Agile Führung braucht Komplexitätstoleranz

Nutzen Sie Widersprüche als Chance

In Projekten gehören unterschiedliche Interessen und widersprüchliche Anforderungen zum Tagesgeschäft. Wer diese Unsicherheiten aushalten kann, bleibt handlungsfähig. Silke Weigang zeigt Ihnen, wie Sie Widersprüche positiv nutzen und als Teil agiler Führung in Ihre Projektleitung aufnehmen, z.B. unterstützt Sie die Methode Dragon Dreaming bei der Projektplanung.

Der Projektauftrag ist unterzeichnet, alle Stakeholder sind auf das Projektziel eingestimmt. Dennoch machen Sie immer wieder die Erfahrung, dass die Vorstellungen darüber unterschiedlicher Natur sind und vor allem der Weg zum Projektziel auf verschiedene Weisen verfolgt wird. Im Verlauf ändern sich häufig auch noch die Projektbedingungen – Sie bewegen sich in dem für die Projektwelt so typischen Spannungsfeld verschiedener, teils widersprüchlicher Anforderungen.

Hier spielt die sog. Ambiguitäts- bzw. Komplexitätstoleranz eine wichtige Rolle. Diese beschreibt die Fähigkeit zum Bunt- statt lediglich zum Schwarz-Weiß-Denken. Wenn Sie als Projektleiter oder -mitarbeiter über diese Fähigkeit verfügen, sind Sie in der Lage, die Wirklichkeit anders wahrzunehmen. Widersprüchliche Auffassungen oder mehrdeutige Informationslagen, die schwer verständlich, oft sogar inakzeptabel erscheinen, bewerten Sie nicht von vornherein negativ oder vorbehaltlos positiv, sondern setzen sie vielmehr produktiv ein. Ein gewisses Maß an Unsicherheit halten Sie schlichtweg aus, bis die Dinge sich klären (auch sog. Unsicherheitstoleranz).

Die Folge davon: In unübersichtlichen und komplexen Situationen, z.B. in international und interkulturell geprägten Projekten, bleiben Sie handlungsfähig. In einem solch dynamischen Umfeld sowohl das Projektteam als auch den Projektverlauf flexibel und doch mit Klarheit zu steuern, meint agile Führung.

Ambiguität bedeutet Unsicherheit

Eine unübersichtliche (ambiguitive) Situation bezeichnen wir salopp als "zweischneidig". Hier spiegelt sich unsere manchmal "typisch deutsche" Herangehensweise wider, die Dinge möglichst schnell auf den Punkt zu bringen. "Entweder das eine oder das andere", meinen wir. Beides? Ganz etwas Anderes? Kaum denkbar.

Dabei bedeutet eine ambiguitive Situation nur, dass sie gekennzeichnet ist durch Neuheit, Komplexität und zunächst Unlösbarkeit. Was uns paradox erscheinen mag: Wer hier Widersprüchlichkeiten und gegensätzliche Erwartungen aushalten kann und sie sogar bewusst in seine Überlegungen einbezieht, bleibt handlungsfähig! Mit Toleranz gegenüber Komplexität ist also gemeint, unsichere, mehrdeutige und vielschichtige Situationen auszuhalten, Widersprüchlichkeiten und potenzielle Rollenkonflikte zu ertragen und in unübersichtlichen Situationen gelassen zu bleiben.

In diesem Beitrag zeige ich, wie Sie diese Situationen als Chance erkennen, Komplexitätstoleranz aufbauen und aus dieser Haltung heraus Ihr Projektteam führen und den gesamten Projektverlauf steuern. Selbstorganisiertes, gleichberechtigtes Miteinander zu gestalten, dabei Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen und daraus zu lernen sind als Merkmale agiler Führung erwünscht. Die

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