Raus aus der KomplexitÀtsfalle!
Projekte sind hÀufig turbulent: Der Auftraggeber "kippt" neue Anforderungen ein, im Team treten Konflikte auf, bei der geplanten Datenbankmigration gibt es Probleme etc. Stephanie Borgert befasst sich in diesem Beitrag mit der Frage, wie man mit solchen dynamischen und oft komplexen Projektsituationen am besten umgeht. Zentraler Punkt ist dabei die Unterscheidung zwischen komplexen, komplizierten und chaotischen Projektsituationen, um daraus die richtigen Handlungsoptionen abzuleiten. Sie erfahren, welche Stolpersteine auf dem Weg zum Projekterfolg liegen, und lernen, welchen Einfluss die Projektkultur im Zusammenhang mit KomplexitÀt hat und wie Sie diese aktiv beeinflussen können.
Management Summary
Als Mitglied erhalten Sie die wichtigsten Thesen des Beitrags zusammengefasst im Management Summary!
Inhalt
- Es wird turbulent im Projekt
- (Schein-)Strategien, um KomplexitÀt zu reduzieren
- Die Projektwelt ist auch, aber nicht nur komplex
- Die Projektsituation mit Hilfe des Cynefin-Frameworks ermitteln
- Stolpersteine auf dem Weg zum Projekterfolg
- Die Kultur bestimmt das Verhalten â und damit den Erfolg
- Brauchen wir ein neues Projektmanagement, um die KomplexitÀt zu meistern?
Raus aus der KomplexitÀtsfalle!
Projekte sind hÀufig turbulent: Der Auftraggeber "kippt" neue Anforderungen ein, im Team treten Konflikte auf, bei der geplanten Datenbankmigration gibt es Probleme etc. Stephanie Borgert befasst sich in diesem Beitrag mit der Frage, wie man mit solchen dynamischen und oft komplexen Projektsituationen am besten umgeht. Zentraler Punkt ist dabei die Unterscheidung zwischen komplexen, komplizierten und chaotischen Projektsituationen, um daraus die richtigen Handlungsoptionen abzuleiten. Sie erfahren, welche Stolpersteine auf dem Weg zum Projekterfolg liegen, und lernen, welchen Einfluss die Projektkultur im Zusammenhang mit KomplexitÀt hat und wie Sie diese aktiv beeinflussen können.
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Inhalt
- Es wird turbulent im Projekt
- (Schein-)Strategien, um KomplexitÀt zu reduzieren
- Die Projektwelt ist auch, aber nicht nur komplex
- Die Projektsituation mit Hilfe des Cynefin-Frameworks ermitteln
- Stolpersteine auf dem Weg zum Projekterfolg
- Die Kultur bestimmt das Verhalten â und damit den Erfolg
- Brauchen wir ein neues Projektmanagement, um die KomplexitÀt zu meistern?
Als Projektmanager sind Sie mit vielen verschiedenen Situationen und Ereignissen konfrontiert: Der Auftraggeber "kippt" neue Anforderungen ein, es gibt Konflikte im Team, die Laufzeit des Projekts verzögert sich, Mitarbeiter werden abgezogen, der Scope wĂ€chst und so weiter und so fort. Wie geht man mit solchen dynamischen, oft komplexen und manchmal turbulenten Projektsituationen am besten um? Mit genau dieser Fragestellung befasst sich dieser Artikel. Der Frage, wie komplex das zu managende Projekt ist, kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn KomplexitĂ€t wird meist als kritischer Aspekt angesehen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung von komplexen, komplizierten und chaotischen Projektsituationen, denn jede erfordert ihr eigenes Entscheidungs- und FĂŒhrungsinstrumentarium. Es geht also darum zunĂ€chst den aktuellen Projektkontext zu bestimmen und daraus die richtigen Handlungsoptionen abzuleiten. Zudem erfahren Sie, wie die wesentlichen Stolpersteine auf dem Weg aus der KomplexitĂ€tsfalle zu ĂŒberwinden sind. Die Kultur im Projekt bestimmt das Verhalten der Menschen â Sie lernen, wie Sie selbst aktiv auf die Gestaltung dieser Kultur Einfluss nehmen können.
Es wird turbulent im Projekt
Vielleicht kennen Sie Situationen wie diese: "Die Folien fĂŒr den Projektlenkungsausschuss mĂŒssen noch bis heute Abend fertig werden. Eigentlich mĂŒsste der aktuell zu erreichende Meilenstein "Datenmigration" eine rote Ampel bekommen, aber das gibt wieder endlose Detaildiskussionen mit den Lenkungsausschuss-Mitgliedern. DafĂŒr habe ich wirklich keine Zeit. AuĂerdem kann ich denen nicht mal eben die gesamte KomplexitĂ€t der aktuellen Situation erklĂ€ren, dafĂŒr stecken die Herrschaften nicht tief genug im Thema. Und schlieĂlich habe ich genug mit dem Meilenstein selbst zu tun. Dass erst jetzt hochkommt, dass fĂŒr die bevorstehende Datenmigration noch weitere Datenschutzbestimmungen zu beachten sind, ist unglaublich. WofĂŒr sitzen denn so viele Experten im Projekt? Daran hat aber erst mal keiner gedacht, und ich kann mich nicht um alles kĂŒmmern. Gleichzeitig mĂŒssen wir unsere Fachseite noch davon ĂŒberzeugen, dass die zwei neuen Anforderungen definitiv nicht mehr im kommenden Release unterzubringen sind. Die Verhandlung dazu war gestern ergebnislos, aber wir mĂŒssen hart bleiben. Das ist im Budget auch gar nicht mehr drin. Die Kollegen der Fachseite sollen sich doch erst mal um ihre Restrukturierung kĂŒmmern. Wir wissen ja eh nicht, wer ab nĂ€chstem Halbjahr unser Auftraggeber ist. Dabei kommt mir doch dieses noch ungelöste Datenbank-Problem in den Sinn. Wie kriegen wir den richtigen Auszug an Daten migriert, obwohl wir keinen eindeutigen SchlĂŒssel haben? DafĂŒr brauchen wir jetzt endlich eine Lösung. Was wollte ich eigentlich gerade tun? Ach ja, die FolienâŠ"
Wie behalten Sie eine solche Projektsituation im Griff? Wie gehen Sie die Lösung der verschiedenen Punkte an? Typische Lösungsstrategien könnten lauten: Planung nach hinten schieben, zusĂ€tzliches Budget beantragen, zusĂ€tzliche Mitarbeiter anfordern, Anforderungen vom Lenkungsausschuss ablehnen lassen, und so weiter. Dabei schwingt allerdings immer der Gedanke mit "Wenn X, dann Y": "Mit mehr Budget lassen sich die zwei Anforderungen realisieren", "ZusĂ€tzliche DB-Experten lösen die Frage um die partielle Migration". "Mit mehr Zeit werden wir alle Datenschutzanforderungen erfĂŒllen können." Die Situation im Projekt, und sei sie noch so komplex, wird in (vermeintliche) KausalzusammenhĂ€nge zerlegt und in eine systematische Planung ĂŒberfĂŒhrt.
Das Denken in Ursache-Wirkungs-GefĂŒgen ist die Denk- und Verhaltensweise, die wir in unserem Kulturkreis am intensivsten lernen und trainieren. Dieses Denken ist fĂŒr viele Situationen im Projektmanagement-Kontext gut und richtig. Sobald wir uns allerdings in einem komplexen Umfeld befinden, schnappt sie zu, die KomplexitĂ€tsfalle. Denn wir glauben, dass sich die Projektsituation auflöst, wenn wir die KomplexitĂ€t reduzieren. Die hĂ€ufigsten Strategien dafĂŒr sind rationales Verstehen, Vereinfachen oder das Ausblenden bestimmter Aspekte.
(Schein-)Strategien, um KomplexitÀt zu reduzieren
Rationales Verstehen ist die am hĂ€ufigsten eingesetzte Strategie, um komplexe Projektsituationen "in den Griff zu bekommen". Leider ist sie auch diejenige, die in den meisten FĂ€llen zu einer Ăberforderung des Projektmanagers fĂŒhrt. Die Dimensionen der KomplexitĂ€t entsteht im Beispiel durch menschliche Einflussnahmen (die zu den zwei weiteren Anforderungen gefĂŒhrt haben), durch die Menge und AnwendungsfĂ€lle aktueller Datenschutz-Bestimmungen, durch die verschiedenen Möglichkeiten, eindeutige SchlĂŒssel fĂŒr die zu migrierenden Daten zu finden, durch das Handeln des Lenkungsausschusses und durch weitere hinter der beschriebenen Situation liegende Aspekte. Ein einzelner Projektmanager, und sei er noch so erfahren, kann dies alles niemals kognitiv vollstĂ€ndig erfassen.
Um das vermeintlich doch hinzubekommen, neigen wir dazu, die Wirklichkeit zu vereinfachen, beziehungsweise Details auszublenden. Das Ausblenden kennt jeder Mensch als gĂ€ngige Strategie. Im Falle eines Projekts werden beispielsweise die Motivation und Notwendigkeit hinter den neuen Anforderungen einfach nicht berĂŒcksichtigt. Man muss sich dann auch nicht damit auseinandersetzen und kann lediglich die "hard facts" wie Termine, Budget und Aufwand betrachten. So bleiben wir in unserer Wahrnehmung bei Bekanntem und Vertrautem, was uns ein GefĂŒhl von Sicherheit gibt. Und Sicherheit können wir in einem turbulenten Projekt gut gebrauchen.
âŠ
Holger Zimmermann
12.06.2013
Oliver Dattner
13.06.2013
Dr. Michael Hesseler
17.06.2013
Marta Chromy
18.12.2013