So schreiben Sie einen Business Case

Teil 4:
Sensitivität, Risiko, Empfehlungen

Ein Business Case soll zukünftige finanzielle Ergebnisse prognostizieren. Allerdings beruhen die Einschätzungen und Prognosen auf Annahmen, die sich jederzeit ändern können. Damit die Leser beurteilen können, wie sicher oder unsicher die Ergebnisse der vorgestellten Modellrechnungen sind, benötigt der Autor Hilfsmittel wie die Sensitivitätsanalyse. Dr. Marty Schmidt und Johannes Ritter beleuchten im letzten Teil dieser Serie, warum diese sowie die Risikoanalyse für einen Business Case wichtig sind. Abschließend zeigen sie, worauf es bei der Erstellung der Schlussfolgerungen und Empfehlungen ankommt, damit der Business Case eine vollständige Entscheidungsgrundlage liefert.

So schreiben Sie einen Business Case

Teil 4:
Sensitivität, Risiko, Empfehlungen

Ein Business Case soll zukünftige finanzielle Ergebnisse prognostizieren. Allerdings beruhen die Einschätzungen und Prognosen auf Annahmen, die sich jederzeit ändern können. Damit die Leser beurteilen können, wie sicher oder unsicher die Ergebnisse der vorgestellten Modellrechnungen sind, benötigt der Autor Hilfsmittel wie die Sensitivitätsanalyse. Dr. Marty Schmidt und Johannes Ritter beleuchten im letzten Teil dieser Serie, warum diese sowie die Risikoanalyse für einen Business Case wichtig sind. Abschließend zeigen sie, worauf es bei der Erstellung der Schlussfolgerungen und Empfehlungen ankommt, damit der Business Case eine vollständige Entscheidungsgrundlage liefert.

Fast alle Business Cases weisen Unsicherheiten auf, weil sie Ergebnisse prognostizieren. Die Bestandteile des Blocks "Betriebswirtschaftliche Auswirkungen" spiegeln die Einschätzung des Autors bzw. des Analysten wider, welcher zukünftige Zustand mit der größten Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Unabhängig davon, wie solide die Methodik und die Analyse sind, die zu den Ergebnissen führen, werden die Leser in diesem Zusammenhang Fragen haben, wie z.B.:

  • Was passiert, wenn sich einige der Annahmen ändern?
  • Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die beschriebenen Ergebnisse eintreffen? Wie wahrscheinlich sind im Vergleich dazu andere Ergebnisse?
  • Was muss passieren, damit wir wirklich zu den Ergebnissen gelangen, die hier dargestellt werden?
  • Was können wir tun, damit die Ergebnisse so positiv wie möglich für uns ausfallen?

Antworten auf Fragen dieser Art liefern die Abschnitte zur Sensitivitäts- und Risikoanalyse.

Sensitivitätsanalyse

Die Sensitivitätsanalyse (auch Empfindlichkeits- oder Sensibilitätsanalyse genannt) beschäftigt sich mit der Frage "Was passiert, wenn sich die Annahmen verändern?". Das Finanzmodell und seine Cashflow-Übersicht sind zwar das Produkt von "harten" (relativ gut abschätzbaren) Daten. Aber auch hier werden Annahmen über Werte und Entwicklungen während des Analysezeitraums getroffen, unter anderem über:

  • Geschäftsvolumen
  • Wachstumsrate des Markts
  • Geschäftsvolumen des Wettbewerbs im selben Markt
  • Gehaltsniveau
  • Inflationsrate
  • Preise für Rohmaterialien und Verbrauchsgüter
  • Preise für Vermögensgegenstände (z.B. Land, Gebäude, Wertpapiere, Schürfrechte)
  • benötigte Einarbeitungszeit der Mitarbeiter, um sich neue Fähigkeiten anzueignen
  • benötigte Zeit für die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte

Was passiert mit den Ergebnissen des Business Cases, wenn sich diese Annahmewerte als falsch erweisen? Wird sich der Netto Cashflow insgesamt sehr verändern? Wie wird sich die Veränderung auf die erwartete Amortisationsdauer oder den internen Zinsfuß auswirken? Solche Fragen müssen für jede Annahme individuell beantwortet werden, da bereits Veränderungen einiger Annahmen die Ergebnisse weitreichend beeinflussen können. Andere Annahmen können sich hingegen weitaus stärker verändern, ohne die Ergebnisse wesentlich zu beeinflussen.

Damit die Leser beurteilen können, wie sicher oder unsicher die Ergebnisse der vorgestellten Modellrechnungen sind, müssen Sie als Autor mithilfe entsprechender Simulationssoftware eine Empfindlichkeitsanalyse durchführen. Die Empfindlichkeitsanalyse untersucht, wie stark sich die primären Output-Größen des Finanzmodells ändern, wenn die Input-Faktoren unterschiedliche Werte annehmen. Innerhalb dieses Artikels können allerdings weder die Theorie und das Vorgehen der Empfindlichkeitsanalyse beschrieben, noch ihre Aussagekraft kritisch betrachtet werden. Im Folgenden erhalten Sie deshalb lediglich Hinweise darauf, wie Sie die Ergebnisse der Empfindlichkeitsanalyse verständlich für den Leser aufbereiten können.

Bild 1 zeigt eine einfache Form der Präsentation. Beachten Sie, dass die zwei Kurven des Graphen eine gemeinsame y-Achse haben (Netto Cashflow), aber für jede von ihnen eine andere Skaleneinteilung und unterschiedliche Werte auf der x-Achse gelten.

Aus dem Diagramm ist ersichtlich, dass der gesamte Cashflow sehr empfindlich auf Veränderungen des Geschäftsvolumens reagiert, während er relativ unempfindlich gegenüber einer Veränderung des durchschnittlichen Ölpreises ist. Die Kurven zeigen, was mit einem Ergebnis des Business Cases passiert, wenn sich eine Annahme ändert und alle anderen Annahmen konstant gehalten werden.

Bild 1: Ergebnisse einer einfachen Empfindlichkeitsanalyse.

Die Darstellung der Empfindlichkeitsanalyse im Business Case verfolgt unterschiedliche Zwecke:

  1. Sie stellt einen groben, direkt verwendbaren Leitfaden dar, der sich vor allem für Leser eignet, die nicht mit allen im Business Case aufgeführten Annahmen einverstanden sind. Diese Leser können bei einer Annahme einfach denjenigen Wert betrachten, den sie selbst für wahrscheinlicher halten, und bekommen so einen Eindruck davon, wie sich dies auf die Analyseergebnisse auswirkt.
  2. Die Aussagen der Empfindlichkeitsanalyse vereinfachen die nachfolgende Risikoanalyse und die Simulationsmodelle. Annahmen oder Input-Faktoren, die wenig Einfluss auf die Ergebnisse haben, können in komplexen Simulationen außer Acht gelassen werden.
  3. Sie geben dem Management deutliche Hinweise, wie die Ergebnisse zu optimieren sind. Faktoren, die einen starken Einfluss auf die Analyseergebnisse haben, verdienen die meiste Aufmerksamkeit.

Sie sollten kurz sowohl die Annahmen oder Input-Faktoren identifizieren, die einen großen Einfluss auf die Rechnungsergebnisse haben, als auch diejenigen, die nur einen kleinen Einfluss auf die Resultate haben. Darüber hinaus sollten Sie an dieser Stelle alle Informationen angeben, die für das Verständnis der Empfindlichkeitsanalyse dienlich sind. Sie können z.B. darauf hinweisen, welche Annahmen die Ergebnisse in einer direkten Kausalkette beeinflussen und welche nur eine indirekte Rolle spielen.

Wenn Sie Empfindlichkeiten des Business Cases gegenüber Annahmen oder Input-Faktoren erläutern, empfiehlt es sich, diese in zwei Gruppen einzuteilen:

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Fortsetzungen des Fachartikels

Teil 1:
Formalien und Einstieg
Ein Business Case stellt Nutzen, Kosten und Risiken einer Projektidee so dar, dass der Leser eine qualifizierte Entscheidung über die Genehmigung oder Ablehnung des Projektantrags treffen kann.
Teil 2:
Annahmen und Methoden
Ein Business Case muss glaubwürdig sein, damit ihn seine Leser akzeptieren. Dies kann der Autor erreichen, indem er die Annahmen und Methoden beschreibt, die zu den Ergebnissen des vorgelegten Business Cases führen. Dr.
Teil 3:
Betriebswirtschaftliche Auswirkungen
Ein Business Case soll die Frage nach den finanziellen Konsequenzen eines Vorhabens beantworten. Aus diesem Grund müssen die Daten und Analysen, auf die sich der Business Case stützt, objektiv dargestellt werden.