Fehlerkultur als Schlüssel für eine agile Unternehmensentwicklung

"Grafen scheitern erfolgreich" – Bericht aus dem Zeppelin Konzern

"Der Kunde ist der Kern unseres Handelns" – solche und ähnliche Plattitüden funktionieren als Unternehmensleitbilder schlecht bis gar nicht. Sie verkörpern in keiner Weise das Besondere eines Unternehmens und Mitarbeiter können sich damit nur schwer identifizieren. Ein Team des Zeppelin-Konzerns entwickelte deshalb zehn authentische Kernsätze, die Grafensätze. Welche weiteren strategischen Maßnahmen den Konzern agil und zukunftsträchtig machen, erläutert Ihnen Dr. Andreas Hendrix.

Management Summary

Fehlerkultur als Schlüssel für eine agile Unternehmensentwicklung

"Grafen scheitern erfolgreich" – Bericht aus dem Zeppelin Konzern

"Der Kunde ist der Kern unseres Handelns" – solche und ähnliche Plattitüden funktionieren als Unternehmensleitbilder schlecht bis gar nicht. Sie verkörpern in keiner Weise das Besondere eines Unternehmens und Mitarbeiter können sich damit nur schwer identifizieren. Ein Team des Zeppelin-Konzerns entwickelte deshalb zehn authentische Kernsätze, die Grafensätze. Welche weiteren strategischen Maßnahmen den Konzern agil und zukunftsträchtig machen, erläutert Ihnen Dr. Andreas Hendrix.

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Wer Fehler macht, hat etwas falsch gemacht!

Bereits in der Schule lernen wir, dass Fehler zu machen, negative Konsequenzen nach sich zieht: Je mehr Rechtschreibfehler wir im Diktat machen, je mehr Matheaufgaben wir falsch lösen, desto schlechter wird schlussendlich auch die Note ausfallen. Zu viele schlechte Noten auf dem Zeugnis verhindern sogar die Versetzung. Fehler sind also etwas Negatives und sollten verhindert werden.

Scheitern für eine agile Unternehmensentwicklung nutzbar machen

Moment mal! – werden Sie jetzt vielleicht denken. Wird man nicht auch aus Fehlern klug? Richtig, denn derjenige, der aus Fehlern lernt, wird diese Fehler zukünftig vermeiden können. Das Lernen aus Fehlern führt also zu neuen Erkenntnissen. Und was für die Schule gilt, gilt letztendlich auch für Unternehmen. Längst ist das Scheitern ein wichtiger Bestandteil des unternehmerischen Erfolgs geworden. Doch wie kann man dieses Scheitern sinnvoll nutzen? Kann man das Scheitern vielleicht zu einem wesentlichen Bestandteil der Unternehmenskultur machen, um es als unternehmerische Chance zu nutzen?

Ja, kann man. Und mehr noch. Letztlich kann man das Scheitern mit gezielten Methoden für eine agile Unternehmensentwicklung nutzbar machen. Wie das gelingen kann, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag anhand praktischer Beispiele aus dem Zeppelin-Konzern. Der Beitrag richtig sich an all jene, die eine Chance haben, im eigenen Unternehmen die Unternehmenskultur zu beeinflussen. Sei es durch das Vorleben von kulturrelevanten Elementen (Führungskräfte, Geschäftsführer) oder durch das Anwenden von Strategie- und Kulturinstrumenten (Strategieabteilungen, Unternehmensentwicklungen). Woher der erste Impuls dabei kommt, ist zunächst einmal nachrangig. Wichtig ist, dass die Impulse etwas in Bewegung setzen und eine Veränderung anregen.

Zeppelin – vom Luftschiff zum internationalen Konzern

Als der württembergische Graf und General der Kavallerie Ferdinand von Zeppelin am 2. Juli 1900 sein erstes Luftschiff in den Himmel steigen sah, erfüllte sich sein Traum: die Konstruktion und Umsetzung eines lenkbaren Luftschiffs. Vergleichbar mit dem Automobilsektor in der heutigen Zeit benötigte die Konstruktion eines Luftschiffs damals eine Reihe von Lieferanten, z.B. für Antriebstechnik, Motorenbau und Luftfahrt. Entstanden sind durch seine Idee Unternehmen wie die ZF AG, die Rolls Royce Power Systems AG und eben der heutige Zeppelin-Konzern, der in sechs Strategischen Geschäftseinheiten wie dem Vertrieb und Service von Baumaschinen, Antriebs- und Energiesystemen, Engineering und Anlagenbau und Mietlösungen rund um die Baustelle tätig ist.

Betrachtet man den Zeppelin-Konzern in seiner Historie, fällt auf, dass von der ursprünglichen Idee – der Konstruktion von lenkbaren Luftschiffen – vordergründig nicht viel übriggeblieben ist. Zwar wird diese Vision von Graf Zeppelin in der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH weitergelebt, doch der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeiten hat sich verlagert: weg von seinem ursprünglichen Geschäftszweck hin zum Baumaschinenhändler und Anlagenbauer.

Wie war dies möglich? Was hat verhindert, dass der Zeppelin-Konzern in der Bedeutungslosigkeit verschwindet? Letztlich war es die Fähigkeit zu Innovation, der Wille, neue Wege zu gehen und nicht zuletzt die Akzeptanz, dass Scheitern immer auch eine Chance für einen Neuanfang ist.

Fehlerkultur @ Zeppelin

Damit eine solche Erfolgsgeschichte entstehen kann, bedarf es grundsätzlich einer Unternehmenskultur, die Innovation, Veränderung und Scheitern zulässt. Eine solche Unternehmenskultur wirkt unmittelbar auf jeden Mitarbeiter. Jeder Einzelne, aber auch die im Unternehmen wirkenden Teams werden kreativer und leistungsfähiger. Es wächst eine Leistungsgemeinschaft zusammen, die sich intensiv mit den Zielen des Unternehmens identifiziert.

Von austauschbaren Werten zu einer eigenen Fehlerkultur

Ist für eine gute Unternehmenskultur das planmäßige Abarbeiten mit wissenschaftlich vorgegebenen Visions-, Werte- und Strategieentwicklungsprozessen entscheidend? – Sicherlich ist das Durchlaufen solcher Prozesse für ein Unternehmen und sein Management eine unvermeidliche Übung. Maßgeblich ist jedoch, dass eine Wertekultur entsteht, in der sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren können und möchten.

Eine Unternehmenskultur kann nur entwickelt oder weiterentwickelt werden, wenn dafür ein verbindliches Zielsystem geschaffen wird, und die Frage beantwortet werden kann, was das Unternehmen ausmachen soll, was das Besondere, das Spezifische des Unternehmens sein soll.

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Alle Kommentare

Hartmut
Goetze
Vielen Dank, Dr. Alexander Hendrix für diesen spannenden Einblick in die Entwicklung von Kultur und Strategie bei ZEPPELIN. Wie Sie sich mit Ihren „Grafensätzen“ von Werteklischees entfernen. Wie Sie die gedankliche Infragestellung des derzeitigen Erfolgsmodells bewusst fördern (zum Beispiel mit dem Ansatz „Nigthmare Competitors“) und wie dies anfangs nicht unumstritten war. Wie Sie Ihre Fehlerkultur mit Feedbackschleifen verankern und weiterentwickeln. Chapeau und weiterhin viel Erfolg!
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