Die Primetime entdecken und intelligent im Projektalltag nutzen

Regelmäßig Spitzenleistungen abrufen, ohne auszubrennen

Unkonzentriert, erschöpft und kniffelige Aufgaben lassen sich nur unter höchster Anstrengung lösen: gerade in stressigen Projektphasen für viele beruflicher Alltag. Machen Sie Schluss mit pausenlosem Funktionieren am Anschlag! Peter Flühr zeigt Ihnen, wie Sie in der Primetime Ihr Potential voll ausschöpfen und den Ansatz in Ihr Team einbringen.

Die Primetime entdecken und intelligent im Projektalltag nutzen

Regelmäßig Spitzenleistungen abrufen, ohne auszubrennen

Unkonzentriert, erschöpft und kniffelige Aufgaben lassen sich nur unter höchster Anstrengung lösen: gerade in stressigen Projektphasen für viele beruflicher Alltag. Machen Sie Schluss mit pausenlosem Funktionieren am Anschlag! Peter Flühr zeigt Ihnen, wie Sie in der Primetime Ihr Potential voll ausschöpfen und den Ansatz in Ihr Team einbringen.

"Lebenskunst besteht darin, die eigene Natur mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen."
Luis De Leon

Dienstag, 8:30 Uhr, Statusmeeting im Krisenprojekt, der Blutdruck steigt, der Puls beginnt zu rasen: IT-Leiter Rainer – früher für seine sorgfältige und fokussierte Arbeitsweise bekannt – wirkt während seiner Ausführungen unkonzentriert, abgelenkt und droht mehrmals den roten Faden zu verlieren. Einige Teammitglieder sind besorgt, andere schlicht genervt. Das was Rainer hier widerfährt und vor fünfzehn Jahren noch selten vorkam, ist heute Gang und Gäbe: Spezialisierte Fachkräfte sind über den kompletten Projektverlauf unausgeschlafen, angespannt und büßen dadurch einen großen Teil ihrer Leistungsfähigkeit ein.

Nicht die ganze Zeit in der eigenen Primetime zu sein, also einem Zustand der mentalen Klarheit und einer zuversichtlichen Grundstimmung, ist vollkommen normal. Denn diese Art der persönlichen Verfassung haben wir, wenn es gut läuft, zwischen drei und fünf Stunden am Tag. In dieser Spanne sind Spitzenleistungen möglich. Gefährlich wird es allerdings dann, wenn der Großteil der Projektbeteiligten ganz ohne Primetime ihr berufliches Dasein fristet. Die Arbeitsergebnisse sehen dann entsprechend uninspiriert, angestrengt und sogar armselig aus!

In diesem Artikel erläutere ich Ihnen, woran es liegt, dass viele ursprünglich fitte Leistungsträger regelmäßig unter ihren Möglichkeiten bleiben. Danach stelle ich Ihnen ein ganz einfaches Diagnosetool für Projektleiter vor, mit dem Sie zunächst bei sich selbst und in einem weiteren Schritt bei Ihrem Team, die Produktivität Schritt für Schritt ausbauen können.

Was wir von Bären für Projekte lernen können

Mein persönliches Primetime-Erwachen hatte ich Ende 1995 am Olympiastützpunkt München. Dort schrieb ich meine Diplomarbeit über ein damals extrem kostspieliges und maschinengetriebenes Trainingsgerät für Reha-Sportler. Das Biodex 2000 misst die Kraftleistungsfähigkeit eines Probanden im Bein. Der Proband selbst muss gegen einen unüberwindlichen Widerstand maximalen Druck (oder Zug) in einer definierten Position über mehrere Sekunden aufbringen (Bild 1). In meiner Diplomarbeit ging es um die Zuverlässigkeit der gelieferten Leistungsdaten. Je zuverlässiger diese waren, umso präziser konnten Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler das Training evaluieren und im Anschluss planen. Die Gleichung lautete: vertrauenswürdige Daten = effizienter Heilungsverlauf!

Bild 1: Das Biodex 2000 misst die Kraftleistungsfähigkeit des Probanden im Bein.

Bild 1: Das Biodex 2000 misst die Kraftleistungsfähigkeit des Probanden im Bein.

Ist er zu stark, ist die Maschine zu schwach

Doch nicht diese "Hightech-Maschine" öffnete mir die Augen für das Thema "Leistungsentfaltung". Das übernahm Manfred Nerlinger, mehrfacher Medaillengewinner in Gewichtheben, der sich zu diesem Zeitpunkt auf die Olympischen Spiele in Atlanta vorbereitete.

Die Art und Weise wie er trainierte, irritierte mich. Zwischen den einzelnen Übungen wirkte es auf den ersten Blick so, als würde er auf seiner Massagebank schlafen. Je länger ich diesen extremen Wechsel von Beanspruchung und Regeneration live erlebte, desto neugieriger wurde ich auf seine unkonventionelle Trainingsgestaltung.

Hochintensives Nichtstun

Weder davor noch danach habe ich einen Menschen kennengelernt, der so gut zwischen den Belastungen abschalten und neue Kraft tanken konnte wie er. (Nerlinger war, trotz seiner damals knapp 150 kg, in der Lage einen Salto aus dem Stand zu machen.) Am ehesten kannte ich dieses hochintensive, gelassene Nichtstun, das die Grundlage für die anschließende Kraftexplosion war, aus National-Geographic-Dokumentationen über Bären in freier Wildbahn.

Ein uralte und dennoch hochaktuelle Sportler-Weisheit lautet: "Der Muskel wächst in der Pause!" – Natürlich vorausgesetzt, wir haben davor echt trainiert. Was gute von herausragenden Sportlern unterscheidet ist es zu wissen, wann sich eine Pause besonders auszahlt. Denn nicht immer sind Pausen gleich wertvoll.

Auch Nerlinger wurde neugierig: Er fragte mich, was ich da an der motorgetriebenen Maschine mit den Menschen hinter der Glaswand so treibe. Und ehe ich mich versah, nahm er auf dem Biodex 2000 Platz und sagte: "Wann geht es denn hier endlich los?". Ich antwortete ihm, dass der Motor schon laufe. Was war passiert? Er hatte den 1.000 Newtonmeter Elektromotor kraft seiner Beine einfach lahmgelegt. Zwar nur für einen ganz kurzen Augenblick, dennoch zeigt es, wie gut Nerlinger seine volle Leistung abrufen konnte.

Pausengestaltung – entscheidend ist das Wann

Sie müssen als Projektleiter/in in Ihrem Projektalltag zwar keinen physischen Salto machen, doch sind Sie z.B. oft gefordert, in einem hochdynamischen Unternehmensumfeld Ihr komplettes Team in einem leistungsstarken Zustand zu halten. Das erfordert sicherlich einen klaren Kopf und Durchsetzungskraft.

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