Business Storytelling in der Projektkommunikation Ist es gefährlich, wenn ich mit meiner Projektstory Emotionen wecke?

Eine gute Geschichte weckt Emotionen. Das gilt auch fürs Storytelling, wenn man als Projektleiter wichtige Stakeholder vom Nutzen seines Projekts überzeugen will. Sigrid Hauer erklärt, warum es zulässig ist, die Zuhörer auf der Ebene der Gefühle anzusprechen und warum das auch dann nicht zur Belastung wird, wenn das Projekt kriselt.

Business Storytelling in der Projektkommunikation Ist es gefährlich, wenn ich mit meiner Projektstory Emotionen wecke?

Eine gute Geschichte weckt Emotionen. Das gilt auch fürs Storytelling, wenn man als Projektleiter wichtige Stakeholder vom Nutzen seines Projekts überzeugen will. Sigrid Hauer erklärt, warum es zulässig ist, die Zuhörer auf der Ebene der Gefühle anzusprechen und warum das auch dann nicht zur Belastung wird, wenn das Projekt kriselt.

Botschaften über Geschichten zu transportieren ist charmant: Selbst komplexe Inhalte werden über eine Geschichte unterhaltsam und leicht verständlich. Für ein Projekt kann das wichtig sein, wenn es auf die Unterstützung von Stakeholdern angewiesen ist, die den Projektinhalt aufgrund seiner Komplexität nicht vollkommen begreifen. Eine gute Geschichte vereinfacht daher, was zulässig ist, weil die Stakeholder nicht alle Details nachvollziehen können müssen – aber sie müssen vom Nutzen des Projekts überzeugt sein.

In einer Diskussion auf einer Veranstaltung des PMI habe ich mit erfahrenen Projektmanagern den Einsatz von Storytelling hinterfragt und es kamen einige interessante Aspekte zum Vorschein, die ich gerne aufgreifen möchte, weil sie immer wieder Gegenstand von Diskussionen sind und zu falsch verstandenem Einsatz von Storytelling führen.

Storytelling braucht Emotionen – und mehr!

Es gibt eine Grundregel im Storytelling, die nicht verhandelbar ist: Damit sie glaubwürdig sind, braucht eine Geschichte Emotionen. In der Diskussion darüber, welch Emotionen man in der Kommunikation über ein Projekt einsetzen kann, kamen wir schnell auf das Beispiel des Auto-Werbespots: Dieser liefert tolle Bilder, die unterlegt sind mit mitreißender Musik, zusammen komponiert zu einem wunderbar anzuschauenden visuellen Erlebnis, das Emotionen weckt.

Doch das ist kein Storytelling! Das ist klassisches Marketing, das über Bilder gezielt die gewünschten Emotionen weckt. Held, Problem und Drama werden nur angedeutet und auch die "Lösung" ist denkbar simpel: "Kaufe mein Produkt!". Das ist legitim und Emotionen sind wichtig, aber Storytelling kann viel mehr, was für Projekte wichtig ist: Zusammenhänge und Hintergründe anschaulich erklären.

Wird eine tolle Geschichte zur Belastung, wenn es im Projekt mal hakt?

Diese Feststellung meinerseits führte gleich mehrere Projektmanager zur nächsten Frage: "Wenn wir eine mitreißende Geschichte über den Nutzen unserer Projekte erzählen und damit Begeisterung erzielen, ist das toll. Aber falls dann im Projekt etwas schief geht, wie es ja fast immer der Fall ist, stehen wir dann nicht als unglaubwürdig da? Wenn wir im Statusreport erklären, was gerade nicht nach Plan läuft und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, dann stimmt unsere Geschichte doch nicht mehr."

"Nein", antwortete ich, wenn Ihr nach wie vor von Ziel und Nutzen Eures Projekts überzeugt seid, dann stimmt die Geschichte an sich noch immer. Auch wenn die Begeisterung gerade von Anspannung oder Ärger über die Krise verdeckt wird. Das ist menschlich. Und ich bin sicher, jeder kennt diese Phasen in Projekten. Das ändert aber nichts an der allgemeinen Begeisterung für den Nutzen eines sinnvollen Projekts.

Storytelling zur Krisenkommunikation?

Beim Storytelling ist auch die Wahl des richtigen Zeitpunkts wichtig: Wenn das Projekt gerade in einer Krise steckt, sind lustige Geschichten und Anekdoten nicht angebracht. Niemand erträgt dann positive Geschichten, weil die Emotionen unecht sind. Eine schwierige Situation im Projekt kann eine ganze Menge negative Emotionen mit sich bringen, von Ärger über Enttäuschung und Frust. Diese Gefühle verschwinden nicht durch eine nette Geschichte. Das ist falsch verstandenes Storytelling.

Der Ärger über eine Projektkrise verschwindet erst, wenn die Ursache beseitigt wird. Das ist Projektmanagement und manchmal auch harte Arbeit. Storytelling ist dann wieder nützlich, wenn es darum geht, diese Erfahrung so weiterzugeben, das andere Projektteams davon profitieren können.

Mut zu ehrlichen Emotionen zahlt sich aus!

Über Emotionen in Projekten zu reden, ist nicht gefährlich. Aber nicht ehrlich gemeinte Emotionen in eine Story zu verpacken, ist gelogen. Gutes Storytelling funktioniert nur mit ehrlichen Emotionen. Und die dürfen auch mal negativ sein, wenn dies der Situation entspricht.

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