Projekte in Frankreich – pas de problème?

Projekte in Frankreich - kein Problem? Leider nicht! So nah wir unseren französischen Nachbarn auch stehen mögen, Unterschiede in Mentalität und Arbeitsweise gibt es viele. Diese Unterschiede treten deutlich zutage, wenn deutsche Firmen ihre Mitarbeiter nach Frankreich entsenden und diese dort auf unerwartete Schwierigkeiten stoßen, weil sie unvorbereitet mit einer vollkommen anderen Arbeitsauffassung konfrontiert werden. In der Folge gestaltet sich der Projektablauf häufig schwierig - im schlimmsten Fall scheitert das Projekt. Dr. Harald Lindinger erläutert in seinem Artikel die Besonderheiten der französischen Arbeitswelt und gibt hilfreiche Hinweise für Frankreich-Neulinge.

Wer als Projektmanager für ein deutsches Unternehmen an einem Projekt in der französischen Niederlassung beteiligt ist, der sollte sich unbedingt auf die kulturellen Eigenheiten seiner französischen Kolleginnen und Kollegen und deren Führungsstil einstellen, sonst könnten er und das Projekt Schiffbruch erleiden. Im Folgenden erhalten Sie hilfreiche Hinweise und Ratschläge, wie man als deutsche Führungskraft in Frankreich Projekte zusammen mit französischen Kollegen erfolgreich umsetzt.

Frankreich - die andere Realität

Deutsche Unternehmen, die beispielsweise SAP R/3 im Mutterhaus eingeführt haben, gehen häufig davon aus, dass die für Deutschland gewählte Lösung schnell und einfach nach Frankreich "exportiert" werden kann. Solche Rollouts werden dann oft dem eigenen Kompetenzzentrum oder einem bewährten deutschen Consulting Partner anvertraut. Die Unternehmen erhoffen sich davon eine Harmonisierung der Abläufe sowie eine merkliche Kosten- und Zeitersparnis im Vergleich zum deutschen "Erstprojekt".

Anstelle eines kurzen, kostengünstigen Projekts kommt es aber oft zu teuren Projektverzögerungen oder gar zu Projektabbrüchen - immer begleitet von langwierigen Diskussionen. Die Gründe für die Probleme im Projektablauf sind vielschichtig; meist lassen sie sich nicht allein auf die andere Gesetzeslage zurückführen, sondern vor allem auf die unterschiedliche Mentalität.

Ausgangspunkt vieler Diskussionen zwischen französischen und deutschen Projektbeteiligten sind dennoch die Unterschiede in den gesetzlichen Bestimmungen zur Buchhaltungspflicht. Meist liegen auf deutscher Seite unzureichende Kenntnisse der in Frankreich geltenden Gesetze vor (siehe Auflistung "Spezifische gesetzliche Anforderungen in Frankreich"). Dieses Defizit lässt sich aber dadurch ausgleichen, dass man lokale Beratungspartner heranzieht, also beispielsweise Systemhäuser, die die Probleme in der deutsch-französischen Projektarbeit kennen, möglichst über zweisprachige Berater verfügen und entsprechende Referenzen vorweisen können.

Spezifische gesetzliche Anforderungen in Frankreich

Zusätzlich zu den Fragen bezüglich Harmonisierung von Organisationsstrukturen, Stammdaten, Mandanten und/oder Buchungskreis übergreifende Parameter usw., die beispielsweise für jedes SAP-Projekt geklärt werden müssen, sind die aufgeführten Spezifika - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - zu berücksichtigen.

  • Der gesetzliche französische Kontenplan ist zwingend vorgeschrieben; ein zweiter Kontenrahmen kann geführt werden.
  • Es gelten spezifische Buchungsregeln für Anzahlungen, Skonti, Zweifelhafte Forderungen etc.
  • Es gelten Besonderheiten im Zahlungsverkehr (Wechsel, Schecknummerierung, elektronische Zahlungen im ETEBAC-Format).
  • Die Behandlung von Bankverbindungen (Buchungsschemata, Normen), die Verwaltung des Anlagevermögens (Verkauf, Handelsrecht, Steuerrecht, Gewerbesteuer, Obergrenzen für Firmen-PKWs) unterscheiden sich von den deutschen Regelungen.
  • Die Behandlung von Wareneingängen (Einkaufskonto) und die Vorschriften zur Bewertung des Vorratsvermögens und zur Inventur unterscheiden sich ebenfalls von den deutschen Regelungen.
  • Bilanzen, GuV und "obligatorische Erklärungen" sind nach französischer Norm zu erstellen.

Wer sich über die gesetzlichen Bestimmungen informieren möchte, kann sich an die deutsch-französische Handelskammer wenden.

Ein Systemhaus in Paris, das auf die Durchführung deutsch-französischer SAP-Projekte spezialisiert ist, hat errechnet, dass für die Anpassung von Prozessen und Einstellungen an französische Bestimmungen normalerweise etwa 20 bis 40 Manntage einzuplanen sind. Müssen sie aber nachträglich eingearbeitet werden (nach dem Go-Live in Frankreich), so können in Einzelfällen 100 bis 150 Manntage notwendig werden.

Mentalitätsunterschiede - ein Projektrisiko

Arbeiten Sie in Frankreich, sind Französischkenntnisse von großem Vorteil, weil viele Franzosen nicht fließend Englisch oder Deutsch sprechen. Beherrschen Sie die französische Sprache, ist es Ihnen möglich, sich verbal zu verständigen, Sie müssen keinen Dolmetscher einschalten - und

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