So schätzen Sie Menschen richtig ein

Mitarbeiter und andere Stakeholder richtig einzuschätzen, gehört zu den Aufgaben eines Projektleiters. Doch häufig ist die eigene Wahrnehmung von Vorurteilen geprägt. In diesem Tipp schildert Dr. Tomas Bohinc, wie Vorurteile entstehen, welche Effekte beim Beurteilen anderer auftreten können und wie Sie Fehler bei der Einschätzung vermeiden können.

"Diese gute Leistung hätte ich meinem Mitarbeiter Herrn Mayer nicht zugetraut." Wenn Sie als Projektleiter diesen Satz laut oder auch nur leise zu sich sagen, dann haben Sie die Kompetenz und Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters nicht richtig eingeschätzt. Das Gleiche gilt auch für andere Stakeholder. Auch hier kann es passieren, dass Sie den anderen falsch einschätzen: So gehen Sie z.B. davon aus, dass der Auftraggeber unzugänglich für unangenehme Nachrichten ist und halten dies deshalb von ihm fern – dabei wünscht er sich eigentlich, dass er von Problemen schnell erfährt, um frühzeitig gegensteuern zu können.

Solche Fehleinschätzungen beruhen auf keiner bösen Absicht, sondern spiegeln eine verzerrte Wahrnehmung wider. Dieser Tipp zeigt Ihnen, welche typischen Wahrnehmungsfehler es gibt und wie Sie diese künftig vermeiden können.

Von der Wahrnehmung zum (Vor-)Urteil

Auf eine Wahrnehmung können wir in Sekundenbruchteilen reagieren. Sehen wir einen Ball über die Straße rollen, treten wir auf die Bremse, denn es könnte ein Kind folgen.

Diese automatischen und schnellen Reaktionen können überlebenswichtig sein. Andererseits sind sie aber auch hinderlich, wenn wir durch die gleichen Verhaltensmechanismen vorschnell einen Projektmitarbeiter beurteilen. Dies kann dazu führen, dass wir einem Mitarbeiter eine Aufgabe geben, die ihn überfordert, oder auch eine Tätigkeit nicht übertragen, weil wir glauben, dass er sie nicht bewältigen kann.

Von der Wahrnehmung zum (Vor-)Urteil gelangen wir über eine Handlungskette von vier Elementen. Hier ein Beispiel:

  1. Wir nehmen etwas wahr: Ein Projektmitarbeiter verhält sich meistens passiv und sieht bei einer Aufgabe immer zuerst die Schwierigkeiten.
  2. Wir interpretieren diese Wahrnehmung: Weil der Mitarbeiter meistens passiv ist und immer Schwierigkeiten sieht, ist er nicht sehr motiviert und es fehlt ihm die Kompetenz für die Aufgabe.
  3. Wir bewerten diese Interpretation: Da der Mitarbeiter weder
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