Das Pflichtenheft in der Softwareentwicklung

Lästiges Übel oder unverzichtbare Notwendigkeit? Im Bereich der Softwareentwicklung wird die Erstellung eines qualifizierten Pflichtenhefts oft mit geringer Priorität behandelt. Doch der Katzenjammer kommt meist hinterher, wenn immer wieder neue Forderungen die Entwicklungskosten in das Unermessliche treiben oder zugesagte Funktionen fehlen. Bernd Hilgenberg erläutert die wichtigen Bestandteile eines Pflichtenhefts. Eine fertig erstellte Vorlage zum Downloaden führt Sie Schritt für Schritt durch die Pflichtenhefterstellung.

Im Bereich der Softwareentwicklung wird die Erstellung eines qualifizierten Pflichtenhefts oft mit geringer Priorität behandelt. Dokumentationen dieser Art, so eine verbreitete Meinung, verzögern und verteuern den Entwicklungsprozess nur unnötig. Es scheint zunächst wichtiger zu sein, eine Software fertig zu stellen, als eine Vorgabe dafür zu erarbeiten. Übertragen auf industrielle Fertigungsmethoden würde das bedeuten, zuerst eine Maschine zu bauen und entweder parallel, hinterher oder gar nicht die technischen Zeichnungen zu liefern. Hier käme niemand auf die Idee, solch eine Forderung an seine Ingenieure heranzutragen. Im Bereich der Softwareentwicklung sieht das allerdings ganz anders aus.

Ein guter Entwickler beginnt sehr früh mit der Produktrealisierung. Seine Arbeitsleistung wird nach "Lines-of-Code" bewertet. Dabei gilt: Je früher man etwas sehen kann, desto besser. Die schnellen Lösungen sind die besten. So oder ähnlich sind die Rahmenbedingungen unter denen Software häufig programmiert wird. Solche Einstellungen produzieren allerdings auch automatisch viele Probleme.

Jede Softwareentwicklung wird vor dem Hintergrund von Zeit und Kosten bewertet. So wird neben einer präzisen Kostenschätzung auch eine genaue Information über die zu tätigenden Aufwände erwartet. Dies gilt auch für Projekte, in denen ein Pflichtenheft von nachgelagerter Bedeutung ist.

Hier beginnt dann der Teufelskreis in der Softwareentwicklung. Ohne ein qualifiziertes Pflichtenheft müssen Termine abgegeben werden, ohne jedoch den definierten Leitungsumfang genau zu kennen. Ein Terminverzug ist auf diese Weise vorprogrammiert. Zudem sind die notwendigen Anwendungsfunktionalitäten ohne schriftliche Fixierung eine Sache der Interpretation. Es besteht die Gefahr, dass der Anwender im Laufe der Realisierung mit immer neuen Ideen und Anforderungen kommt. Während des Projekts kann sich dann auch noch die gewählte Software- bzw. Hardwarearchitektur als falsch herausstellen. Dies produziert zusätzliche Kosten im Bereich der Programmierung und erfordert neue Investitionen in Hardware. Im schlimmsten Fall kann jeder einzelne der aufgeführten Punkte dazu führen, das ein Projekt komplett scheitert.

Fehlende Standards

Bislang hat sich keine verbindliche Regelung durchsetzen können, wie ein Pflichtenheft auszusehen hat. Als Folge reicht die Bandbreite dessen, was alles als Pflichtenheft bezeichnet wird von einem Zweizeiler, über wilde Zeichnungen bis hin zu einer bloßen Aufzählung von gewünschten Funktionen. Deshalb werden Mitarbeiter, die mit der Erstellung eines Pflichtenhefts beauftragt werden, in der Regel mit folgenden Problemen konfrontiert:

  • Wie sollen die Anforderungen der Fachabteilungen niedergelegt werden, damit sie später noch verstanden und bewertet werden können?
  • Welche Inhalte soll ein Pflichtenheft haben, damit ein Programmierer die Anforderungen umsetzen kann?
  • Welche Struktur soll gewählt werden, um die Fülle von Informationen, die zur Erstellung eines Programms notwendig sind, in einer Systematik aufzu-
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