Kritische Projektsituationen analysieren mit AMPEL und ABCDE

Der Sanitäter im Projekt – handlungsfähig in der Krise

Teil 1: Schemata aus dem Rettungsdienst ins Projekt übertragen
Gerät ein Projekt in Schieflage, gilt es schnell und systematisch geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Miriam Sasse zeigt mit den Schemata AMPEL und ABCDE aus dem Rettungsdienst, wie Sie in einer Projektkrise richtig handeln – statt in chaotischen Aktionismus zu verfallen.

Auch wenn wir es uns anders wünschen, manchmal geraten unsere Projekte in kritische Situationen. Dann verfallen wir in Aktionismus und versuchen in kürzester Zeit die Situation zu erfassen und Entscheidungen zu treffen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir als Führungskraft, Projektleiter, Teammitglied, Auditor, Berater oder PMO-Mitarbeiter das Projekt analysieren und behandeln wollen: Wir geraten in eine Dynamik, die schwer zu managen ist – chaotisch, hektisch, verdeckt, politisch und außergewöhnlich.

In diesem Beitrag erläutere ich, wie im Rettungsdienst und TraumaManagement® mit kritischen Situationen umgegangen wird. Die hier häufig angewandten Algorithmen bieten große Vorteile, um auch in kritischen Projektsituationen handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben. Die zwei sehr populären Algorithmen, AMPEL und ABCDE, können Sie im Projektmanagement anwenden, um sie als Handlungsmuster für eine kritische Projektsituation einzusetzen.


PM Welt 2018: Die Zukunft im Blick Erleben Sie den interaktiven Vortrag "AMPEL und ABCDE: Handlungsfähig mit Schemata wie im Rettungsdienst" von Dr.-Ing. Miriam Sasse und Philipp Sasse auf der PM Welt am 13. März 2018 in München.

Problem: Hohe Dynamik in kritischen Projektsituationen

In Stressphasen greifen wir automatisch auf bewährte Handlungsmuster zurück ohne dabei alternative Wahlmöglichkeiten zu berücksichtigen. Diese emotionalen Not-Handlungen sind zwar schnell umsetzbar, aber weder sachlich abgewogen noch bewusst entschieden. In einer kritischen Situation führen wir aus Zeitmangel keine durchdachte Anamnese (professionelle Erfragung von potentiell relevanten Informationen durch Fachpersonal) durch. Wir entscheiden stattdessen oft ganz pragmatisch ohne weitere Informationen einzuholen oder verfallen blindem Aktionismus.

In der ersten Phase einer kritischen Situation wollen wir flüchten oder kämpfen. Unsere angeborene erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen versetzt uns in extreme Dynamik – sichtbar z.B. in schnellen Beruhigungs- oder Motivationsparolen der Führungskräfte, die sich oft unerreichbar machen oder den Mitarbeitern mit abwehrenden Kommentaren begegnen. Mit zunehmender Intransparenz wächst der Flurfunk, manchmal mit fast paranoiden Aussagen durch immer größer werdendes Misstrauen. Mit Glück geraten nicht alle Mitarbeiter in impulsives, archaisches Ur-Verhalten (schreien herum, verweigern das Gespräch etc.), sondern bedienen sich vorhandenem Schubladen-Denken oder erlernten Handlungsmustern (bilden Task Forces, rufen den Berater zu Hilfe etc.).

Zu oft lassen wir uns jedoch von der Ablaufgeschwindigkeit der Ereignisse beeindrucken und werden dadurch anfällig für "Management by Babysitter" (wer am lautesten schreit, wird als erstes bedient). Bewusst ausgewählte Handlungen und Entscheidungen können wir erst voranbringen, nachdem wir genügend Informationen gesammelt haben. Denn erst wenn die anfängliche Dynamik von alleine abflacht, können wir die Situation kontrolliert und bewusst beeinflussen. Nun verfügen alle Teammitglieder über mehr Informationen und die Lage ist überschaubarer. Auch wenn es immer noch chaotisch ist, können wir in der Situation agieren und Veränderungen beobachten (Bild 1).

Zu Beginn einer Krise: hohe Dynamik bei geringer Information der Beteiligten, Verhältnis dreht sich im Laufe der Zeit um

Bild 1: Zu Beginn einer Krise herrscht hohe Dynamik bei geringer Information der Beteiligten, im Laufe der Zeit dreht sich dieses Verhältnis um.
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Lösung: Entscheidungen mithilfe von Algorithmen treffen

Es gibt eine Alternative zum intuitivem, archaischem Ur-Verhalten und Schubladen-Denken. Rettungsdienst und Luftfahrt nutzen sie bereits: erlernte Algorithmen – kurze,

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