Agil oder klassisch – Wie Sie sich für die richtige Vorgehensweise entscheiden Gut gewählt, ist halb gewonnen: Vorgehensweisen in Software-Projekten

Gut gewählt, ist halb gewonnen: Vorgehensweisen in Software-Projekten

Schon vor Projektbeginn können entscheidende Weichen für den Projekterfolg gestellt werden. Dies erfolgt durch die Wahl der passenden Vorgehensweise. Bernd Tordeur erläutert, auf welche Faktoren es dabei zu achten gilt.

Agil oder klassisch – Wie Sie sich für die richtige Vorgehensweise entscheiden Gut gewählt, ist halb gewonnen: Vorgehensweisen in Software-Projekten

Gut gewählt, ist halb gewonnen: Vorgehensweisen in Software-Projekten

Schon vor Projektbeginn können entscheidende Weichen für den Projekterfolg gestellt werden. Dies erfolgt durch die Wahl der passenden Vorgehensweise. Bernd Tordeur erläutert, auf welche Faktoren es dabei zu achten gilt.

Bei der Vergabe von Projekten, vor allem in der Softwareentwicklungsbranche, taucht regelmäßig die Frage zum Vorgehensmodell auf. Soll agil oder traditionell vorgegangen werden? Da das agile Modell in der IT-Branche immer mehr an Bekanntheit gewinnt, wird dieses Modell von Projektauftraggebern und Geschäftsführern ebenfalls zunehmend präferiert. Entscheidungsträger wissen aber oft nicht ganz genau, welche Auswirkungen das Projektmanagementmodell auf ihr Unternehmen oder das Projekt haben kann. Cobb beschreibt das Problem in zwei Sätzen: "‘Agil‘ ist eindeutig das neueste und coolste Modewort in der Softwareentwicklung. Jeder möchte agil sein, jedoch gibt es noch Missverständnisse darüber, was agil heißt und Menschen verstehen nicht, was die Implikationen für die Implementierung eines agilen Entwicklungsprozesses sind." Die Gründe für die Wahl eines Vorgehensmodells sind unterschiedlich und es werden dabei nicht immer alle Faktoren, Aspekte und deren Auswirkungen gründlich und tiefgehend durchdacht. Deshalb ist es interessant zu erfahren, welche dieser Faktoren zur Entscheidung beitragen. Neben meiner persönlichen Erfahrung zu diesen Faktoren, wird ebenfalls auf die Erfahrungen von Projektmanagern [1], mit mindestens zehn Jahren Projekterfahrung mit traditionellen und agilen Methoden, referenziert und im Folgenden erläutert.

Ein typisches Szenario zur Auswahl von Vorgehensweisen in der Praxis könnte z.B. wie folgt aussehen. Ein Unternehmen, das vornehmlich Kunden in der Banken- und Versicherungsbranche hat, wollte – auf Wunsch eines Kunden – ein Projekt agil aufsetzen. Obwohl intern schon agil vorgegangen wurde, erhielt der Kunde immer noch einen Projektplan mit Phasen und Meilensteinen. Einer der Faktoren, dessen Impact auf agiles Arbeiten unterschätzt wurde, war die Unternehmenskultur. Zuerst gilt es, sich von dem traditionellen Projektplan zu verabschieden. Es wurde nicht berücksichtigt, dass agiles Arbeiten in der Kultur des Unternehmens und abteilungsübergreifend gelebt werden muss. Die Folge war, dass sich bei einem Teil des Teams Unsicherheit breit machte, da sie daran gewöhnt waren, Arbeitspakete zugeteilt zu bekommen. Somit entstand eine Wer-macht-jetzt-was-Situation und es wurde letztlich auf die traditionelle Methode zurückgegriffen, um das Projekt umzusetzen. Solche Situationen führen zur Frage nach den entscheidenden Faktoren für die Auswahl des geeigneten Vorgehens. 

Faktoren für die Wahl der Vorgehensweise

Flexibilität 

Die Flexibilität in einem Projekt beeinflusst die Entscheidung für eine Vorgehensweise erheblich. Es zeigt sich, dass agile Methoden mehr Flexibilität erlauben. Diese erhöhte Flexibilität bei agilen Projekten ergibt sich durch die iterative Vorgehensweise. 

Wenn in Softwareprojekten Fehler in der Software während der Implementierung rasch behoben werden sollen, fällt die Entscheidung auf eine agile Methode, wie z.B. Scrum. Bei der klassischen Vorgehensweise wird in der Regel erst kurz vor Auslieferung der Software getestet. Diese Testphase führt dabei oft zu einem Engpass bei Ressourcen und nicht selten zu einer kurzfristigen Verschiebung des Lieferdatums. Fehler in der Software werden zudem erst gegen Projektende aufgedeckt. Die Folgen daraus sind unzufriedene Kunden und eine Überschreitung des Projektbudgets. Dank des iterativen Charakters der agilen Methoden werden kontinuierlich kleinere Softwarepakete getestet und implementiert. Somit werden Fehler frühzeitig erkannt und zeitnah behoben. 

Motivation 

Die Motivation der Beteiligten ist – meiner Erfahrung nach – bei agilen Methoden höher als bei der Wasserfallmethode, was wiederum Einfluss auf die Wahl der Vorgehensweise hat. Als ich traditionelle Projekte leitete merkte ich, dass Projektteammitglieder oft frustriert und weniger motiviert wurden. In diesen Projekten konnten sich die Entwickler die Arbeitspakete nicht selbst aussuchen, weil sie durch mich zugewiesen wurden. Da bei der Wasserfallmethode die Software erst am Ende des Projekts vollständig abgenommen wird, fiel mir zudem auf, dass die Motivation bis zum Projektende nachließ. Zu diesem Zeitpunkt war dem Team klar, dass diese späte Abnahme zum Schluss meist zu einer Fehlerbehebung unter riesigen Zeitdruck führen wird. Bei Agilität haben die Teammitglieder eine höhere Eigenverantwortung und die Verantwortung für das gelieferte Produkt wird vom ganzen Team übernommen. Gleichzeitig wird von den Teammitgliedern ebenfalls erwartet, dass Sie sich gegenseitig unterstützen und sich somit selbst motivieren. Bei traditionellen Projekten liegt die Verantwortung bei dem Projektleiter. Scheitert das Projekt, wird er für das Fehlschlagen zur Rechenschaft gezogen. Für eine agile Vorgehensweise ist es somit ratsam, Teams mit hohem Wunsch nach eigenverantwortlichem Arbeiten und mit hoher Identifikation mit dem Projekt sowie den Projektzielen einzusetzen.  

Menschen 

Die Menschen in den Projekten haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die gewählte Vorgehensweise. Brauchen die für das Projekt vorgesehenen Mitarbeiter im Team die terminliche Sicherheit und Führung, wird das Wasserfallmodell gewählt. Für eine agile Vorgehensweise ist es von Vorteil, kommunikative und flexible Menschen, die sich auf etwas Neues einlassen wollen, für das Projekt zu rekrutieren. Projektmanager sollten sich ein Bild von den Menschen im Team machen, bevor sie diese Ressourcen für agile Projekte einteilen. Gespräche mit den jeweiligen Teamleads können dabei unterstützen. Ein alteingesessener Entwickler, der schon seit 20 Jahren seine Arbeitspakete zugeteilt bekommt, wird möglicherweise eher schwer für die Mitarbeit in einem agilen Projekt motivieren zu sein. 

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Alle Kommentare (1)

Peter
Rösch

Die Aufteilung in die (Teil-)Projekte Softwareauswahl und Software fehlt in dem Vorgehen. Zudem ist nach der Auswahl festzulegen, ob Standardsoftware eingesetzt wird oder ob eine Softwareentwicklung erfolgt. Dies wäre dann auch ein eigenes Projekt.
Erst wenn hier eine sachliche Zielsetzung für die (Teil-)Projekte getroffen ist, kann für die einzelnen Projekte eine Methode entschieden werden.