Stakeholdermanagement

English
Stakeholder Management

Stakeholdermanagement dient dazu, die Bedürfnisse der wichtigsten Interessensgruppen zu ermitteln und bei der Projektplanung und –durchführung zu berücksichtigen, um Gefahren vom Projekt abzuwenden. Der Projekterfolg wird nicht nur von inhaltlichen Fragen, Terminen und Budgets beeinflusst, sondern auch unmittelbar vom Einfluss der beteiligten oder betroffenen Personen bzw. Personengruppen. Mittels Stakeholdermanagement sollen positive Einflüsse verstärkt und negative minimiert werden. Es wird während der gesamten Projektlaufzeit in einem kontinuierlichen Zyklus von Identifikation, Analyse, Steuerung und Überwachung durchgeführt.

Stakeholdermanagement

Stakeholdermanagement

English
Stakeholder Management

Stakeholdermanagement dient dazu, die Bedürfnisse der wichtigsten Interessensgruppen zu ermitteln und bei der Projektplanung und –durchführung zu berücksichtigen, um Gefahren vom Projekt abzuwenden. Der Projekterfolg wird nicht nur von inhaltlichen Fragen, Terminen und Budgets beeinflusst, sondern auch unmittelbar vom Einfluss der beteiligten oder betroffenen Personen bzw. Personengruppen. Mittels Stakeholdermanagement sollen positive Einflüsse verstärkt und negative minimiert werden. Es wird während der gesamten Projektlaufzeit in einem kontinuierlichen Zyklus von Identifikation, Analyse, Steuerung und Überwachung durchgeführt.

Stakeholdermanagement

Einsatzmöglichkeiten

Stakeholdermanagement ist ein übergreifender Prozess, dem während der gesamten Projektlaufzeit Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Eine initiale Betrachtung der Stakeholder findet im Rahmen der Projektplanung statt.

Stakeholdermanagement ist für alle Projekte unschätzbar wichtig, um die Projektziele mit den Interessen der betroffenen und beteiligten Personen abzugleichen. Widerstand aus den Reihen der Stakeholder kann sich unmittelbar auf den Projekterfolg auswirken. Stakeholdermanagement muss umso ausführlicher betrieben werden, je mehr Stakeholder betroffen sind und Einfluss auf das Projekt nehmen können.

Ergebnisse
  • Auflistung der identifizierten Stakeholder
  • analytische Bewertung der Stakeholder bzgl. Einstellung und Einflussnahme auf das Projekt
  • Stakeholder-Portfolio
  • Maßnahmenliste für Stakeholdermanagement
  • Kommunikationsplan
  • Informationen für die Risikobetrachtung im Projekt
Vorteile
Ziele und Interessen der Stakeholder können in den Projektzielen berücksichtigt werden.
Mögliche Projektgegner werden identifiziert und gezielte Maßnahmen definiert, um Schaden vom Projekt abzuwenden.
Befürworter des Projekts werden so eingebunden, dass sie positiv auf den Projektfortschritt einwirken können.
Grenzen, Risiken, Nachteile
Stakeholdermanagement kann insbesondere bei Großprojekten einen erheblichen Aufwand verursachen, der zusätzlich zur Steuerung des Projektinhalts anfällt.
Wenn eine Gruppe von Projektbeteiligten das Projekt vehement ablehnt, sind darüber hinausgehende Methoden erforderlich, wie z.B. Mediation.
Voraussetzungen
  • Der Projektumfang muss zumindest grob definiert sein.
  • Der Projektleiter benötigt ein großes Maß an Offenheit und Kommunikationsfähigkeit.
Qualifizierung

Es ist keine besondere Qualifikation notwendig. Je nach Projektgröße sind Erfahrungen im Bereich Projektkommunikation vorteilhaft. Für die Erarbeitung in der Gruppe ist Moderationserfahrung vorteilhaft.

Benötigte Informationen
  • Zu Beginn des Projekts: Kenntnisse über Projektumfang und Projektbeteiligte
  • Während des Projekts: stets aktuelle Informationen über den Projektstatus
Benötigte Hilfsmittel
  • Erarbeitung der Analyse im Team: Whiteboard oder Flipchart, Moderationskarten oder Haftnotizen, Stifte
  • Elektronische Verwaltung: Tabellen oder Listen in Büro-Software
Herkunft

Die Herkunft der Methode ist unbekannt, jedoch findet sich das Stakeholdermanagement als zentrales Element in allen Projektmanagement-Richtlinien wieder.

Der PMBOK® Guide (Fifth Edition) behandelt dieses wichtige Thema im Wissensgebiet "Project Stakeholder Management", das vier Prozesse umfasst.

Im Projektmanagement nach PRINCE2® sind die wichtigsten Stakeholder im Lenkungsausschuss (Project Board) vertreten. Weiterhin werden die Rollen Executive (Auftraggeber), Senior User (Benutzervertreter) und Senior Supplier (Lieferantenvertreter) explizit hervorgehoben.

In der ICB 3.0 der IPMA wird das Stakeholdermanagement im Kompetenzelement "Interested Parties" betrachtet und ist eng mit der Betrachtung des Projektumfelds verbunden.

Der Begriff "Stakeholder" (="Projektbeteiligte") wird auch im Deutschen verwendet und bezeichnet allgemein Personen oder Personengruppen, die aktiv am Projekt beteiligt, von den Auswirkungen des Projektes betroffen sind oder Einfluss auf das Projekt nehmen können.

Durchführung: Schritt für Schritt

Schritt 1: Identifizieren Sie die Stakeholder!

Sammeln Sie im ersten Schritt Stakeholder, die in Ihrem Projekt berücksichtigt werden müssen. Dieser Schritt kann von einer Kreativitätsmethode wie dem Brainstorming unterstützt werden. Nutzen Sie zur Unterstützung die folgenden Fragestellungen:

  • Wer kann Einfluss auf das Projekt ausüben?
  • Wer ist am Projekt beteiligt?
  • Wer ist von den Auswirkungen des Projektes betroffen?
  • Wer hat ein Interesse am Ausgang des Projekts?

Die identifizierten Stakeholder können unterschiedlich erarbeitet bzw. dargestellt werden:

Bild 1: Darstellungsmöglichkeiten identifizierter Stakeholder
Bild vergrößern

Schritt 2: Analysieren und bewerten Sie Stakeholder!

Betrachten Sie in diesem Schritt Ihre Stakeholder näher. Je nach Projektgröße kann es nach Schritt 1 schwierig sein, den Überblick über eine große Anzahl gesammelter Stakeholder zu behalten. Die Analyse und Bewertung dient sowohl dazu, die Stakeholder nach Wichtigkeit zu priorisieren, als auch die Personen zu identifizieren, die potenziell am meisten Probleme verursachen könnten.

Die folgenden Fragen sind bei der Analyse hilfreich:

  • Welche Einflüsse haben die jeweiligen Stakeholder genau?
  • Wie stark sind die Einflüsse? Können sie dem Projekt nützen oder schaden?
  • Ist die Einstellung der Stakeholder dem Projekt gegenüber positiv oder negativ?
  • Welche Macht haben die Stakeholder, das Projekt zu beeinflussen?

Die folgende Tabelle enthält typische Kriterien zur Bewertung der Stakeholder:

Tabelle 1: Typische Kriterien zur Stakeholder-Bewertung.

Kriterium

Beschreibung

Mögliche Bewertungsskala

Einfluss / Macht

Wie groß ist die Möglichkeit des Stakeholders, Einfluss auf das Projekt auszuüben?

gering, mittel, hoch

Einstellung

Ist der Stakeholder dem Projekt und dessen Auswirkungen gegenüber positiv oder negativ eingestellt?

negativ, neutral, positiv

Betroffenheit / Interesse

Wie stark ist der Stakeholder von den Auswirkungen des Projekts betroffen?

gering, mittel, hoch

Konfliktpotenzial

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Stakeholder im Projekt Probleme verursacht?

gering, mittel, hoch

Die Analyse und Bewertung kann in einer einfachen Tabelle durchgeführt werden. Als nützlich hat sich zusätzlich die grafische Darstellung in Form eines Portfolios erwiesen:

Bild 2: Tabellarische Bewertung von Stakeholdern

Bild 3: Stakeholder-Portfolio
Bild vergrößern

Aus der grafischen Darstellung lässt sich direkt eine Priorisierung ableiten: Den Stakeholdern, die rechts oben angesiedelt sind, sollten Sie eine höhere Aufmerksamkeit widmen, als jenen, die sich im linken, unteren Quadranten befinden.

Zusätzlich zur Bewertung der Stakeholder anhand der festgelegten Kriterien sollten Sie die Interessen der Stakeholder analysieren, um diese ggf. in Arbeitspaketen oder in den Projektzielen zu berücksichtigen.

Aus der Stakeholder-Bewertung können Sie Risiken für das Projekt ableiten: Insbesondere Stakeholder mit hoher Macht und negativer Einstellung können eine Bedrohung für den Projektverlauf darstellen, der Sie mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken sollten.

Praxistipps ...

Ergänzende Methoden

Mind Mapping

Lassen Sie Ihren Assoziationen freien Lauf und bringen Sie zugleich Ihre Ideen strukturiert aufs Papier! Ob allein oder im Team - Mind Mapping ist die Methode erster Wahl für alle Aufgaben im Projekt.

Umfeldanalyse

Identifizieren Sie unterstützende und bedrohende Einflussfaktoren Ihres Projekts, indem Sie die Wechselwirkungen mit seinem Umfeld analysieren! Mit der Umfeldanalyse verfügen Sie über ein wirkungsvolles Werkzeug zur systemischen Projektsteuerung.

Partnerschaftliches Verhandeln nach der Harvard-Methode

Verhandeln Sie "hart in der Sache, fair zu den Menschen"! Mit dem partnerschaftlichen Verhandeln nach der Harvard-Methode streben Sie gemeinsam nach einer Win-Win-Situation, auch wenn zunächst die Interessenskonflikte vorherrschend erscheinen.

Fachartikel zur Methode

Teil 1:
Projektbetroffene kennenlernen und verstehen

Eine gelungene Kommunikation mit den wichtigsten Stakeholdern ist eine große Herausforderung. Ein Projektleiter muss, um seine Ziele und die seines Projekts erfolgreich verfolgen zu können, Hunderte von Menschen managen, die ihre eigenen …

Teil 2:
Konflikte bewältigen und sich mit vielen Beteiligten verständigen

Als Projektleiter werden Sie immer wieder mit Konflikten konfrontiert. Doch mit welchen sollten Sie sich auseinandersetzen, weil diese sonst den Erfolg Ihres Projekts gefährden?

Projekte jedweder Art sind unterschiedlichen Einflussfaktoren ausgesetzt.
Stakeholder wollen regelmäßig informiert werden – zeitnah, umfassend, individuell. Dass dies für die Projektleitung einen enorm hohen Aufwand bedeutet, liegt auf der Hand.
In vielen Projekten gibt es kein systematisches Stakeholdermanagement. Obwohl die Stakeholder großen Einfluss auf den Projekterfolg haben, werden diese aus Zeit- oder Budgetgründen oft nur irgendwie "mitgesteuert".
Teil 1:
Die Methode "Governance & Relationship Alignment"
Wenn Unternehmen zusammenarbeiten, kommt es in der Kooperation oft zu Problemen durch unterschiedliche Kulturen und Denkweisen. Doch anstatt diese Probleme aus der Welt zu schaffen, gären sie oft vor sich hin und verschlechtern die Zusammenarbeit.
Teil 2:
Der Relationship-Alignment-Workshop
Treten Konflikte zwischen Kooperationspartnern zutage, sollten diese Spannungen zeitnah aus der Welt geschafft werden.
Stakeholder können den Erfolg eines Projekts stark beeinflussen, für Projektmanager ist es deshalb wichtig, deren Interessen zu kennen.
Wer in einem Unternehmen eine Veränderung umsetzen möchte, muss mit Widerstand rechnen. Es gibt immer Personen, die der Veränderung misstrauisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen.

Ein griffiger Projektname und ein ansprechendes Logo sind kein reiner Luxus, sondern ein hilfreiches Marketing-Instrument – insbesondere bei größeren und strategisch wichtigen Projekten.

In projektfeindlichen Unternehmenskulturen heißt es für den Projektleiter oft: Allein gegen viele.

Um ein praktikables Projektergebnis zu erreichen, ist die Partizipation der späteren Anwender manchmal unumgänglich. Doch oft erscheint den Projektbeteiligten ein Partizipationskonzept als der Albtraum schlechthin.
Im Juli 2005 erhielt London den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern hatte London in seinem Konzept vor allem auf Nachhaltigkeit sowie die intensive Einbindung der Bürger gesetzt und damit das IOC überzeugt.

Kommunale Bauvorhaben scheitern leicht an politischen Unstimmigkeiten. Das wussten auch die Initiatoren des Projekts "Errichtung Ferry Porsche Congress Center" in der Stadtgemeinde Zell am See, Österreich. Sie legten bei Planung und Bau des …

Aufgabengebiete

Download PDFDownload PDF

Bewertungen und Kommentare

Diese Funktion steht nur eingeloggten Nutzern zur Verfügung.
4 Kommentare anzeigen & selbst mitreden!
Gesamt
Bewertungen 6
Kommentare 4

Alle Kommentare (4)

Elke
Wendel-Lander

Inhalt und Struktur prägnant dargestellt!

 

Guest

sehr praxisnah und ansprechend gestaltet.

 

Karin
Braun

verständlich formuliert, praxisrelevant und gut anwendbar!