IPMA, PMI und PRINCE2 im Vergleich

Wege zur Projektmanagement-Zertifizierung

Teil 1: Die Institutionen und ihre Standards
Hero 12/2019 PM-Zertifizierungen

Sie möchten eine Projektmanagement-Zertifizierung absolvieren und sind im Dschungel der verschiedenen Zertifizierungsangebote, -level und Anforderungen verloren? In ihrer zweiteiligen Artikelserie bringt Elisabeth Wagner Licht in den Zertifizierungsdschungel. Sie gibt in diesem ersten Teil einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Zertifizierungen der drei großen Anbieter IPMA®, PMI® und AXELOS Ltd. und geht dabei auch auf die agilen Zertifizierungen der Anbieter ein.

Management Summary

IPMA, PMI und PRINCE2 im Vergleich

Wege zur Projektmanagement-Zertifizierung

Teil 1: Die Institutionen und ihre Standards
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Sie möchten eine Projektmanagement-Zertifizierung absolvieren und sind im Dschungel der verschiedenen Zertifizierungsangebote, -level und Anforderungen verloren? In ihrer zweiteiligen Artikelserie bringt Elisabeth Wagner Licht in den Zertifizierungsdschungel. Sie gibt in diesem ersten Teil einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Zertifizierungen der drei großen Anbieter IPMA®, PMI® und AXELOS Ltd. und geht dabei auch auf die agilen Zertifizierungen der Anbieter ein.

Management Summary

Nachgewiesene Projektmanagement-Kompetenz wird heute in vielen Berufen verlangt oder ist zumindest ein Plus im Lebenslauf. Dies gilt umso mehr, wenn das Know-how von einem der großen Zertifizierer für Projektmanagement kommt, denn diese stehen für ein klar definiertes Verständnis von Projektmanagement sowie einheitliche und dokumentierte Inhalte. Wer ein entsprechendes Zertifikat besitzt, hat einen anerkannten Beleg für die Kenntnis bestimmter Philosophien, Methoden, Begrifflichkeiten und Lösungsansätze. Bei höheren Zertifizierungsebenen kommt teilweise der Nachweis eigener Projekterfahrung dazu.

Dabei haben sich über Jahrzehnte hinweg drei Organisationen und Standards im Markt durchgesetzt, und dies weltweit: IPMA®, PMI® und PRINCE2®. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Angebote dieser drei Institutionen und zeigt, wie die Verbände agile Zertifizierungen in ihre Angebote integrieren.

Die Zertifizierungskonzepte der drei großen Anbieter

Mit dem rasanten und weltweiten Bedeutungsgewinn der Disziplin Projektmanagement sind auch die drei führenden Organisationen IPMA, PMI und PRINCE2 groß geworden. Über sie haben sich Projektmanagerinnen und Projektmanager organisiert, ihre Verfahren, Methoden und Tools dokumentiert und weiterentwickelt. Dazu gehörte eine einheitliche und dokumentierte Fachsprache, um Konflikte durch unterschiedliche Begriffsverständnisse zu vermeiden. Auf der Basis dieses Wissens haben sie schließlich Standardausbildungen entwickelt, deren erfolgreiches Durchlaufen entsprechende Zertifikate belegen. Aus rechtlichen Gründen wurden für Prüfungen und Ausstellung der Zertifikate in manchen Ländern formell eigenständige Zertifizierungsstellen etabliert.

Grundsätzlich bieten alle drei großen Anbieter aufeinander aufbauende Weiterbildungen und Zertifizierungslevel an. Die jeweils erste Stufe wendet sich an Einsteiger, wobei IPMA und PRINCE2 offen für alle sind, während PMI (Fach-)Abitur oder eine vergleichbare Ausbildung voraussetzt. Bei der IPMA-Einsteigerausbildung gibt es in Deutschland eine Erweiterung: Die GPM hat unterhalb des IPMA-Einsteigerlevels unter dem Begriff "Basislevel" ein deutlich reduziertes Basiszertifikat auf den Markt gebracht.

Die International Project Management Association (IPMA®)

Die IPMA International Project Management Association vereint als Dachverband derzeit 70 Mitgliedsgesellschaften weltweit. Sie wurde 1965 gegründet, ihr Sitz ist im niederländischen Nijkerk. Ursprünglich gestartet als internationales Netzwerk für Projektmanager, entwickelte sie sich in den 1970er Jahren zur Organisation und begann 1996 mit ersten Zertifizierungsaktivitäten.

Im deutschsprachigen Raum gibt es drei Mitgliedsgesellschaften:

Die IPMA stellt ausdrücklich nicht die Methodik ins Zentrum ihrer Aktivitäten und Veröffentlichungen. Sie hat vielmehr den Menschen im Blick, bzw. seine für erfolgreiche Projektarbeit benötigten Kompetenzen, einschließlich Social Skills. Mit ihren Zertifizierungen will die IPMA nicht nur bestimmtes Wissen bescheinigen, sondern persönliche Kompetenz und damit die Eignung einer Person, bestimmte Projektmanagementaufgaben erfolgreich durchzuführen.

Standard der IPMA: die Individual Competence Baseline (ICB)

Das übergreifende Projektmanagement-Verständnis der in der IPMA organisierten Institutionen wird seit 1999 in der sogenannten IPMA Competence Baseline (ICB®) zusammengefasst und veröffentlicht. Die gibt es bei allen drei Organisationen zum kostenlosen Download. Hier die Links für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Bisher gab es vier aufeinander aufbauende Versionen dieses Grundlagenwerks, das von den Mitgliederorganisationen in der Regel in die Landessprache übersetzt und bei Bedarf durch nationale Eigenheiten ergänzt wurde. Die aktuelle Version ICB 4 wurde 2015 verabschiedet und nach und nach von den Länderorganisationen übernommen. Sie unterscheidet sich deutlich von ihren Vorgängerversionen. Mit breiter internationaler Mitgliederbeteiligung hatte man sich der Aufgabe gestellt, aktuelle Konzepte wie z.B. Agilität konsequent in das IPMA-Modell zu integrieren.

So wird in der ICB4 noch stringenter als zuvor definiert, was jemand können muss, um in einer Projektumgebung erfolgreich zu agieren, während das Wie – vor allem Regeln, Prozesse und Methodik – bewusst offenbleiben. Agile Teams, User Stories, Kanban-Boards, Daily Standups – all diese Ansätze sind damit ebenso akzeptiert wie Netzpläne, Balkenpläne, Meilensteintrendanalysen oder Projektstatus-Meetings. Die Botschaft, dass der oder die Einzelne die Freiheit hat, die Umsetzung der Konzepte selbst zu gestalten, hat sich auch im Namen niedergeschlagen: Das I in ICB steht nun nicht mehr für IPMA, sondern für "Individual".

Die Anforderungen an Programm- und Portfoliomanagement als wichtige Disziplinen neben dem Einzelprojektmanagement sind nun ebenfalls in das Zertifizierungskonzept integriert. So will die IPMA nun einen Standard für alle Projektarten und Disziplinen anbieten. Bisher spielen diese neuen Pfade in den Mitgliedsorganisationen zumindest teilweise noch keine große Rolle.

29 Elemente sind drei Kompetenzbereichen zugeordnet

Inhaltlich wurden die beschriebenen Kompetenz-Elemente verdichtet und um sogenannte "Key Competence Indicators" erweitert, um erfolgreiches Handeln messbar zu machen. Dabei unterscheidet die ICB insgesamt 29 Kompetenzelemente, die den drei Bereichen Kontext-Kompetenzen (Perspective),…

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Alle Kommentare

Daniela
Mayrshofer

Sehr geehrte Frau Wagner,

ganz herzlichen Dank für den an sich ausgezeichneten Überblick über drei wichtige (große) Zertifizierer im Projektmanagement. Ihr Artikel ist grundsätzlich fundiert und hilfreich, wenn man einen ersten Überblick über die drei wichtigsten Zertifizierer sucht.

In Ihrem Vergleich und ihren kritischen Anmerkungen fehlen mir persönlich drei Dinge, die sowohl in unserem Haus als auch bei unseren Kunden eine große Rolle spielen: der (hohe) zeitliche und finanzielle Aufwand zur Zertifizierung, die Frage der Re-Zertifizierung sowie die Frage der Praxisrelevanz.

Leider haben sie einen wichtigen Zertifizierer außer Acht gelassen, die mittlerweile fast 4000 ProjektleiterInnen in 125 Ländern zertifiziert hat: die IAPM (https://www.iapm.net). Die Zertifizierung der IAPM hat einige wichtige Vorteile, die alle von Ihnen genannten Anbieter nicht bieten können: sie ist fachlich fundiert und dennoch preisgünstig, kann von zuhause absolviert werden und verzichtet auf die teure Re-Zertifizierung. Letztere ist aus meiner Sicht reine Geldschneiderei. Wie an der Hochschule, die ja auch nicht rezertifiziert, genügt die rein fachliche Ausbildung auch im Projektmanagement nicht, sondern kann erst durch die tägliche Praxis und deren regelmäßige Reflexion (z.B. in einer Gruppe von Kollegen oder mit einem Coach oder Mentor) zur echten Kompetenz werden.

Wer nicht nur Fachwissen sondern auch echtes Können unter anderem im Bereich der sozialen und emotionalen Kompetenz erwerben will, sollte sich um eine Zertifizierung bemühen die diese Kompetenz einschließt, wie dies zum Beispiel bei Consensa der Fall ist (https://www.consensa.com/de/qualifizierung-training/zertifizierungen/ ).

Über eine Ergänzung Ihres Artikels zu den genannten Fragen würde ich mich freuen.

Mit herzliche kollegialen Grüßen,

Daniela Mayrshofer

Guten Tag Frau Mayrshofer
Ich finde den grundsätzlichen Gedanken hinter der Re-Zertifizierung, nämlich die Bestätigung weiterhin am Ball zu bleiben und seine Kompetenzen laufend weiter zu entwickeln, ein wichtiges Merkmal der IPMA Re-Zertifizierungen. Ich kann Ihnen hier als einer der CH Lead Assessoren auch bestätigen, dass es bei diesen genau um diesen Punkt geht: hat sich der zertifizierte Kandidat weiterhin mit Projekten befasst (Erfahrung aufgebaut in eigenen Projekten), hat sich der Kandidat entsprechend auf dem Gebiet des Projektmanagements auch weitergebildet (und ist nicht auf dem Stand der Zertifizierung stehen geblieben), und wie sind diese Erfahrungen weiter entwickelt worden? Dass es andere Anbieter gibt, welche daraus lediglich Profit schlagen wollen, kann und will ich nicht dementieren, jedoch ist dies genau einer der echten Vorteile des IPMA Zertifikates, welches hier detailliert die Informationen von den Kandidaten abholt. Gerne schaue ich mir auch die von Ihnen erwähnten Anbieter genau an, ich bin immer offen für neue Informationen und Anbieter.
Freundliche Grüsse
Martin Rohner

Lieber Herr Lohner,

vielen Dank dafür, dass sie die Diskussion über diese wichtige Frage der Re-Zertifizierung mit mir führen. Ich finde es ein wichtiges Thema, das meiner Meinung nach in der Fachöffentlichkeit zu wenig Beachtung findet.

Die Überprüfung der beruflichen Grundausbildung in externe Hände zu legen, ist natürlich eine der großen Errungenschaften unseres hiesigen Ausbildungssystems. Da Projektmanagement eine fachübergreifende Kompetenz ist, sind hier Institutionen außerhalb unseres staatlichen Ausbildungssystems durchaus sinnvoll.

Ebenso unbestritten ist es, dass sich alle Menschen, die wirksam in Projekten arbeiten wollen, weiterentwickeln und fachlich am Ball bleiben müssen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Veränderungen wird dies eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens vieler Unternehmen sein.

Infrage steht für mich, ob die Verantwortung, dies zu überprüfen, in "fremde" Hände gelegt werden soll.
Für mich hat dieses Thema eine Menge mit Selbstverantwortung und Führung zu tun. Beides ist für mich nicht delegierbar.

Die meisten Menschen in Projekten, die ich kenne, sorgen hier selbstverständlich für die die eigene Qualifizierung. Und das Gespräch darüber, ob hier die Richtung stimmt, obliegt entweder der eigenen Führungskraft oder – in agileren Kontexten – internen Coaches, Mentoren und Kollegen, die die Situation Vorort deutlich besser einschätzen können. Auf diesem Wege kann sehr genau feststellt werden, ob und wie sich jemand fachlich fortbildet (das muss nicht immer in „offiziellen“ Fortbildungen sein) und welche Erfahrungen entstehen, aus denen „Lessons Learned“ gezogen werden können. Diesen Prozess als Teil einer interne Wissens- und Fehlerkultur (Lernende Organisation) zu etablieren ist mittlerweile mehr als die Kür für Organisation, die zukunftsfähig bleiben möchten.

Nun werden Sie berechtigt fragen, wie dies mit neuen Bewerbern sei. Ich persönlich erkenne deren Lern- und Entwicklungsfähigkeit meistens schon im Lebenslauf, spätestens im allerersten Telefonat, in dem ich genau dazu ein zwei Fragen stelle. Sollte ein Kandidat tatsächlich infrage kommen, kann der Rest unschwer in den folgenden Einstellungsgesprächen geklärt werden. Die formale Re-Zertifizierung hat folglich aus meiner Sicht wenig bis gar keine Praxisrelevanz.

Ich bin aber sehr gespannt, welche Aussagen dazu Frau Wagner im zweiten Teil des Artikels machen wird.

Mit herzlichen Grüßen,

Daniela Mayrshofer

Daniela
Mayrshofer

Sorry, Frau Wagner,ich habe überlesen, dass sie einen Teil meiner Fragen in Teil 2 beantworten. Bin sehr gespannt auf den zweiten Teil , ;-) Daniela Mayrshofer

Udo
Schmidt

Hallo Frau Wagner,
Ihren Artikel und die bis dato sichtbaren Kommentare von Frau Mayrshofer und Herrn Rohner habe ich mit Interesse gelesen. Auf den Teil 2 bin ich genauso gespannt wie Frau Mayrshofer.
Bis jetzt zeigt der Artikel Infomationen, die für ähnliche Thematik bereits mehrfach in Fachartikeln und studentischen Arbeiten behandelt worden sind.
Ich habe darin immer wieder vermisst, dass
- der Leser eine Hilfe bei seiner Auswahl seiner PM-Zertifizierungen bekommt
- der Leser Daten zu Aufwand und Kosten erhält *
- der Leser auf "Alleinstellungsmerkmale" der Zertifikate hingewiesen wird.
... aber das finde ich sicherlich in Ihrem Teil 2.
* für den Punkt Aufwand und Kosten ist Ihnen u.U. der download von meiner Xing-Seite hilfreich (Vergleich ausgewählter PM-Zertifikate ==> https://www.xing.com/profile/Udo_Schmidt/portfolio?sc_o=mxb_p)
Bis dann
Udo Schmidt

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