Das Projekt im politischen Spielfeld – Handlungsempfehlungen bei Boykott und Widerstand

Die Politik eines Unternehmens wird von seiner Kultur und seiner Führung geprägt. Ob hier ein offener, partnerschaftlicher Umgang oder intrigantes Kalkül den Stil bestimmt, wird schnell auch auf der Projektebene spürbar. Wie sich das politische Umfeld auf die Projektarbeit auswirkt, beschreibt Thomas Brunschede. An seine Analyse knüpft er konkrete Handlungsempfehlungen, wie Projektleiter mit Verhinderungstaktikern im eigenen Team umgehen und firmeninterne Boykott-Strategien unterwandern können.

Projektblockaden entstehen, wenn Entscheidungen verzögert und Informationsflüsse unterbrochen werden oder andere taktische Manöver den Projektalltag bestimmen. Häufig fällt dann der Begriff "Politik". Viele der Projekte, in denen wir tätig sind, spielen sich in einem solchen politischen Umfeld ab. Politisch motivierte Gründe, die zu einem Stopp, einer Verzögerung oder Behinderung eines Projekts führen, sind selten auf fachliche Argumente zurückzuführen, oftmals nicht einmal auf das Projekt selbst. Die Ziele und Interessen der einzelnen Beteiligten sind mitunter schwer zu erkennen und zu durchschauen. Ein Projektleiter benötigt daher nicht nur Erfahrung, sondern auch taktisches Gespür und Geschick, um ein solches Projekt erfolgreich zu leiten und zielgerichtetes Arbeiten zu ermöglichen.

Was ist Politik?

In der Regel wird Politik als Ursache für ausschließlich negative Entwicklungen im Projekt angeführt. Eine positive Besetzung des Begriffs scheint es nicht zu geben. Gelegentlich wird der hier beschriebene Politikbegriff mit der Unternehmenspolitik gleichgesetzt, deren Definition sich bei näherer Betrachtung jedoch als wertneutral herausstellt. Gemäß der Begriffsbestimmung des Innsbrucker Prof. Dr. Hans H. Hinterhuber ist die Unternehmenspolitik die Gesamtheit der grundlegenden Entscheidungen, welche das Unternehmensgeschehen auf längere Frist in den wesentlichen Grundlinien bestimmen soll. Darin vermag man nichts Negatives zu erkennen.

Ein interessantes Wortgebilde für die hier betrachtete Form von Politik hat Tom de Marco geschaffen. Er spricht sich dagegen aus, die eingangs beschriebenen negativen Entwicklungen eines Projekts mit dem ursprünglich aristotelischen Begriff "Politik" zu adeln und führt einen alternativen Begriff ein: Die "pathologische Politik". In Abgrenzung zur Unternehmenspolitik ist das besondere Merkmal pathologischer Politik, dass das Streben Einzelner nach Macht und Einfluss die Unternehmensziele überlagert.

Ursachen für politisches Handeln

Projekte bringen zwangsläufig Veränderungen mit sich. Das bisherige Gleichgewicht einer Organisation wird durch Veränderungsprozesse gestört, was zu Unsicherheit und Ängsten bei den Betroffenen führt. Stellt man den Bezug zur Bedürfnispyramide nach Maslow her, so rühren diese Ängste letztlich aus der Furcht vor negativen Veränderungen und kollidieren deshalb mit Sicherheitsbedürfnissen.

Bild 1: Bedürfnispyramide nach Maslow.

Jeder Stakeholder wird intuitiv bestrebt sein, einen möglichst hohen Verwirklichungsgrad der einzelnen Stufen und damit seiner Bedürfnisse zu erreichen.

Externe Faktoren beeinflussen politische Verhaltensmuster

Bei der Betrachtung der Ursachen darf nicht vergessen werden, dass Projekte auch durch andere Projekte oder Ereignisse beeinflusst werden und politische Verhaltensmuster nicht selten durch Ereignisse außerhalb des eigenen Projekts angestoßen werden.

Ein Beispiel: In einem Kreditinstitut wurde die interne

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