Wie viel Projektmanagement benötigt BIM? Wie viel BIM das PM?

Mit Building Information Modeling (BIM) den Bau digitalisieren

Teil 1: Die Werkzeuge von BIM
Mit Building Information Modeling (BIM) den Bau digitalisieren
Mit vier praxiserprobten Werkzeugen und einem ganzheitlichen Ansatz stellen sich Dr. Ilka May und Prof. Christina Maaß einem rein technischen Verständnis des Building Information Modeling (BIM) entgegen. "Wir machen jetzt BIM!" darf nicht nur den Einsatz einer aufwendigen Entwurfs-Software bedeuten, sondern muss auch andere Ausschreibungsprozesse und andere Teamführung umfassen. Die beiden Autorinnen verraten Ihnen, wie Sie die Technikfalle vermeiden.
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Was sind Ihrer Meinung nach die drängendsten Probleme der deutschen Bauwirtschaft? In der öffentlichen Diskussion wie unter Experten gibt es hierzu viele verschiedene Meinungen. Wir möchten mit unserem Beitrag Zusammenhänge aufzeigen und deutlich machen, dass es zwar kein Allheilmittel, wohl aber ganz konkrete Ansatzpunkte gibt, die es anzupacken gilt.

Nicht erst seit der "Reformkommission Bau von Großprojekten", welche Autorin Ilka May gleich in zwei Rollen begleitet und beraten hat, fragen sich viele Menschen in der deutschen Baubranche und darüber hinaus, warum bei vielen Bauprojekten hierzulande die Kosten aus dem Ruder laufen und Terminüberschreitungen sowie Qualitätsprobleme an der Tagesordnung sind – und was wir dagegen tun können. Dazu gibt der Aktionsplan Großprojekte, herausgegeben im Dezember 2015 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI (a), 2015), auf der Grundlage der Kommissionsempfehlungen, viele gute Antworten. Sie zeigen deutlich, wie vielschichtig die Handlungsfelder sind:

  1. Kooperatives Planen im Team
  2. Erst planen, dann bauen
  3. Risikomanagement und Erfassung von Risiken im Haushalt
  4. Vergabe an den Wirtschaftlichsten, nicht den Billigsten
  5. Partnerschaftliche Projektzusammenarbeit
  6. Außergerichtliche Streitbeilegung
  7. Verbindliche Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
  8. Klare Prozesse und Zuständigkeiten/Kompetenzzentren
  9. Stärkere Transparenz und Kontrolle
  10. Nutzung digitaler Methoden – Building Information Modeling (BIM)

Mit BIM wird alles besser!?

Die Liste mit ihren zehn Handlungsfeldern suggeriert eine inhaltliche Abgrenzung der Themen. Wer sich aber mit dem Thema BIM (Punkt 10) einmal näher befasst, erkennt schnell starke Synergieeffekte und thematische Überlappungen mit vielen der anderen neun Handlungsfelder. Beispielsweise verlangt und fördert BIM eine kooperative und partnerschaftliche Zusammenarbeit (5.) sowie Transparenz und Kontrolle (9.). "Erst planen, dann bauen" wird durch digitale Bauwerksmodelle bereits vielerorts praktisch umgesetzt. Wir wollen BIM nicht als ein Allheilmittel für alle Probleme der Bauwirtschaft darstellen. Bei der anstehenden Erneuerung der deutschen Baubranche könnte es jedoch eine Schlüsselrolle spielen.

Aus diesem Grund ist BIM es aus unserer Sicht Wert, sich näher damit zu befassen und sich die Frage zu stellen, welche Probleme, Symptome oder Chancen tatsächlich durch BIM adressiert werden können. Daher konzentrieren wir uns in diesem Artikel ganz auf den 10. Punkt BIM. Anders als in vielen anderen Veröffentlichungen und Artikeln zu BIM sollen dabei allerdings nicht die technischen Aspekte von 3D-Modellierung, Mengenermittlungen oder Kollisionsprüfungen im Mittelpunkt stehen. Vielmehr gehen wir den Fragen nach, welche Erwartungen an BIM gestellt werden können und welches Verständnis von BIM wir in Deutschland etablieren müssen, damit diese Erwartungen erfüllt werden können.

BIM ist in Deutschland angekommen

In der Wahrnehmung von uns Autorinnen hat BIM auch in Deutschland inzwischen eine rasante Entwicklung hinsichtlich der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit erlebt. Noch vor vier Jahren hätten alle deutschen BIM-Experten Deutschlands in einen Kleinbus gepasst. Auf Konferenzen und Tagungen war das Thema noch relativ neu, ebenso in vielen Unternehmen. Nur wenige Bauherren oder Betreiber hatten das Thema auf dem Schirm, geschweige denn Strategien zur Einführung entwickelt.

Das hat sich grundlegend geändert. Viele Projektbeteiligte, insbesondere Planer und Ausführende, haben mittlerweile die ersten Projekte – manchmal auch als Testprojekt – abgewickelt oder zumindest erste Erfahrungen gesammelt. Es gibt eine große und stetig wachsende Zahl von BIM-Gremien bei Kammern und Verbänden, BIM-Vereine, Cluster, Hubs, Regionalgruppen, BIM-Strategien, Plattformgesellschaften, Forschungsprojekte und natürlich die Aktivitäten der Normung und Standardisierung.

Keine Frage: BIM hat die deutsche Bauwirtschaft erreicht. Wer noch Zweifel hat, sollte den Koalitionsvertrag der Bundesregierung lesen. Nach dem Endbericht der Reformkommission (BMVI (c), 2015) und dem "Stufenplan digitales Planen und Bauen" des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI (e), 2017) ist BIM nun also auch auf höchster Regierungsebene fest verankert. Warum ist das so?

Die Erwartungen an BIM sind hoch

Ein wichtiger Grund dafür ist die allgemeine Hoffnung, dass wir auch hierzulande mit BIM die Effizienz, Kostensicherheit und Termintreue von Projekten verbessern können. Denn als Teil der Wertschöpfungskette Bau hören wir staunend und etwas ungläubig, dass der Bausektor in Großbritannien mit Hilfe von BIM bei Bauprojekten der öffentlichen Hand bereits Millionen von Pfund eingespart hat. Und das lange bevor dort das Mandat der Regierung für "BIM Level 2" an Projekten der öffentlichen Hand überhaupt eingesetzt hatte (Cabinet Office, 2015). Auch aus anderen Ländern wie Norwegen, Dänemark oder USA sehen wir begeisternde Projektbeispiele, überwiegend aus dem Hochbau bei komplexen Gebäuden wie Krankenhäusern.

Die Herausforderungen an die Bauwirtschaft gehen aber weit über die Phasen "Planung" und "Realisierung" hinaus:

  • Lebenszykluskosten senken,
  • CO2-Emissionen reduzieren,
  • mehr Transparenz und eine bessere Bürgerbeteiligung ermöglichen,
  • die stagnierende Produktivität des Bausektors erhöhen,
  • den Bau attraktiver für junge Talente machen sowie
  • für leistungsfähigere Bauwerke in einer lebenswerten und nachhaltigen bebauten Umwelt sorgen!

Das sind ziemlich hohe Erwartungen. Welchen Beitrag kann BIM dazu leisten und wie? Was wird denn konkret anders und besser durch BIM? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Nach unserer Meinung beginnt die Suche nach Antworten bei einem gemeinsamen Verständnis von BIM – und der Feststellung, dass es sich dabei (entgegen einer weit verbreiteten Ansicht) um mehr als ein 3D-Modell mit Bauteilen handelt.

Wir machen jetzt BIM!??

Wissen Sie, was damit gemeint ist? Wir nicht. Wir wissen nicht was es bedeutet, wenn ein Projekt "in BIM gemacht wird". Aber wir hören diesen Satz öfter. Wenn wir nachfragen, bekommen wir sehr unterschiedliche Reaktionen und Antworten zu hören.

Häufig beginnt die Erläuterung mit der Erklärung, bei BIM handele es sich um eine Methode. Das klingt vielversprechend. Leider wird es dann aber

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