Günstig, aber nicht umsonst

Teambildung muss nicht teuer sein!

Bevor Sie als Projektleiter mit der operativen Arbeit im Projekt beginnen können, müssen Sie zunächst dafür sorgen, dass sich Ihre Mitarbeiter zu einem funktionierenden Team zusammenfinden. Dr. Matthias Eberspächer stellt Ihnen hierfür drei Gruppenspiele vor, die Sie mit wenig Vorbereitung während eines Kick-off durchführen können. So lernen sich die Teammitglieder gegenseitig kennen und Sie können herausfinden, ob die Zusammensetzung Ihres Teams passt. Beobachten Sie in einem spielerischen Kontext, wie Ihre Mitarbeiter vorgehen, um Aufgaben zu lösen und vorgegebene Ziele zu verfolgen.
Günstig, aber nicht umsonst

Teambildung muss nicht teuer sein!

Bevor Sie als Projektleiter mit der operativen Arbeit im Projekt beginnen können, müssen Sie zunächst dafür sorgen, dass sich Ihre Mitarbeiter zu einem funktionierenden Team zusammenfinden. Dr. Matthias Eberspächer stellt Ihnen hierfür drei Gruppenspiele vor, die Sie mit wenig Vorbereitung während eines Kick-off durchführen können. So lernen sich die Teammitglieder gegenseitig kennen und Sie können herausfinden, ob die Zusammensetzung Ihres Teams passt. Beobachten Sie in einem spielerischen Kontext, wie Ihre Mitarbeiter vorgehen, um Aufgaben zu lösen und vorgegebene Ziele zu verfolgen.

Endlich darf ich mein erstes Projekt leiten: Mit dem Auftraggeber habe ich die Ziele vereinbart, eine erste Planung aufgesetzt und die Projektmitarbeiter zusammen mit der Personalabteilung ausgewählt. Jetzt kann es ja losgehen, oder?

Moment, da habe ich doch erst neulich etwas darüber gelesen, was gute Teams ausmacht, und dass sich die Mitglieder erst einmal kennenlernen und informelle Rollen besetzen müssen, damit die Zusammenarbeit im Team gut funktioniert ("Was macht ein gutes Projektteam aus?", Projekt Magazin 22/2012). Aber wie unterstütze ich diese Teambildung am besten?

Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er mit seinem neuen Projektteam an einem Wochenende ein Floß gebaut hat. Das Team ist dann mit dem Floß ein Stück die Isar hinuntergefahren, hat am Abend gemeinsam gegrillt und gezeltet. Er war davon ganz begeistert. Alle hätten sich prima verstanden und hätten danach gleich vom ersten Tag an gut zusammengearbeitet. Muss ich nun auch so ein aufwändiges und bestimmt nicht preiswertes Wochenend-Event organisieren? Dafür ist doch gar kein Budget vorgesehen!

Kennen Sie das auch? Eine erste Projektplanung steht, Sie haben Zeit für die Projektinitialisierung eingeplant, aber leider wurde kein Budget für die Teambildung bewilligt.

Unter Projektleitern und -mitarbeitern ist es eine weit verbreitete Annahme, dass Teambildung nur erfolgreich ist, wenn die Mitglieder des Teams mehrtägige Ausflüge unternehmen oder gemeinsame Abenteuer erleben (siehe z.B. Stehr, 2012). Die Bereitstellung des Budgets für diese Art von Teambildung stellt häufig eine erste Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Projektleiter und Auftraggeber dar.

Natürlich bietet eine entspannte (oder kontrolliert gespannte) Urlaubs- oder Ausflugssituation vielfältigere und unterhaltsamere Möglichkeiten zur Teambildung als ein Meeting in einem Besprechungsraum. Trotzdem müssen Sie als Projektleiter mit Ihrem Team nicht unbedingt gemeinsam in den Kletterwald oder zum Segeln gehen: Die Mitglieder eines Teams können sich auch im Rahmen eines Kick-off-Workshops bei spannenden Spielen im Besprechungsraum kennenlernen – im Idealfall haben diese Gruppenspiele auch etwas mit dem Projektgeschäft zu tun. Ein oder zwei Gruppenspiele eignen sich auch hervorragend als Überleitung, um dann im Rahmen des Workshops die notwendigen Spielregeln für die Zusammenarbeit als Projektteam zu vereinbaren.

Dazu ist es nicht nur relevant zu wissen, welches Teammitglied über welche fachliche Erfahrung verfügt oder das größte Methoden-Know-how mitbringt. Viel wichtiger ist es zu beobachten,

  • wer die Witze macht und wer über sie lacht,
  • wer hilfsbereit ist,
  • wer eher die Führung übernimmt und wer sich einordnet
  • wer für die Gruppe spricht,
  • wer gute Ideen hat und wer sie durchsetzen kann.

So können Sie ein Gefühl dafür bekommen, welcher Mitarbeiter wahrscheinlich welche informelle Rolle im Projektteam einnehmen wird. All das liefert Ihnen als Projektleiter auch wertvolle Hinweise, ob Ihre Mitarbeiter über ausreichend komplementäre Eigenschaften verfügen, um zu einem erfolgreichen Team zusammenzuwachsen, bzw. welche Fähigkeiten im Team eventuell noch fehlen.

Für Gruppenspiele gilt allerdings der allgemeine Vorbehalt, dass die gewonnenen Erkenntnisse in einer Spielsituation gesammelt werden. Viele Menschen verhalten sich in einem Spiel anders als im richtigen Leben: Kreuzbiedere Beamtenseelen verwandeln sich im Rollenspiel plötzlich in blutrünstige marodierende Hasardeure! Es ist wichtig, diese Einschränkung im Hinterkopf zu behalten. Deshalb dienen diese Spiele auch vorrangig dem besseren gegenseitigen Kennenlernen und erst in zweiter Linie dazu, Ihnen als Projektleiter konkrete Erkenntnisse für die Einsatzplanung Ihrer Mitarbeiter zu liefern. Auch ersetzen sie natürlich nicht die gemeinsame Abstimmung der funktionalen Rollen im Projekt.

In diesem Artikel möchte ich drei Gruppenspiele vorstellen, mit denen ich sowohl als Projekt- und Spielleiter als auch als Mitspieler gute Erfahrungen gemacht habe. Wenn Sie sich neben Ihrer Projektleiterrolle auch als Teammitglied ansehen, das operativ mitarbeitet, und deshalb innerhalb des Teams platzieren möchten, sollten Sie für die Durchführung der Spiele einen externen Spielleiter hinzuziehen, um selbst mitspielen zu können. Geben Sie als Projektleiter "nur" die Planung vor und arbeiten nicht selbst im Team mit, sollten Sie nicht mitspielen.

Bewertungen und Kommentare

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Kommentare 6

Alle Kommentare

Daniel
Pottinger
Guter Artikel, der initial unterstützen kann. Die Einleitung ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Sadri
Hakki
Gute Ideen!
Ortrud
Deutscher
Abwechslungsreiche Ideen, kurz, knapp und gut erklärt.
Georg
Hannig
Die Spielideen sind echt nett und vermutlich sehr hilfreich für die Teambildung wenn man wenig Budget hat oder die Teammitglieder schon des Öfteren in Projekten mitgearbeitet haben und wenig Lust auf externe Teambildungsworkshops haben (Bei einigen Kollegen kommt bei sowas direkt ein kontraproduktives "Nicht schon wieder..."). Ich würde den Aufbau der vorgestellten Teambildungsmaßnahmen jedoch etwas modifizieren. In dem vorgestellten Ablauf bekommt der PL zwar einen kleinen Überblick über die Eigenschaften seiner Teammitglieder, wird selbst jedoch nicht in das Team integriert, da er sich aus allen Maßnahmen raushält. Ein Moderator ausserhalb des Projektteams könnte da hilfreich sein, bzw. der PL neben der Moderation selbst auch aktiv teilnehmen.
Guest
Hallo Herr Hannig, vielen Dank für das positive Feedback! In der Einleitung hatte ich kurz darauf verwiesen, dass abhängig davon, wie der PL seine Rolle im Team sieht, der Einsatz eines externen Spielleiters sinnvoll sein kann. Dies empfiehlt sich aus meiner Erfahrung z.B. in Projekten mit "teamzentrierter" Organisation. Scrum ist hierfür ein Beispiel aus dem Bereich der IT-Projekte; aber beispielsweise auch in Beratungsprojekten mit nur einer handvoll Projekt-Mitarbeiter ist die Rolle des Projektleiters häufig die eines "primären Ansprechpartners" der weitgehend gleichberechtigt im Team mitarbeitet. In diesen Fällen ist es zu empfehlen, dass der Projektleiter als Teil der Gruppe an den Spielen teilnimmt. Wenn der Projektleiter im Projekt jedoch eine eindeutige Führungsrolle/Vorgesetztenfunktion hat, würde ich eher auf einen Spielleiter verzichten. Hier kann der Projektleiter als unparteiischer Moderator der Gruppenspiele bereits seinen Führungsanspruch platzieren: Die Gruppe wird ihn als Spielleiter in der Regel widerspruchslos annehmen, damit hat er dann auch einen Akzeptanzvorsprung für seine Rolle als Projektleiter.
Guest
Gute Tipps, die aber von einem Projektleiter einiges verlangen, der nicht geübt ist in der Moderation solcher Dinge. Besser, er holt sich dafür Unterstützung.
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