oder wenn ein Konflikt zu weit fortgeschritten ist. Wenn klar wird, dass Intervisionen dem Fallgeber keinen Nutzen bringen, müssen andere Wege der Problemlösung gefunden werden (z.B. professionelles Coaching oder Mediation).

Vorbereitung und Voraussetzungen

Damit eine Intervision erfolgreich sein kann, müssen bestimmte Vorbereitungen getroffen werden und Voraussetzungen erfüllt sein.

  • Bilden Sie eine Intervisionsgruppe von drei bis ca. sechs Personen. Die Teilnehmer sollten sich untereinander vertrauen. Von Vorteil ist, wenn die Gruppenmitglieder über unterschiedliches Know-how verfügen. Auf diese Weise gelangt der Fallgeber eher zu neuen Einsichten und lernt ungewohnte Perspektiven kennen als wenn alle Teilnehmer denselben Beruf ausüben. Bei Fragestellungen zum Projektmanagement beispielsweise liefern auch Personen, die mit diesem Thema nicht vertraut sind, wertvollen Input.
  • Klären Sie vorab oder zu Beginn des Treffens, wer einen Fall zur Besprechung einbringen wird. Diese Person ist die Fallgeberin bzw. der Fallgeber. (Im Folgenden wird aus Gründen der Verständlichkeit die männliche Form verwendet.)
  • Planen Sie pro Fall etwa eine Stunde ein. Es ist sinnvoll, sich für ein Intervisionstreffen genügend Zeit zu nehmen, sodass auf individuelle Anliegen oder weitere Fälle eingegangen werden kann.
  • Bestimmen Sie für jeden eingebrachten Fall einen Moderator. Dieser führt durch die Intervision, erteilt das Wort und ist für das Zeitmanagement verantwortlich. Nach jedem besprochenen Fall übernimmt eine andere Person diese Rolle. Wenn…

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