Kein Zurück zur alten Arbeitswelt Mit Engagement und Kreativität die neue Arbeitsform gestalten!

Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes wird immer sichtbarer: Homeoffice, Online-Konferenzen und andere digitale Medien bestimmen den Arbeitsalltag. Wer heute noch denkt, er käme daran vorbei, sollte die Corona-Krise als Weckruf begreifen.

Kein Zurück zur alten Arbeitswelt Mit Engagement und Kreativität die neue Arbeitsform gestalten!

Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes wird immer sichtbarer: Homeoffice, Online-Konferenzen und andere digitale Medien bestimmen den Arbeitsalltag. Wer heute noch denkt, er käme daran vorbei, sollte die Corona-Krise als Weckruf begreifen.

Nicht das Projektmanagement ist in der Krise, wie Klaus D. Tumuscheit in seinem Blogbeitrag schreibt. In der Krise ist die Form unserer Zusammenarbeit. COVID-19 hat diese Krise lediglich sichtbar gemacht, sie schwelt aber schon seit 30 Jahren. Denn seitdem verändert sich die Form unserer alltäglichen Zusammenarbeit – und viele Unternehmen beginnen erst jetzt, dies anzuerkennen.

Schon damals suchte das große Telekommunikationsunternehmen, bei dem ich arbeitete, Formen der Telearbeit, wie es damals hieß. Mit Kollegen schrieb ich ein Handbuch für diese damals neue Art der Zusammenarbeit. Neben dem Entwickeln eines neuen Geschäftsmodells wollte das Unternehmen durch Virtuelle Arbeit seine hohen Kosten für Büroräume senken und den Mitarbeitern attraktive Arbeitsmodelle bieten. Auch die Notwendigkeit, Teams mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Standorten zu bilden, gab der Virtuellen Arbeit mit Coworking und Desksharing einen Schub.

Auf diese Art bin ich selbst schleichend in diese Arbeitsform hineingewachsen. In 30 Jahren habe ich sehr viel über die Chancen, aber auch die Risiken der Virtuellen Zusammenarbeit gelernt. Und ich habe beobachtet, wie viele andere es mir nachtaten. Bei den meisten manifestierte sich das Thema ebenfalls schleichend. Seit der Corona-Krise ist es mit dem Schleichen vorbei. Viele mussten von heute auf morgen von zu Hause aus arbeiten. Meine Prognose ist: Ein Zurück in die alte Arbeitsform wir es nicht geben.

Abschied nehmen von Vertrautem

Man kann bedauern, dass die persönlichen Kontakte am Arbeitsplatz, die Gespräche mit Kollegen am Mittagstisch, der Austausch beim Kaffee und Teamevents vorbei sind. Besonders stark merken dies die Kollegen aus der Beratungs- und Trainingszene. Das Fazit aus meinen Gesprächen mit Kollegen aus dieser Berufsgruppe war nach dem Ausbruch der Krise: Alle Trainings sind storniert und wenn etwas läuft, dann nur noch virtuell.

Vielleicht erscheint Ihnen diese Branche als Sonderfall, aber die Entwicklungen dort sollten uns als Brennglas dafür dienen, was uns alle erwartet: Wir befinden uns am Übergang von einer auf Präsenz und Nähe beruhenden Arbeitsform in eine Arbeitsform, in der unsere Kontakte hauptsächlich über digitale Medien stattfinden.

Früher diente Projektmanagement als Weg aus der Krise  

Die hierarchischen Strukturen der Organisation gerieten vor gut 30 Jahren in eine Krise. Peter Heintel beschrieb dies 1988 sehr gut in seinem Buch "Projektmanagement – Eine Antwort auf die Hierarchiekrise". Projektmanagement und Teamarbeit empfanden viele als motivierend. Durch Scrum und Co. erfuhr diese Arbeitsform einen weiteren Aufschwung. Warum ist dies so?

In meinen Seminaren zum Teammanagement machte ich mit den Teilnehmern gerne die folgende Übung: Ich bat sie, mir Adjektive zu nennen, die sie mit dem Begriff Hierarchie verbinden und solche, die sie mit dem Begriff Team verbinden. Dann wurden die Adjektive in positive und negative sortiert. Das Ergebnis: Die mit der Hierarchie verbundenen Adjektive waren fast alle negativ, die mit dem Team verbundenen fast alle positiv.

Mein Fazit daraus ist: Arbeitsformen, die mit persönlichen Kontakten verbunden sind, empfinden wir als positiv. (Im Extremfall versuchen Teammitglieder sogar, Projekte künstlich zu verlängern, weil sie mit dem Team so gerne zusammenarbeiten.) Würde ich jetzt die gleiche Übung mit den Begriffen Team und Virtuelles Arbeiten machen, dann vermute ich die negativen Adjektive würden bei der Virtuellen Arbeit landen. Machen wir also eine Rolle rückwärts?

Die Dialektik der Veränderung  

Der Philosoph Georg Friedrich Hegel hat in seiner Dialektik beschrieben, dass die Entwicklung der Menschheit in dem Schema These - Antithese - Synthese verläuft. In diesem Sinne war die Teamarbeit die Antithese auf die anonyme Organisation. Ist die Virtuelle Arbeit die Synthese in diesem Prozess? Sie kann es sein, wenn es gelingt, die Erfahrungen aus der Teamarbeit in die Virtuelle Arbeit zu transportieren.

Es ist richtig: Homeoffice ist eine Arbeitsform, in der jeder für sich zu Hause arbeitet und die Kontakte über elektronische Medien stattfinden. Da wir aber wissen, dass soziale Kontakte und gute Arbeitsbeziehungen wichtig für gute Arbeitsergebnisse sind, bedeutet dies, dass wir in der virtuellen Welt Formen finden müssen, um die persönlichen Kontakte zu unseren Kollegen weiter zu pflegen und neue aufzubauen.

Jeder muss sich in seiner virtuellen Arbeitsumgebung fragen: Was ist hier die Alternative zur Kaffeeküche? Wie kann ich in einem Web-Meeting mit meinem Nachbarn tuscheln? Wie kann ich einer Kollegin oder einem Kollegen zeigen, dass sie oder er mir sympathisch ist?

Lösungen für diese Themen hat das projektmagazin auf einer eigenen Themen-Seite zusammengestellt. Hier finden Sie eine Menge Anregungen, wie Sie Ihre Arbeitsumgebung in der digitalen Welt gestalten können.  

Blicken wir in das Licht am Ende des Tunnels

Seit den 1980er Jahren wissen wir: Bei jeder Veränderung müssen wir durch ein Tal der Tränen gehen. Ich nenne es Tal der Tränen, weil wir uns dazu von etwas verabschieden müssen, ohne zu  wissen, wie das Neue aussieht. Wir sehen das Licht am Ende des Tunnels (noch) nicht, sondern nur das schwarze Tunnelloch, durch das wir durch müssen.

John Kotter hat mit seinem Pinguin-Prinzip diesen Prozess beschreiben: Seine Pinguine leben auf einem Eisberg, der zu schmelzen beginnt. Die meisten Pinguine merken dies früher oder später. Die einen versuchen, das Schmelzen des Eisbergs zu ignorieren, während andere nach Lösungen suchen, um weiterleben zu können. Dementsprechend gibt es Menschen und Unternehmen, die schon lange gemerkt haben, dass sich die Arbeitswelt verändert und bereits angefangen haben, virtuelle Arbeitsstrukturen einzuführen, aber auch noch Menschen, die sich weigern, die Veränderung zur Kenntnis zu nehmen und das dunkle Tunnelloch noch dunkler beschreiben, als es eigentlich ist.

Beide Positionen haben ihre Berechtigung und ihren Zweck: Die erste treibt die virtuelle Arbeitsform voran, die andere verhindert, sich zu schnell auf eine neue Form des Arbeitens einzulassen, die dann nicht funktioniert.

Die Corona-Krise wirkt auf diesen Prozess wie ein heißer Sommer für einen schmelzenden Eisberg: Der Eisberg schmilzt schneller, aber er verschwindet nicht. So wird es auch nach der Corona-Krise noch Büros geben, in denen Menschen arbeiten, sich in der Kaffeeküche unterhalten und zu Teamevents zusammenkommen.

Aber ein großer Teil der Unternehmen und Mitarbeiter wird erkennen, dass Virtuelles Arbeiten große Vorteile hat: Die Mitarbeiter können ihr Privatleben und ihren Beruf besser miteinander vereinbaren, die Kosten für teure Büroräume können gespart und neue Themen angepackt werden, die in der traditionellen Arbeitswelt nur schwer zu realisieren waren; beispielsweise das Outsourcing von Softwaremodulen in Länder mit niedrigerem Lohnniveau oder Forschungsprojekte mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern. Zusätzlich wirkt sich das Ganze auch positiv auf die Umwelt aus: Weniger Fahrten zur Arbeit und Dienstreisen bedeuten einen geringeren CO2-Ausstoß.

Was können wir tun?

Auch wenn heute noch nicht alles klappt: Trauern Sie nicht der alten Arbeitswelt nach. Nutzen Sie Ihre Energie stattdessen, um mit kreativen Ideen Ihre neue Arbeitswelt zu gestalten!

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