Schwierige Teammitglieder im Projekt 5 Taktiken, wie Sie mit Narzissten richtig umgehen

5 Taktiken, wie Sie mit Narzissten richtig umgehen

Ob Teamleitung oder Teammitglied – narzisstische Personen findet man überall. Sie können ein Projekt durch ihre übersteigerte Selbstwahrnehmung zum Erfolg pushen. Oder das ganze Team mit Intrigen und manipulativen Taktiken sabotieren. So erkennen Sie narzisstische Teammitglieder und gehen richtig mit ihnen um.

Management Summary

Schwierige Teammitglieder im Projekt 5 Taktiken, wie Sie mit Narzissten richtig umgehen

5 Taktiken, wie Sie mit Narzissten richtig umgehen

Ob Teamleitung oder Teammitglied – narzisstische Personen findet man überall. Sie können ein Projekt durch ihre übersteigerte Selbstwahrnehmung zum Erfolg pushen. Oder das ganze Team mit Intrigen und manipulativen Taktiken sabotieren. So erkennen Sie narzisstische Teammitglieder und gehen richtig mit ihnen um.

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Haben Sie auch eine solche Person in Ihrem Projektteam, die einfach grandios wirkt? Oder zumindest eine, die meint, sie wirkte grandios auf ihr Umfeld? So einen selbstverliebten, großspurigen, berechnenden Menschen – eine narzisstische Person? Das kann z.B. Ihr Teamleiter sein oder auch eine Kollegin. Narzisstische Menschen findet man überall.

Prominente Beispiele gibt es viele: Die Stimmberechtigten der Vereinigten Staaten von Amerika haben bei der letzten Präsidentschaftswahl 2020 einen Narzissten abgewählt, Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigt eindeutige Anzeichen narzisstischer Tendenzen und auch das italienische Politik-Schwergewicht Silvio Berlusconi war und ist ein prominentes Beispiel. In den Reality Shows quillt das Programm ebenfalls fast über vor Selbstdarsteller:innen, Angeber:innen und "grandiosen Persönlichkeiten". Aber auch in Unternehmen und Organisationen gehören narzisstische Menschen zum Alltag. Nur treten sie dort nicht ganz so öffentlich in Erscheinung.

Narzissmus – ein vorübergehendes Phänomen?

Dass narzisstische Personen derzeit in den Medien omnipräsent zu sein scheinen, hat seine Gründe: Mehrere Autor:innen sind der Meinung, dass wir uns ins Zeitalter des Narzissmus hineinbewegen (Twenge, 2006; Twenge, Campbell, 2009) und auch die deutschsprachige Medienlandschaft hat diese These aufgegriffen (Heidbrink, Berg, Feltes, 2021). Die nachfolgenden Generationen steigern den Grad des Narzissmus der vorigen Generation noch – so zumindest die These. Wäre das tatsächlich so, müssten wir uns darauf einstellen, dass uns der heutige (Projekt-)Nachwuchs noch einiges Kopfzerbrechen bereiten wird. Einiges deutet darauf hin, dass es sich bei hohen narzisstischen Ausprägungen überwiegend um vorübergehende Phänomene handelt – dazu später mehr. Aber was bedeutet das für Ihr Projektmanagement(-Team) und wie können Sie damit umgehen?

Tatsächlich scheint eine (nicht repräsentative) Umfrage des projektmagazins bei LinkedIn und Twitter zu bestätigen, was die Fachliteratur für Führungskräfte aller Art herausgefunden hat: Führungspersonal neigt zu Narzissmus (Externbrink, Keil, 2018; Kuhn, Weibler, 2012)

Um das Phänomen "Narzissmus" zu erfassen, ist es notwendig, sich damit etwas intensiver auseinanderzusetzen. Denn es gibt hier kein Schwarz-Weiß-Schema, vielmehr handelt es sich um ein fein nuanciertes Phänomen, das je nach Situation und Ausprägung einen anderen Umgang erfordert.

Wenn wir den narzisstischen Menschen erst einmal identifiziert haben, werden wir leichter verstehen, warum einerseits er Führungspositionen sucht, aber auch die Führungspositionen ihn suchen. Das ist tatsächlich der Fall, und ich werde Ihnen einige Strategien vorstellen, wie Sie mit narzisstischen Personen umgehen können.

Narziss und der Narzissmus – ein Ausflug in die griechische Mythologie

Narziss war mit einer bestechenden Schönheit gesegnet. Doch schon früh wussten die Seher, dass ihm dies weniger Freude als Leid bringen würde. Weder das eine noch das andere Geschlecht hatte Chancen bei ihm. Er ließ sie alle links liegen und wies jegliche Avancen zurück.

Narziss brach ein Herz ums andere, bis die Verwünschung eines Verschmähten, Narziss möge sich selbst einmal unglücklich verlieben, von der Göttin der Rache erhört wurde. So kam es, dass Narziss eines Tages ein lauschiges Plätzchen fand, in dessen Mitte eine besonders klare Quelle entsprang. Als er sich zum Trinken über das Wasser beugte, konnte er seinen Augen nicht glauben: Welch schöner Mensch schaute ihn von dort an! Tagelang saß er vor seinem eigenen Spiegelbild und versuchte sich ihm zu nähern, es zu küssen oder zu umarmen. Dabei war ihm bald bewusst, dass er sich selbst begehrte und doch nicht erreichen konnte.

Je nach Quelle geschah nun Folgendes: Als er sich ein Herz fasste und diese schöne Gestalt endlich fassen wollte, stürzte er sich in die Tiefe des Wassers, tauchte immer tiefer und tiefer und verschwand für immer (Malkin, 2021). Andere berichten, dass er entkräftet am Ufer zusammenbrach und sein Körper "wie gelbes Wachs (…) bei leichtem Feuer" verging (Ovid, 2005, S. 77). Einig sind sich die Quellen jedoch darin, dass an der Stelle, an der Narziss an der Liebe zu sich selbst starb, fortan "eine safrangelbe Blume [stand], deren Kelch rings weiße Blütenblätter umgeben" (Ovid, 2005, S. 77).

Noch heute gilt die Narzisse als Symbolbild für Eitelkeit und Egoismus.

Einordnung in die dunkle Triade

Narzissmus kann isoliert auftreten. Er lässt sich jedoch auch im Zusammenspiel mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen feststellen. Gesellen sich zu narzisstischen auch machiavellistische (egoistisch-manipulative) und psychopathische (gefühlskalte und skrupellose) Persönlichkeitsmerkmale – jeweils in ihren subklinischen, also schwachen, Ausprägungen –, spricht man von der "dunklen Triade" (siehe "Die dunkle Triade im Projektmanagement"). Sie wirkt sich durch die Kumulation der jeweiligen negativen Eigenschaften der Persönlichkeitsmerkmale besonders destruktiv auf das Führungsverhalten aus, kann jedoch auch zu – meist kurzfristigen – Erfolgen für Projekte führen (vgl. Externbrink & Keil, 2018, u. Kuhn & Weibler, 2012).

Eine Besonderheit der dunklen Triade ist, dass man sie "von unten" viel besser diagnostizieren kann als "von oben". Und so kann es "dunklen Persönlichkeiten" gelingen, schnell Karriere zu machen, wobei sie "verbrannte Erde" hinterlassen. Ein ähnlicher Effekt lässt sich auch bei "reinen" narzisstischen Personen feststellen: Während diejenigen, die einen narzisstischen Menschen nur kurz oder oberflächlich kennen, sehr von der "schillernden Persönlichkeit" eingenommen sein können, merken andere, z.B. Mitarbeiter:innen und Freund:innen, bei längerem Kontakt bald, dass der narzisstische Mensch lediglich eine schillernde Fassade um sich herum aufgebaut hat.

Diese Fassade wird vom narzisstischen Menschen akribisch geschützt, denn Imagepflege ist ein zentraler Aspekt des ausgeprägten Narzissmus.

Die grandiose Selbstwahrnehmung

Wenn man sich einen narzisstischen Menschen vorstellt, dann kommt einem als Erstes seine unrealistisch grandiose Selbstwahrnehmung in den Sinn. Narzisstische Personen sehen sich selbst als Rad schlagende Pfauen in einem Meer grauer Gänse. Die eigenen Fähigkeiten und das eigene Ansehen werden von narzisstischen Menschen sowohl in ihrem Ausmaß als auch in ihrer Wichtigkeit überschätzt. Diese Selbstherrlichkeit äußert sich häufig in "einer exzessiven Eitelkeit, Extravertiertheit und starken Bedürfnissen nach Macht, Status und Aufmerksamkeit" (Externbrink & Keil, 2018, S. 8).

Das zur Schau gestellte "Besonderssein" kaschiert oft ein tiefliegendes Minderwertigkeitsgefühl, das dem narzisstischen Menschen durchaus bewusst sein kann (Heidbrink, Berg, & Feltes, 2021). Die Imagepflege dient in dem Sinn als Schutz vor den kritischen Blicken von außen und den mindestens ebenso kritischen Bewertungen, die narzisstische Menschen sich in stillen Stunden selbst ausstellen.

Narzisstische Personen vertragen keine Kritik

Aus diesem "Selbstschutz" resultiert das Bestreben, ständig bewundert und bestätigt zu werden, um sich besonders und einzigartig zu fühlen (oder fühlen zu dürfen). Daher können narzisstische Menschen mit Kritik in der Regel nicht besonders gut umgehen (Hagemeyer, 2020). Sie trifft sie genau dort, wo sie am verwundbarsten sind: bei ihrem Selbstwert. Vielleicht haben sie mit der Zeit gelernt, die tiefen emotionalen Verletzungen zu verbergen, die Kritik in ihnen anrichtet – womöglich nehmen Sie die Verletzungen auch gar nicht bewusst wahr. Das mindert jedoch nicht den Grad ihrer Verletzung (vgl. hierzu Hagemeyer, 2020; Malkin, 2021).

Aus diesem Grund kann man bei narzisstisch veranlagten Menschen eine ausgeprägte Tendenz zu Wutausbrüchen beobachten, die von der Umwelt oftmals als "übertrieben" bewertet werden. Wenn die narzisstischen Personen ihr Verhalten später reflektieren, erkennen sie, dass der Wutausbruch zu einem noch größeren Gesichtsverlust geführt hat als die ursprüngliche Ursache für ihre Überreaktion. Das kann bei ihnen dazu führen, sich umso mehr um den erneuten Aufbau des Images zu bemühen oder – bei starken Imageschäden – das Umfeld zu meiden, in dem die mühsam aufgebaute Fassade Kratzer bekommen hat.

Dass narzisstische Personen großen Wert auf eine makellose Fassade legen, heißt nicht, dass sie keine herausragenden Fähigkeiten besäßen. Sie können durchaus über besondere Qualitäten verfügen, jedoch reicht eine einzelne Qualität dem narzisstischen Menschen nicht aus. Er muss sich eher als Gesamtkunstwerk wahrnehmen, weswegen die Fassade eine so essenzielle Rolle für ihn spielt.

Das Selbstbild von ausgeprägt narzisstischen Personen ist durch ein häufig schlechtes Selbstbewusstsein ebenso schwach gegründet. Um ihr Selbstbild zu bewahren und sich vor emotionalen Verletzungen zu schützen, greifen solche Personen oft auch zu manipulativen Taktiken. Die Bereitschaft dazu steigt mit dem Grad des Narzissmus (vgl. Externbrink & Keil, 2018, u. Malkin, 2021). Eine positive Folge kann ein gesteigerter Ehrgeiz sein, der in moderater Ausprägung zu einer erhöhten Leistung führen kann.

Manipulative Taktiken von narzisstischen Personen

Generell ähneln sich die manipulativen Taktiken von Menschen mit narzisstischer Ausprägung und die von Personen mit machiavellistischer oder psychopathischer Neigung (siehe "Machtspiele in Projekten"). Sie greifen zu den gleichen Mitteln mit ähnlichen Zielen, wie Macht, Einfluss, Ansehen oder das Durchsetzen der eigenen Ziele. Welche Taktiken im Einzelnen zum Einsatz kommen, hängt u.a. vom Bildungsgrad, den Vorkenntnissen, speziellen Vorlieben, den Besonderheiten des jeweiligen Umfelds und den Erfahrungen mit den jeweiligen Taktiken ab.

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