Ideen entwickeln im Team

Mit der Fahnenbildung konstruktiver entscheiden

Wenn es gilt, gemeinsam Ideen zu entwickeln oder Probleme zu lösen, führt meist kein Weg an der Methode Brainstorming vorbei. Eine interessante Alternative stellt die "Fahnenbildung" dar: Sie eignet sich nicht nur, um Ideen zu entwickeln, sondern fördert auch den Wissensaustausch und sorgt für Lösungen, in denen sich alle Teammitglieder gut wiederfinden. Elisabeth Wagner und Kristian Lüdtke stellen die Methode vor und liefern eine Excel-Vorlage mit.
Wenn es gilt, gemeinsam Ideen zu entwickeln, Probleme zu lösen oder Entscheidungen vorzubereiten, führt meist kein Weg an der Methode Brainstorming vorbei. Derzeit wird jedoch – vor allem im Wissensmanagement –eine alternative Methode neu entdeckt: Bei der sogenannten "Fahnenbildung" erarbeiten Teams einvernehmliche Bedingungen für Erfolgsfaktoren. Daneben geht mit dem Prozess der Fahnenbildung ein kollektiver Wissenszuwachs einher, sowie die Entwicklung von gegenseitigem Verständnis und die Stärkung des Wir-Gefühls unter den Beteiligten.

Konsens statt Kompromiss

Bei einem Brainstorming im Rahmen einer Entscheidungsfindung oder Problemlösung etc. muss wenigstens ein Teil der Beteiligten auf einige seiner Ideen verzichten, manchmal haben sogar alle das Gefühl, ihre wichtigsten Anforderungen seien bei dem letztendlich gewählten Kompromiss unter den Tisch gefallen oder stark verwässert worden. Das liegt daran, dass die Teilnehmer Ideen und vor allem Wünsche äußern, wie etwas sein sollte und wie nicht. Die Beiträge werden zunächst unstrukturiert erhoben, dann gruppiert, diskutiert, vielleicht Maßnahmen abgeleitet. Die endgültige Entscheidung orientiert sich zwar an dem erarbeiteten Ideenpool, wird aber nicht unmittelbar daraus hergeleitet.

Der Prozess der Fahnenbildung hingegen umfasst ein Ringen um ein gemeinsames Ergebnis, in dem sich alle Beteiligten wiederfinden und in dem möglichst niemand auf wesentliche Punkte verzichten muss. Es ist ein Prozess, in dem es vor allem um drei Dinge geht: gemeinsamen Erkenntnisgewinn, wachsendes Verständnis für die Positionen der anderen und schließlich einen Konsens, in dem sich alle zu ihrer Zufriedenheit wiederfinden.

Schon die alten Griechen … Die erste Fahnenbildung wird dem griechischen Philosophen Platon zugeschrieben. Als konsensorientierte Methode zur kollektiven Entscheidungsfindung blieb sie bis ins Mittelalter populär. In den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es der frühere Jesuitenpater, Philosoph und Theologe Rupert Lay, der die Fahnenbildung im Rahmen des Gesamtthemas Dialektik wieder lehrte und als erfolgreicher Top-Management-Berater in die Chefetagen der deutschen Wirtschaft und Politik brachte. Lay definierte Dialektik "als die Kunst, über gemeinsamen Erkenntnisfortschritt Konsens herzustellen oder Probleme zu lösen." In den letzten Jahren engagierten sich vor allem Anhänger von Rupert Lay für den verstärkten Einsatz der Methode.

Bild 1: Eine Fahne, abgebildet in Excel.

Was ist "Fahnenbildung"?

Ziel der Fahnenbildung ist es, eine vollständige Liste der notwendigen Bedingungen zu erarbeiten, die von der gesuchten Lösung erfüllt sein müssen oder mit einem vertretbaren Aufwand erfüllt werden können, damit ein Konsens entsteht. Traditionell werden diese Bedingungen an eine linke Begrenzungslinie geschrieben. Das optische Bild (siehe Bild 1), das sich dadurch ergibt, führte zu dem Begriff "Fahne".

Die Prozessschritte der Fahnenbildung

Vorbereitung

Dem Prozess der Fahnenbildung oft schon vorgelagert ist die Formulierung des Themas durch den einladenden Projektmanager, am besten mit Hilfe eines erfahrenen Moderators. Dabei geht es immer erstens um eine Wenn-dann-Aussage, die zweitens auf den Erfolg fokussiert ist, z.B.:

  • Fahnenbildung lässt sich in unserer Organisation nur dann erfolgreich anwenden, wenn...
  • Unser Firmenwiki wird nur dann ein Erfolg, wenn...
  • Der Tag der Neueröffnung für unser vergrößertes Gartenbaucenter ist nur dann ein Erfolg, wenn...

Der zweite wichtige Punkt, neben der Formulierung einer klaren Frage, ist die Zusammenstellung der Gruppe. Damit am Schluss ein umfassendes Bild auf der Fahne steht, muss das Team alle Parteien umfassen, die wichtige Aspekte einbringen können. Wie für andere teamorientierte Kreativsitzungen ist eine Größe von sechs bis zwölf Teilnehmern optimal. In der Einladung nennt der Projektleiter Thema und Ziel der Veranstaltung, aber noch nicht die ausformulierte Frage. Als zeitlicher Rahmen haben sich zwei Stunden bewährt.

Dokumentation am besten elektronisch

Die visuelle Dokumentation des Diskussionsverlaufs kann mit Hilfe von Metaplantafeln geschehen, aber der Aufwand, immer wieder eine saubere Neufassung der Ergebnisse zu erzeugen, kann erheblich sein. Als wesentlich praktischer hat sich deshalb die elektronische Dokumentation und Visualisierung erwiesen (eine einsatzbereite Excel-Tabelle hängt diesem Artikel

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