Korrektes Englisch alleine reicht nicht aus Wie Deutsche in internationalen Projekten besser kommunizieren

Gute Englischkenntnisse werden bei deutschen Mitarbeitern meist vorausgesetzt, wenn sie in internationalen Projekten tätig sind. Doch für eine erfolgreiche Kommunikation reicht das alleine nicht aus. Auch die Wirkung der Worte muss stimmen – und die ist in der Praxis oft ganz anders als erwartet. Warum das so ist und was Sie tun können, damit die Kommunikation mit Kollegen aus anderen Ländern erfolgreich klappt, verrät Gudrun Höhne in diesem Tipp.

Korrektes Englisch alleine reicht nicht aus Wie Deutsche in internationalen Projekten besser kommunizieren

Gute Englischkenntnisse werden bei deutschen Mitarbeitern meist vorausgesetzt, wenn sie in internationalen Projekten tätig sind. Doch für eine erfolgreiche Kommunikation reicht das alleine nicht aus. Auch die Wirkung der Worte muss stimmen – und die ist in der Praxis oft ganz anders als erwartet. Warum das so ist und was Sie tun können, damit die Kommunikation mit Kollegen aus anderen Ländern erfolgreich klappt, verrät Gudrun Höhne in diesem Tipp.

In global tätigen Unternehmen ist Englisch meist die Unternehmenssprache. Dass deutsche Mitarbeiter in solchen Firmen gut Englisch sprechen, ist in der Regel Voraussetzung. Oft wird jedoch übersehen, dass gute Englischkenntnisse alleine nicht ausreichen, um im internationalen Umfeld erfolgreich zu kommunizieren. Denn ob das gewünschte Gesprächsergebnis erreicht wird, hängt auch vom Kommunikationsstil ab. Dieser ist im deutschen Geschäftsleben sehr sachorientiert und unterscheidet sich damit deutlich von dem in vielen anderen Ländern – was häufig zu Konflikten führt. Dieser Tipp zeigt, was deutsche Mitarbeiter beachten sollten, damit die Kommunikation in internationalen Projekten dennoch klappt.

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Das Thema der Konferenz lautet dieses Jahr
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Fallbeispiel

Cliff ist Ire und arbeitet seit kurzem in einem international aufgestellten Projektteam u.a. mit zwei Deutschen, Martin und Claudia, zusammen. Auch wenn Cliff den beiden zuarbeiten soll, sind alle Teammitglieder auf der gleichen Hierarchieebene angesiedelt. Die forsche und bestimmende Art der beiden Deutschen irritiert Cliff jedoch zunehmend. Ihren Kommunikationsstil empfindet er als unhöflich und unfreundlich und er fühlt sich als Befehlsempfänger herabgesetzt. Seine hier und da in den wenigen Telefongesprächen eingeworfenen persönlichen Fragen werden einfach ignoriert oder kurz abgetan. Für ihn stimmt die Basis für eine gute Zusammenarbeit damit nicht und er zieht sich mehr und mehr zurück. Die Aufgaben, die er für sie erledigen soll, wandern auf seiner Prioritätenliste immer weiter nach unten. Ihre zahlreichen mit "urgent" gekennzeichneten E-Mails ignoriert er meist.

Auch Martin und Claudia sind unzufrieden. Cliff liefert immer viel zu spät, auch wenn sie in ihren E-Mails klar kommunizieren, wie wichtig und dringend diese Angelegenheit ist. Durch seine Arbeitsweise geraten sie mit ihrer eigenen Arbeit in Verzug. Sie verstehen nicht, warum Cliff so unzuverlässig und unkooperativ ist.

Was ist passiert?

Martin und Claudia haben mit Cliff in einer Weise kommuniziert, wie es in Deutschland im Berufsleben üblich ist: vorwiegend sachorientiert, wobei die Person des Gegenübers im Hintergrund steht. Effizienz steht für sie an oberster Stelle. Die Kommunikation mit Cliff lief vorwiegend per E-Mail ab, wobei sie kaum Interesse für ihn gezeigt haben und mit ihren Aufgaben stets gleich "mit der Tür ins Haus gefallen" sind.

In Irland dagegen – wie auch in den meisten anderen Ländern dieser Welt – ist der Beziehungsaspekt mindestens genauso wichtig wie der sachliche. Auch im Geschäftsleben will man von seinem Gegenüber etwas Persönliches erfahren, bevor man vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten kann. Es wird nicht so deutlich zwischen Arbeits- und Privatleben unterschieden wie in Deutschland. Erfolgt die Kommunikation überwiegend per E-Mail, kommt die Beziehungsebene meist zu kurz. Hinzu kommt, dass in fast allen anderen Ländern indirekter kommuniziert wird als in Deutschland. Befehle und Anweisungen werden freundlich und diplomatisch als Bitten bzw. Fragen formuliert. Die starke Zielorientierung von Martin und Claudia hat somit letztendlich die Effizienz verringert statt sie zu erhöhen. Sie haben genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten.

Wie lassen sich solche Probleme in der Kommunikation vermeiden? Im Folgenden erhalten Sie einige Empfehlungen, worauf Deutsche in internationalen Projekten bei der englischsprachigen Kommunikation achten sollten.

Wertschätzung zeigen durch Höflichkeit und Freundlichkeit

Seien Sie im Zweifel lieber höflich, anstatt zu bestimmt aufzutreten und verwenden Sie im Englischen möglichst oft die Konditionalform – auch wenn Sie in deutschen Rhetorik-Seminaren vielleicht das Gegenteil gelernt haben sollten. In der internationalen Kommunikation sind "could" und "would" sehr wichtige Wörter, wenn Sie wirklich etwas erreichen wollen. Aufforderungen sollten immer ein "please" enthalten und möglichst am Ende der Mail auch bereits schon ein "Danke" vorwegnehmen. Bedanken Sie sich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Und denken Sie auch an ein Lob, wenn Ihre Erwartungen voll erfüllt wurden bzw. etwas trotz Zeitdruck noch rechtzeitig abgeliefert wurde. Wertschätzen Sie die Arbeit der anderen. Es lohnt sich.

Wertschätzung zeigen ...

- could you please …
- would you mind …
- I would really appreciate if you could send me that information …
- Thanks in advance for your support
- Good job. / Well done.
- Great to work with you.
- I really enjoy working with you.
- Thanks very much for doing this so quickly. This is very much appreciated.

Tabelle 1: Redewendungen, um Wertschätzung zu zeigen.

Dringlichkeit freundlich herausstellen und begründen

Bewertungen und Kommentare

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Kommentare 8

Alle Kommentare (8)

Georg
Angermeier
Dr.

Aus eigener Erfahrung kann ich alles in diesem Artikel nur unterstreichen und dringend zur Beherzigung anraten. Als ich vor zwanzig Jahren als junger Schnösel für ein Projekt in Kanada war, musste ich das eine oder andere hier Gesagte auf die harte Tour lernen ... Meiner persönlichen Einschätzung nach sind die hier vorgestellten Redewendungen eher europäisch (d.h. britisch/irisch) geprägt. Als Deutsche sind wir meiner Meinung nach aber stets auf der sicheren Seite, wenn wir uns auf internationalem "Parkett" am europäischen Englisch orientieren.

 

Sedat
Celik

Guter Artikel, der es wirklich auf den Punkt bringt, allerdings vermisse ich den Kontext zu anderen nicht englischsprachigen Ländern mit denen man im internationalen Kontext interagiert und kommuniziert. Die Zusammenarbeit in internationalen Teams beschränkt sich meist nicht auf Deutschland und englischsprachige Länder. Gerade die Zusammenarbeit mit Ländern in Osteuropa oder Asien erfordern unterschiedliche Kommunikationsregeln und - inhalte.

 

Guest

Das Eingehen auf die Partner im Projekt entspricht voll meiner Erfahrung im internationalen Projektgeschäft (Norwegen). Projekte in Deutschland laufen auch viel besser wenn man sich kennt und in den anderen hineinversetzt. Die vorgeschlagenen Phrasen ergänzen meinen eigenen Sprachgebrauch. Danke!

 

Guest

Es ist ein von viele Gründe warum ein internationales IT-Projekt sich öfter zeitlich verzogen wird. Ein Inder oder ein Australier wird sich völlig anders als ein Französer oder Spanier auf die Anwendung von Englisch bei den deutschen Kollegen.

 

Kathryn
Dixon

Ein sehr gute Zusammenfassung der Stolperfälle sowie Tipps für den erfolgreichen Umgang mit Kollegen und Kunden besonders im europäischen Raum. Leider entstehen sehr viele Projektprobleme in internationalen Projekten durch fehlendes Verständnis für die richtige Kommunikation sowie leider immer noch durch Vorurteile - bestimmte Nationalitäten sind immer unpünktlich oder faul oder was auch immer... Danke!

 

Rainer
Bauernschubert
Dipl. Verwaltungswirt

Sehr zutreffender Artikel mit guten praktischen Empfehlungen. Allerdings wird mir zu wenig eingegangen auf die Zusammenarbeit mit völlig anderen Kulturkreisen. Ich denke z.B. an Japan, China, Indien, Arabien. Hier gelten noch ganz andere Verhaltensregeln, die hier gar nicht angesprochen werden und zu noch viel größere Irritationen als zwischen Europäern wie einem Deutschen und einem Iren führen.

 

Hartmut
Baden

Sehr guter Beitrag, vor allem auch durch die Beispiele, danke. Mir kommt dabei unwillkürlich ide Frage, warum uns Deutschen eigentlich so schwer fällt, denn diese Grundformen des wertschätzenden Umgangs miteinander würden auch uns und unseren Projekten gut tun.

 

Minh Tri
Nguyen

Deutschen sind so erzogen, alles perfekt zu machen bzw. was "made in Germany" darauf ist, muss auch "made in German" drin sein. Fehlermacher ist ja gleich Versager, was wiederum die Flexibilitaet und die Innovation im Projekt limitiert. Siegermentalitaet ist auch eine "deutsche" Spezialitaet, was nicht unbedingt positiv in den anderen Laendern angesehen. Es wird das Fremdsprachkenntnis leider fuer viele Rollout Projekte ins Ausland von den deutschen Unternehmen immer noch Wert gelegt. Man geht davon aus, dass jemand die Fremdsprache beherrscht, kann daher die Kultur und Mentalitaet versteht, und automatisch alle Problem remote und/oder Vor Ort aufheben kann. Ich wuensche mir weitere Artikel als Hands-On Best Practice mit der Beteiligung von Lesern.