Kritische Projektsituationen analysieren mit AMPEL und ABCDE

Der Sanitäter im Projekt – handlungsfähig in der Krise

Teil 2: Mit einem Rollenspiel für den Ernstfall üben
In einer Projektkrise müssen die Beteiligten schnell und systematisch geeignete Maßnahmen ergreifen. In Teil 1 lernten Sie die im Rettungsdienst genutzten Schemata AMPEL und ABCDE kennen. In diesem zweiten und abschließenden Teil der Artikelserie zeigt Miriam Sasse, wie Sie die Schemata mit einem Rollenspiel einüben und so in den Köpfen Ihres Projektteams verankern.

Die Führungsetage ist nicht greifbar, der Flurfunk lässt die Gerüchteküche brodeln und keiner hat ausreichend Informationen zum aktuellen Projektstatus: Immer wieder geraten Projekte in solche Krisensituationen. Ganz lässt sich dies aufgrund der steigenden Komplexität unserer Arbeitswelt nicht verhindern. Allerdings gibt es eine Alternative zu hektischem Herumschreien und der Taktik, Gespräche zu verweigern.

Die im Rettungsdienst angewandten Algorithmen AMPEL und ABCDE lernten Sie in Teil 1 dieser zweiteiligen Artikelserie kennen. Mit diesen beiden Algorithmen bleiben Sie auch in kritischen Projektsituationen handlungs- und entscheidungsfähig. Sie helfen Ihnen, das Problem rational und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, bevor Sie eine Entscheidung treffen und eine Lösung verfolgen.

Algorithmen durch Simulationen einüben

Beide Algorithmen werden im Rettungsdienst in diversen Seminaren erklärt, damit die Teilnehmer Sinn und Zweck verstehen. Nur dann herrschen die notwendige Akzeptanz und Motivation, um die Algorithmen intensiv und regelmäßig zu trainieren. Um aus einem Algorithmus ein tief im Stammhirn verankertes, automatisiert und unbewusst abrufbares Handlungsmuster werden zu lassen, bedarf es Training, Training und – Training!

Dabei ist es unserem Gehirn fast egal, ob wir das Vorgehen in Gedanken, am realen Fall, einem aufwendig konstruierten Fallbeispiel oder einem abstrakten Rollenspiel einüben. Die neuronalen Netze in unserem Gehirn werden bei allen Übungsformen an der gleichen Stelle aktiviert und entwickeln an diesen Stellen schnellere Signalübertragungsraten, sprich: Wir lernen. (Detailinformationen unter "Hebbsche Lernregel"). Wichtig ist lediglich, dass die Einsichten und Lerneffekte emotional verankert werden, d.h. dass die damit einhergehenden Gefühle dafür sorgen, dass es leichter behalten wird.

In der Luftfahrt müssen alle Piloten und Flugbegleiter regelmäßige Simulationen alltäglicher, außergewöhnlicher und kritischer Situationen durchführen, um die sog. Befähigungsprüfung zu bestehen. Im Rettungsdienst und in der Feuerwehr gehören regelmäßige Einsatzsimulationen zum etablierten Standard. Es drängt sich die Frage auf, warum wir in Projektmanagement-Trainings so selten Simulationen und Rollenspiele einbinden, um brauchbare Handlungsmuster zu verinnerlichen.

Vorteile von Simulationen im Projektmanagement

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