Wie mache ich mein Unternehmen krisenfest?

Teil 2:
Von hoch zuverlässigen Organisationen lernen
Gefährliche Situationen ("Krisen") sind mit dem richtigen Instrumentarium vermeidbar. Das beweisen z.B. Fluggesellschaften und deren Crews oder Luft- und Raumfahrtunternehmen. Nachdem der erste Teil dieser Artikelfolge die Unterschiede zwischen Risiko- und Krisenmanagement geklärt hat, geht Dr. Martin Kärner im zweiten Teil der Frage nach, wie sich so genannte "hoch zuverlässige Organisationen" gegen Krisen wappnen. Er analysiert die charakteristischen Merkmale solcher Organisationen und untersucht, inwieweit sich diese auf die Projektarbeit übertragen lassen.

Wie mache ich mein Unternehmen krisenfest?

Teil 2:
Von hoch zuverlässigen Organisationen lernen
Gefährliche Situationen ("Krisen") sind mit dem richtigen Instrumentarium vermeidbar. Das beweisen z.B. Fluggesellschaften und deren Crews oder Luft- und Raumfahrtunternehmen. Nachdem der erste Teil dieser Artikelfolge die Unterschiede zwischen Risiko- und Krisenmanagement geklärt hat, geht Dr. Martin Kärner im zweiten Teil der Frage nach, wie sich so genannte "hoch zuverlässige Organisationen" gegen Krisen wappnen. Er analysiert die charakteristischen Merkmale solcher Organisationen und untersucht, inwieweit sich diese auf die Projektarbeit übertragen lassen.

Menschliches Versagen, technische Probleme, aber auch "höhere Gewalt" sind mögliche Ursachen von kritischen Situationen ("Krisen") in Unternehmen. So genannte "hoch zuverlässige Organisationen" jedoch haben ein ausgefeiltes Instrumentarium und eine Unternehmenskultur entwickelt, mit denen sie Krisen vermeiden oder lösen. Der vorliegende Artikel stellt dieses Instrumentarium vor, zeigt Merkmale einer krisenresistenten Organisationskultur auf und überträgt sie auf das Projektmanagement. Der Artikel gehört zu einer mehrteiligen Artikelfolge, die beschreibt, wie Entscheidungsträger und Prozessverantwortliche ihr Unternehmen krisenfest(er) machen können.

Die Artikelfolge knüpft an die Beiträge "Projektkrisen erkennen und verhindern"und "Projektkrisen erfolgreich bewältigen" (jeweils Ausgabe 01/2004) an, die das Thema aus Sicht des Projektleiters beleuchten.

Sicherheit als Erfolgskriterium

Grundlage für den Erfolg hoch zuverlässiger Organisationen ist ein sicherer Betrieb unter möglichst allen denkbaren zulässigen und unzulässigen Bedingungen. Beispiele für solche Organisationen sind:

  • Luft- und Raumfahrtunternehmen: z.B. Entwicklung und Fertigung von Flugzeugen, Satelliten und der entsprechenden Infrastruktur
  • Flugsicherung und Fluglotsen
  • Fluggesellschaften und deren Crews und Wartungsmannschaften
  • Leitwarten von Produktionsstätten wie z.B. Chemiefabriken oder Kraftwerke

In diesen Unternehmen handeln Teams, die nicht versagen dürfen, weil sonst entweder immense Schäden an Mensch und Umwelt entstehen oder weil es für das Vorhaben keine zweite Chance gibt. Daher haben diese Organisationen Haltungen und Vorgehensweisen entwickelt, um die Fehlerrate möglichst auf Null zu senken. Das heißt: Die Unternehmen haben gelernt, ihr Wissen über Risiken zu nutzen, um sich ständig zu verbessern. Neu auftretende, bisher unbekannte Risiken werden dabei ebenfalls ausgewertet und berücksichtigt. Ein guter Ansatz für das Projektmanagement, denn die lernende Organisation plant besser und geht zielgerichtet mit ihren Risiken um.

Was zeichnet hoch zuverlässige Organisationen aus?

Hoch zuverlässige Organisationen weisen folgende charakteristische Merkmale auf:

1. Die Fähigkeit, anspruchsvolle Standards und Ziele zu erfüllen

Fluggesellschaften legen höchste Sicherheitsstandards fest, um Unfälle zu vermeiden. Denn jeder Unfall in der Luftfahrt zieht hohe Schäden nach sich. Mindestens ebenso schlimm ist der Reputationsverlust, der ein Unternehmen wirtschaftlich ruinieren kann, sollte es als unzuverlässig eingestuft werden.

Warum passieren dann trotzdem immer wieder schwere Unglücke?

Maßnahmen für Sicherheit und Zuverlässigkeit sind teuer. Deshalb konkurriert das Sicherheitsbedürfnis von Individuum und Gesellschaft mit wirtschaftlichen Interessen von Investoren und Nutzern. Der notwendige Kompromiss wird von den örtlichen Behörden und Firmen durch Gesetze, Normen und andere Regelwerke geschlossen. Daher kann es je nach Land und Fluggesellschaft Unterschiede geben.

Statistisch gesehen, nimmt die Unfallhäufigkeit in reichen Ländern ab, da hier mehr in die Sicherheit investiert werden kann. Extrem ausgedrückt: Eine Konkursfirma verspürt in einem Staat mit laxen Vorschriften und Kontrollen keine Notwendigkeit, hohe Sicherheitsstandards zu gewährleisten - und entwickelt folglich auch keine Fähigkeiten dazu.

Organisationen entwickeln also die Motivation und Fähigkeit zu hohen Standards nur dann, wenn ihr mittel- und langfristiger Erfolg davon abhängt und dieser gesichert werden soll.

2. Konservative, bewahrende Grundhaltung

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Teil 1:
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Krisen sind nicht immer zu verhindern, Unternehmen können aber lernen, mit einer Krise richtig umzugehen. Wie das geht, zeigen die Profis in Sachen Krisenvermeidung und -bewältigung, z.B. Flugzeugbauer und Kriseneinsatzteams. Dr. Martin Kärner …
Teil 3:
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Trotz aller Sorgfalt lassen sich Krisensituationen nicht immer vermeiden – der zielgerichtete Umgang mit ihnen kann allerdings rechtzeitig geregelt und geübt werden. Das beweisen Kriseneinsatzkräfte, wie z.B. Feuerwehr und Katastrophenschutz, die …
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