Das Zürcher Ressourcenmodell

Mit Haltungszielen das "Würmli" überzeugen

Warum handeln wir häufig nicht so, wie wir es uns vorgenommen haben? Grund dafür ist, dass unser Unterbewusstsein 99,5% unseres Handelns bestimmt und sich dabei nicht um rationale Argumente kümmert. Mit der Metapher des "Würmlis" für das emotionale Erfahrungsgedächtnis veranschaulicht das Zürcher Ressourcenmodell, wie aus einer bloßen Absicht tatsächliches Handeln wird. Josef Beil beschreibt, wie wir die Unterstützung unseres "Würmlis" für die vom Verstand gesetzten Ziele mit sog. Haltungszielen gewinnen können.

Kennen Sie das Würmli? Wirklich nicht? Auf den ersten Blick erscheint der Name eher niedlich. Aber das Würmli ist ausgesprochen mächtig und einflussreich. Denn es bestimmt Ihr Leben wie auch Ihre Arbeit.

Die Psychologie hat für das Würmli einen etwas komplizierteren Namen: "Emotionales Erfahrungsgedächtnis". Aber das ist dem Würmli egal, es versteht diesen Begriff nicht einmal. Bild 1 zeigt das Würmli: es ist mit sich selbst ganz im Reinen, es überlegt nicht rational, sondern entscheidet ganz spontan, ob es etwas mag oder nicht mag. Und dann übernimmt es das Kommando über unser Verhalten.

Bild 1: Das Würmli alias "emotionales Erfahrungsgedächtnis".

Wenn Sie Ihre täglichen Entscheidungen in eine Weglänge von 10 km umrechnen, so ist das Würmli davon für 9,95 km zuständig. Ihr logisches Denken darf nur über den mageren Rest von 50 Metern entscheiden. Es wird also Zeit, dass Sie endlich Bekanntschaft mit dem Würmli machen! Wir werden Ihnen im Folgenden nicht nur das Würmli und seine Arbeitsweise vorstellen, sondern auch Hilfsmittel an die Hand geben, damit Sie Ihr Würmli "artgerecht halten" und auf diese Weise Ihre Entscheidungsfreiheit erhöhen können.

Das emotionale Erfahrungsgedächtnis

Klassiker im Alltag sind die Situationen, bei denen Sie erst oft Stunden später wissen, wie Sie hätten reagieren sollen oder wollen. Aber in der konkreten Situation hatten Sie sich schon wieder so verhalten, wie Sie es eigentlich vermeiden wollen: Nichts tun, laut werden, auf der Tagesordnung beharren, einen Schuldigen suchen usw. Dies sind alles Reaktionen, die rational betrachtet nicht weiterhelfen, die aber das Würmli in seinem Repertoire hat. Es ist eben unser emotionales Erfahrungsgedächtnis.

Wie unschwer zu erraten, kommt der Name "Würmli" aus der Schweiz. Die Schweizer Psychologen Maja Storch und Frank Krause haben damit das unbewusste, äußerst schnelle und rational oft nicht nachvollziehbare Denken benannt (Storch und Krause, 2014). Sie beschäftigten sich mit der Frage, warum gute Vorsätze so oft scheitern und warum man so oft nicht das tut, was man eigentlich als vernünftig erkannt hat. Wir werden das von Storch und Krause in diesem Zusammenhang entwickelte, sog. "Zürcher Ressourcenmodell" weiter unten noch im Detail anschauen, aber zuerst wollen wir das Würmli genauer kennen lernen.

Würmli und Verstand – schnelles und langsames Denken

Stellen Sie sich vor, Sie leiten die Weiterentwicklung einer Datenbanklösung zur Kundenverwaltung in einem mittelständischen Unternehmen. Ihr Team ist gut vorangekommen und Sie wollen die Ergebnisse bald den Erstanwendern vorstellen. Nun erfahren Sie über den Flurfunk, dass die Geschäftsführung den Einkauf gerade damit beauftragt hat, Angebote

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