Die unbewussten Auftraggeber

"Bin ich ein Doppelagent?!"

Teil 1:
Wie Glaubenssätze unsere Entscheidungen steuern
"Ein guter Projektleiter muss immer alles im Griff haben!" Solche oder ähnliche Glaubenssätze sind oft tief in uns verankert und steuern unser Handeln, ohne dass uns das bewusst ist. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, problematisch wird es jedoch, wenn solche unbewussten Denkweisen im Alltag Leidensdruck erzeugen. Doch aus dieser Sackgasse gibt es einen Ausweg, wie Detlef Scheer zeigt.
Die unbewussten Auftraggeber

"Bin ich ein Doppelagent?!"

Teil 1:
Wie Glaubenssätze unsere Entscheidungen steuern
"Ein guter Projektleiter muss immer alles im Griff haben!" Solche oder ähnliche Glaubenssätze sind oft tief in uns verankert und steuern unser Handeln, ohne dass uns das bewusst ist. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, problematisch wird es jedoch, wenn solche unbewussten Denkweisen im Alltag Leidensdruck erzeugen. Doch aus dieser Sackgasse gibt es einen Ausweg, wie Detlef Scheer zeigt.

Haben Sie sich auch schon öfter gefragt, warum Sie in bestimmten Alltagssituationen so und nicht anders entscheiden bzw. handeln? Oder warum bei anderen etwas so gut wie immer klappt, nur bei Ihnen will es nicht gelingen? Oder auch, wo andere eigentlich ihr offensichtliches Selbstbewusstsein hernehmen, welches Ihnen doch gerade in dieser oder jener Situation so abgeht?

Um das herauszufinden, ist es notwendig, sich mit den eigenen inneren Antreibern, dem Selbstbild und der eigenen Vorbildwirkung als Führungskraft im Projekt auseinanderzusetzen. Doch mit eigenen inneren Antreibern befassen sich Projektleiter manchmal weniger gerne und intensiv wie mit Terminplänen, SWOT-Analysen, Kreativ- und Problemlösetechniken und Moderationsmethoden usw. Wichtig zu verstehen ist, dass es sich hierbei nicht um typisch "psychologische" Haarspalterei handelt, sondern um eine entscheidende Weichenstellung für erfolgreiche Projektführung.

Einer der Gründe, wieso der Blick auf die eigene Rolle in der Projektleiterpraxis oft so schwerfällt, ist die Tatsache, dass viele von uns als "Doppelagenten" unterwegs sind. Wer jedoch nicht gerade die Fähigkeiten eines Superagenten wie James Bond hat, gerät dabei allzu leicht in eine Sackgasse. Wie diese Doppelrolle entsteht und wie man aus ihr wieder herausfindet, zeigt dieser Artikel. Im ersten Teil geht es um den Umgang mit der "inneren Anwender-Software", also den Programmen, die unser äußeres Handeln steuern Der zweite Teil beschreibt, wie sich ein stabiles Selbstbild als "Gesamtkunstwerk der eigenen Person" schaffen lässt, das einen – und das gilt nicht nur für Projektleiter – stabiler, zufriedener und erfolgreicher macht.

Innere Programme steuern unser äußeres Handeln

Möglicherweise hängt des Rätsels Lösung mit der Tatsache zusammen, dass wir unsere Entscheidungen – die auch unser Verhalten prägen – oft sozusagen auf dem "kleinen Dienstweg" treffen. Innere Antreiber, wie z.B. unsere inneren Programme und unsere Glaubenssätze sind dafür verantwortlich. Und in der Regel ist das gut so, denn sonst könnten wir uns in hochkomplexen Situationen oft nicht zurechtfinden. Unsere Programme – sozusagen unsere "Anwendersoftware" – vereinfachen, fassen zusammen, suchen nach ähnlichen Situationen und ziehen schnell die notwendigen Schlüsse. Das läuft fast immer unbewusst ab, denn unser Hirn erspart uns die bewusste Arbeit gerne, weil wir ja auch noch etwas anderes zu tun haben, als immer wieder die scheinbar "gleichen" komplexen Probleme zu analysieren und zu lösen. Manchmal führt das aber in eine Sackgasse.

Glaubenssätze, Familiensagen und Co.

"Ein guter Projektleiter muss immer alles im Griff haben!", ist ein Glaubenssatz, der zwar weit verbreitet, aber nicht immer hilfreich ist. Denn es ist fast ein absolutistischer Satz, der streng genommen keinerlei Abweichung duldet, will man nicht als Versager dastehen. Denn beim kleinsten "Fehler" ist man zumindest kein "guter" Projektleiter mehr! Solche Glaubenssätze tauchen in verschiedenen Verkleidungen auf und haben unterschiedliche Ursprünge.

Sätze wie z.B. "Anderen Menschen kann man nie trauen!", "Man muss an das Gute im Menschen glauben!", "Man kann nie vorsichtig genug sein!", "Man muss Kompromisse machen im Leben!" etc. mögen gut gemeinte Erziehungsbotschaften sein, um die eigenen Kinder vor Enttäuschungen zu schützen oder Ihnen möglichst viel aus der eigenen Erfahrungswelt mit auf den Weg zu geben.

Glaubenssätze können aber auch gesellschaftliche Konventionen ausdrücken ("Herrschaftsbotschaften"), die durch Erzieher, Lehrer usw. weitergegeben werden, wie z.B. "Kinder müssen ihre Eltern ehren!", "Einer muss ja die Entscheidung schließlich fällen!", "Man muss sich unterordnen können!", "Der Klügere gibt nach", "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!"

Familiensagen schließlich existieren in Form von mehr oder weniger unausgesprochenen Regelwerken, die die Legende eines Familienclans über Generationen hinweg versucht aufrechtzuerhalten, um Zugehörigkeitsbedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen: "In unserer Familie waren immer alle Arbeiter, und das hat uns nicht geschadet. Wir haben immer mit ehrlicher Arbeit…." Oder "Wir waren seit Generationen Akademiker, weil wir uns bemüht haben, hart und diszipliniert an uns gearbeitet haben und uns nie haben gehen lassen…!"

All diese Botschaften verdichten sich im Laufe unserer Lerngeschichte angereichert mit eigenen Erfahrungen, Berichten über Erlebnisse und Erfahrungen anderer Menschen usw. zu eisernen Prinzipien unseres Denkens und Handelns (siehe Kasten: "Das Modell der logischen Ebenen nach Dilts"). Wir werden dadurch in der Regel sicherer und schneller. Wenn ich oft genug erfahren habe, dass Diskussionen nicht zum Ziel führen und Glaubenssätze verinnerlicht habe wie "Diskussionen führen doch zu nichts, da muss auch mal entschieden werden, auch wenn nicht alle einverstanden sind und einige wenige dadurch Nachteile haben", dann neige ich evtl. zur Vereinfachung: "Keine Diskussion!"

Das kann vernünftig, wichtig und u.U. lebensrettend sein. Das führt aber möglicherweise auch dazu, dass ich keinerlei positive Erfahrungen mehr machen kann, die mir z.B. zeigen, dass es in schwierigen Situationen oft hilfreich bis notwendig sein kann, die Standpunkte aller Beteiligten kennenzulernen. Oder dass ein Konsens in bestimmten Situationen unabdingbar ist.

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Fortsetzungen des Fachartikels

Teil 2:
Der Weg zu mehr Selbstbestimmung und Souveränität
Wie stark unser Handeln von unbewussten inneren Glaubenssätzen gesteuert wird, zeigt der erste Teil des Beitrags. Um mehr Selbstbestimmung und Erfolg in sein Leben zu bringen, ist es daher notwendig, behindernde Glaubenssätze "umzuprogrammieren". …

Alle Kommentare

Brunello
Gianella
Danke für den Beitrag! Der individueller "Filter" zu den Glaubenssätze sind die persönlichen Werte. Um daran zu kommen, ist das REISS PROFIL (siehe auch www.rmp-swiss.ch) eine sehr gutes Instrument. Glaubenssätze kann man verändern (Mind-Sets), die stabileren Werte nicht. Diese beeinflussen aber ständig die eigene Sicht der Dinge. Es geht dabei nicht um Verhalten (Aktion) sondern um die Motivation (Intention) zum Verhalten oder eben zum Glaubenssatz. Der gleiche Glaubenssatz kann von viele Menschen gelebt werden, warum ICH gerade diesen Glaubenssatz auch lebe und teile zeigt mir nur meine innere Welt (meine Motive). Das ist dann gelebte Individualität.
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