Kein Projektmanagement ohne Leadership

Von Projektleitern, Leitwölfen und Visionären

Die Führungspersönlichkeit eines Projektleiters zeigt sich darin, wie er für das Projektziel eintritt, sich für sein Team einsetzt oder gegenüber dem Management agiert. Sein Verhalten und seine innere Einstellung werden von den Beteiligten meist unbewusst wahrgenommen, beeinflussen jedoch ihr Handeln und dadurch den Projekterfolg. Diese Aspekte von Führung werden oft unter dem schillernden Begriff "Leadership" zusammengefasst. Insbesondere Projektleiter, die ihr Team ohne formelle Befugnisse führen, müssen über Leadership verfügen. Cornelia Niklas erklärt, aus welchen wichtigen Bausteinen sich Leadership zusammensetzt und warum erfolgreiche Projektleiter in sich einen Leitwolf und einen Visionär vereinen.
Kein Projektmanagement ohne Leadership

Von Projektleitern, Leitwölfen und Visionären

Die Führungspersönlichkeit eines Projektleiters zeigt sich darin, wie er für das Projektziel eintritt, sich für sein Team einsetzt oder gegenüber dem Management agiert. Sein Verhalten und seine innere Einstellung werden von den Beteiligten meist unbewusst wahrgenommen, beeinflussen jedoch ihr Handeln und dadurch den Projekterfolg. Diese Aspekte von Führung werden oft unter dem schillernden Begriff "Leadership" zusammengefasst. Insbesondere Projektleiter, die ihr Team ohne formelle Befugnisse führen, müssen über Leadership verfügen. Cornelia Niklas erklärt, aus welchen wichtigen Bausteinen sich Leadership zusammensetzt und warum erfolgreiche Projektleiter in sich einen Leitwolf und einen Visionär vereinen.

Es mag provokant erscheinen, Leitwölfe, Visionäre und Projektleiter in einem Atemzug zu nennen - zumal Projektmanagement-Literatur und -Seminare eher das gemeinsame Arbeiten im Team betonen statt eine "Leitwolf"-Funktion des Projektleiters hervorzuheben. Auch für Visionen lässt der Projektalltag im Allgemeinen kaum Raum. Doch ich bin überzeugt: In erfolgreichen Projektmanagern steckt eine Portion Leitwolf ebenso wie die richtige Dosis Visionär.

Dass Projekterfolg wesentlich von den so genannten "weichen", nicht in harten Kennzahlen erfassbaren Faktoren abhängt, ist keine neue Erkenntnis mehr. Mit seiner inneren Einstellung und seinem Verhalten beeinflusst der Projektleiter das Handeln der anderen Projektbeteiligten mehr oder weniger stark. Diese nehmen die innere Einstellung meist unbewusst wahr, z.B. an der Art und Weise, wie der Projektleiter für das Projektziel eintritt, sich für sein Team einsetzt oder auch, wie er sich dem Management gegenüber verhält. Und sie antworten darauf - mit Anerkennung, Zustimmung, Bewunderung oder Ablehnung - also mit einer Vielfalt emotional geprägter Reaktionen, die sich auf die Projektarbeit auswirken. Das mag zwar trivial klingen, aber je nachdem, wie viel Veränderungspotenzial ein Projekt in sich trägt, steckt darin mehr Tragweite, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Genau hier setzt Leadership an, eine Führungsqualität, die massiv zum Projekterfolg beiträgt! Dieser Artikel interpretiert den Begriff Leadership in Bezug auf Projektarbeit und zeigt, inwieweit dies positive Auswirkungen auf Ihre eigene Projektarbeit hat. Beurteilen Sie Ihre persönliche Einstellung und schätzen Sie Ihre individuelle Leadership ein - ein Schritt auf Ihrem Weg zur erfolgreichen Führungskraft.

Ohne Leadership geht es nicht

Ist Projektmanagement ohne Leadership überhaupt möglich? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Leadership heißt wörtlich übersetzt "Führerschaft"; der Ausdruck umfasst inhaltlich jedoch mehr als Führung: Im Allgemeinen bezieht er sich auf die gesamte Führungspersönlichkeit und die Art, andere Menschen in ihrem Handeln zu beeinflussen. In diesem Artikel bedeutet Leadership im Zusammenhang mit Projektmanagement ein Bestandteil der Führung, mit der der Projektleiter im Rahmen seiner Arbeit positiv auf die Projektbeteiligten einwirkt und sie zum Handeln im Sinne des Projektziels bewegt.

"Leadership" ist deutlich abzugrenzen von Begriffen wie "Charismatische Führung", die sich hauptsächlich auf die Ausstrahlung des Führers bezieht und "Governance", bei der der bewusste Steuerungscharakter im Vordergrund steht. Da die eben genannten Begriffe in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet werden, sind sie stark verwässert und werden oft verschieden interpretiert.

Im Projektalltag bleibt den Projektbeteiligten durch eine Überlast an Tagesgeschäft meist wenig Zeit, sich Gedanken über Führungskonzepte oder die eigene persönliche Entwicklung zu machen. Doch Projektmanagement bedeutet nicht alleine, Methoden anzuwenden, Besprechungen zu halten und Arbeitspakete zu erledigen - es bedeutet auch, Team, Management und Betroffene für die eigene Sache zu gewinnen! Projektleiter, die dies übersehen, verspielen die Chance, ihre Führungsfunktion zu entwickeln und in ihrer "Leadership" zu wachsen.

Wie wichtig diese Führungskompetenz in der Praxis ist, zeigt eine Studie der GPM zur Effizienz von Projekten in Unternehmen auf. ("Studie zur Effizienz von Projekten in Unternehmen, 2004"). Die Studie nennt unter anderem die folgenden drei Gründe für das Scheitern von Projekten:

  1. unklare Anforderungen und Ziele
  2. Politik, Egoismen, Kompetenzstreitigkeiten
  3. fehlende Unterstützung des Topmanagements.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Projektleiter, die neben der notwendigen Methodenkompetenz ihre Führungskompetenz im Projekt voll einbringen, mehr Chancen auf Erfolg haben als andere. Dies liegt daran, dass durch die mit Leadership umschriebenen Führungskomponenten auf verschiedenen - für das Projekt maßgeblichen - Ebenen eine positive Wirkung erzielt werden kann. Die angeführten drei Hindernisse in Projekten sind mit dem Erfolgsfaktor Leadership zu überwinden:

  1. Klare Ziele und Anforderungen, die sich wie ein roter Faden durch das Projekt ziehen und vom Projektleiter vertreten werden, sind eine klare Orientierung und richtungsweisend für alle anderen. Eine Vision, die von den Projektbeteiligten anerkannt wird, und mit der sich die Menschen identifizieren, dient dem Projekt als Wegbereiter zum Erfolg.
  2. In Leadership steckt Überzeugungskraft: Die eigenen Mitarbeiter und auch andere Projektbeteiligte glauben an die Richtigkeit der Entscheidungen, an die Vorteile des Projekts für Unternehmen und Kunde - und vertreten diese Werte nach außen. Erkennen auch die Linienmanager dies an, ist es wahrscheinlicher, dass sie sich an einer konstruktiven Zusammenarbeit beteiligen, anstatt zu blockieren und zu bremsen. Das Gleiche gilt beispielsweise für den Betriebsrat, wenn ein Reorganisationsprojekt durchgeführt werden soll.
  3. Diese Überzeugungskraft ist auch im Hinblick auf das Top-Management wichtig: Können die Machtinhaber der Organisation davon überzeugt werden, dass sie von dem Projekt profitieren und sehen sie die eigenen Ziele damit in Einklang, so kann damit die Unterstützung erreicht werden, die das Projekt zum Überleben braucht. Geht es beispielsweise um die Einführung eines neuen IT-Systems, das besonders dem Vertrieb Vorteile bringen soll, so gilt es, gerade die Manager der anderen Ressorts wie die Kaufmännische Leitung oder Produktionsleitung für die Sache zu gewinnen.

Doch nicht nur auf Manager, auf alle Menschen im Projekt wirkt sich Leadership des Projektleiters positiv aus:

  • Motivierend:…

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