Walt-Disney-Methode

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Walt-Disney-Method

Die Walt-Disney-Methode ist eine Kreativitäts-Methode in Form eines Rollenspiels, bei dem eine oder mehrere Personen sich aus den drei Perspektiven eines Träumers, eines Realisten und eines Kritikers Gedanken zu einem Problem zu machen, Ideen generieren und diese verfeinern. Aus der Perspektive des Träumers wird eine Vision entwickelt. Die Rolle des Realisten beschreibt Maßnahmen, um diese Vision umzusetzen. Die so entstandenen Konzepte werden aus dem Blickwinkel eines Kritikers geprüft. Dessen Fragen und Einwände werden an den Träumer weitergegeben, der die Vision dementsprechend anpasst. Dieser Kreislauf wird solange fortgesetzt, bis das Ergebnis den gesteckten Anforderungen und Zielen entspricht oder keine neuen relevanten Ergebnisse entstehen.

Walt-Disney-Methode

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Walt-Disney-Method

Die Walt-Disney-Methode ist eine Kreativitäts-Methode in Form eines Rollenspiels, bei dem eine oder mehrere Personen sich aus den drei Perspektiven eines Träumers, eines Realisten und eines Kritikers Gedanken zu einem Problem zu machen, Ideen generieren und diese verfeinern. Aus der Perspektive des Träumers wird eine Vision entwickelt. Die Rolle des Realisten beschreibt Maßnahmen, um diese Vision umzusetzen. Die so entstandenen Konzepte werden aus dem Blickwinkel eines Kritikers geprüft. Dessen Fragen und Einwände werden an den Träumer weitergegeben, der die Vision dementsprechend anpasst. Dieser Kreislauf wird solange fortgesetzt, bis das Ergebnis den gesteckten Anforderungen und Zielen entspricht oder keine neuen relevanten Ergebnisse entstehen.

Walt-Disney-Methode

Einsatzmöglichkeiten

  • Konkretisierung von Zielen und Visionen, um deren Umsetzung realistisch zu gestalten
  • Entwicklung von Produkten und Dienstleitungen
  • Lösung von Problemen und Konflikten
  • Erarbeiten von Optionen für Entscheidungen
  • Suche nach Innovationen
  • Entwicklung neuer beruflicher Optionen in der Karriereplanung

 

Ergebnisse
  • Produktidee oder Idee für eine Dienstleistung
  • Lösungsvorschlag für ein Problem
Vorteile
Durchbricht vorhandene Denkstrukturen
schnell erlernbar
Grenzen, Risiken, Nachteile
Die Walt Disney Methode bildet im Ideenfindungsprozess nur die Ideenfindung ab. Die Prozessschritte Analyse, Zieldefinition und Umsetzung müssen außerhalb der Methode durchgeführt werden.
vergleichsweise hoher Zeitaufwand
Voraussetzungen
  • Die beteiligten Personen müssen dazu bereit und fähig sein, sich gut in die unterschiedlichen Perspektiven hineinzuversetzen.
  • Offenheit für neue und ungewohnte Ergebnisse
  • Bereitschaft, eingefahrene Denkweisen zu verlassen
Qualifizierung

Die Methode kann ohne spezielle Vorkenntnisse eingesetzt werden. Es ist aber sinnvoll, dass sie von einer Person angeleitet wird, die Erfahrung in der Moderation von Gruppen hat und die Vorgehensweise der Methode kennt und ggf. selbst als Teilnehmer erlebt hat.

Benötigte Informationen

Beschreibung des Problems oder der Aufgabenstellung

Benötigte Hilfsmittel
  • Raum, in dem die dreifache Anzahl der tatsächlich Teilnehmenden Platz hat
  • 3 Flip-Charts oder Pinnwände, Moderationsmaterial
Herkunft

Die Methode wurde 1994 von Robert B. Dilts (Dilts, Robert B.; Epstein, Todd und Dilts, Robert W.: Know-how für Träumer. Strategien der Kreativität – NLP & Modelling – Struktur der Innovation. Junfermann Verlag, Paderborn 1994) beschrieben, der durch die Persönlichkeit Walter "Walt" Disneys dazu angeregt wurde. Er schrieb "Tatsächlich gab es drei Walts: den Träumer, den Realisten und den Miesepeter".

Durchführung: Schritt für Schritt

Bei der Walt-Disney-Methode nehmen mehrere Personen nacheinander drei unterschiedliche Sichtweisen ein und durchlaufen dabei einen Kreativitätsprozess an dessen Ende Lösungsvorschläge für die Fragestellung oder das Problem stehen.

Die drei Sichtweisen in der Walt-Disney-Methode sind:

  • Die Sicht des Träumers (Herz): Die Sicht des Träumers ist notwendig, um kreativ neue Ideen und Ziele zu entwickeln. Aus dieser Sicht wird die Frage beantwortet: Was soll erreicht werden?
  • Die Sicht des Realisten (Hand): Die Sicht des Realisten ist notwendig, um die Ideen in konkret ausführbare Handlungen umzuwandeln. Aus dieser Sicht wird die Frage beantwortet: Wie soll es erreicht werden?
  • Die Sicht des Kritikers (Kopf): Die Sicht des Kritikers ist notwendig, um Hindernisse und Risiken zu erkennen und Impulse für Veränderungen an der Idee zu geben. Aus dieser Sicht wird die Frage beantwortet: Wie soll es erreicht werden.

Im Folgenden wird die Durchführung mit einer Gruppe beschrieben. Die Methode kann aber auch von einer einzelnen Person durchgeführt werden. Dies ist als Variante der Methode beschrieben.

 Bild 1: Übersicht über die Vorgehensweise bei der Walt-Disney-Methode

Bild 1: Übersicht über die Vorgehensweise bei der Walt-Disney-Methode

Beispiel: Buch über die Geschichte des Projektmanagements

Als Beispiel zur Erläuterung der Methode dient uns die folgende Situation: Bei der Vorbereitung auf Ihre Projektmanagement-Zertifizierung stellen Sie fest, dass es verschiedene Projektmanagement-Richtungen gibt und diese sich im Laufe der Zeit erheblich verändert haben. Allerdings finden Sie dafür keine übergreifende und zufriedenstellende Literatur. Sie haben die Idee, ein Buch über die Geschichte des Projektmanagements zu schreiben. Mit Hilfe der Walt-Disney-Methode wollen Sie nun diese Idee weiter entwickeln und auf ihre Machbarkeit überprüfen.

Schritt 1: Bereiten Sie das Rollenspiel vor!

Richten Sie den Raum ein

Stellen Sie für die Rollenspieler in drei Ecken des Raums Stuhlkreise, sodass in jeder Ecke jeweils alle Teilnehmer auf einem Stuhl Platz nehmen können. Stellen Sie in die Nähe der Stuhlkreise ein Flip-Chart oder eine Pinnwand. Legen Sie Visualisierungsmaterial (Stifte, Moderationskarten) bereit.

Falls möglich, gestalten Sie die drei Ecken im Charakter der jeweiligen Rolle aus – Hinweise hierfür finden Sie im Abschnitt "Tipps".

Erklären Sie die Methode

Erklären Sie den Rollenspielern die Vorgehensweise der Walt-Disney-Methode. Wichtig ist, dass Sie folgende Punkte erläutern:

  • Die Idee: Perspektivenwechsel im Rollenspiel
  • Die drei Rollen: "Träumer", "Realist" und "Kritiker"
  • Der Ablauf: Die Teilnehmer nehmen nacheinander die Rollen ein und beschäftigen sich aus dieser Sicht mit dem Problem oder Thema
  • Die Zeitplanung: Jede Phase dauert 15-20 Minuten.

Damit die Teilnehmer sich gut in die jeweilige Rolle einfinden können, sollten Sie die Teilnehmer in einem kurzen Probelauf alle Rollen durchleben lassen. Hierbei genügt eine Zeit von fünf bis zehn Minuten für jede Phase. In der Rolle des Träumers können die Teilnehmer sich an einen schönen, kreativen Moment aus ihrem Leben ins Gedächtnis rufen. Nach einer kurzen Pause wechselt die Gruppe in die Ecke der Realisten. Hier sollten sich die Teilnehmer an eine Situation erinnern, in der sie ein Problem praktisch gut gelöst haben. Abschließend setzen sich die Teilnehmer nach einer weiteren kurzen Pause in die Ecke der Kritiker und versetzen sich in eine Situation, in der sie z.B. ein Konzept kritisch analysiert und hinterfragt haben.

Schritt 2: Führen Sie das Rollenspiel durch!

Das Rollenspiel beginnt mit der Sichtweise des Träumers. Dazu setzen sich die Teilnehmer in die Ecke des Träumers.

Sichtweise des Träumers

In der Rolle des Träumers schildert die Gruppe das Thema oder die Lösung des Problems aus einer visionären Sicht. Dabei spielen Beschränkungen keine Rolle. Das Motto in dieser Phase ist: "Alles ist möglich."

Die Gruppe sollte das Problem enthusiastisch und frei von Zwängen betrachten und kreative Lösungen entwickeln. In dieser Rolle sind die Teilnehmer kindliche Visionäre, die einen erstrebenswerten Zustand erträumen. Aus dieser Perspektive ist es nicht wichtig, wie realistisch die Vorschläge sind. Es kommt darauf an, möglichst viele Ideen zu entwickeln. Jeder noch so verrückt wirkende Ansatz kann eine Chance für eine neue Idee darstellen.

Teilnehmer, die sich in die Rolle des Träumers sind, haben den Kopf erhoben und ihren Blick nach oben gerichtet.

Um die Teilnehmer zu diesem visionären Denken anzuregen, können Sie diesen die folgenden Fragen stellen:

  • Was möchten Sie tun?
  • Was wäre schön?
  • Wie sieht die ideale Situation aus?
  • Wie verändert sich dadurch die gegenwärtige Situation? Was ist mein Traum dazu?
  • Was fällt mir dazu ein?
  • Was wäre völlig verrückt?

Die Visionen können sich Teilnehmer dann besonders gut vergegenwärtigen, wenn Sie diese nicht als Wunsch, sondern als bereits eingetretene Tatsache beschreiben.

Jeder Teilnehmer kann in dieser Phase zunächst zehn Minuten lang eigene Ideen entwickeln. In den anschließenden zehn Minuten tauschen die Teilnehmer ihre Ideen aus und halten diese auf Moderationskarten fest.

Beispiel

Ich schreibe ein Buch, in dem die Geschichte des Projektmanagements dargestellt wird, das aber gleichzeitig die entstandenen Vorgehensweisen und Methoden erklärt. Es erscheint als gebundenes Buch bei einem renommierten Fachverlag. Das Buch wird ein Riesenerfolg und kommt in die Top-10-Listen für Managementliteratur. Es wird in mehrere Sprachen übersetzt, sogar in Mandarin. Dadurch werde ich international als Fachautor für Projektmanagement bekannt. Es wäre toll, wenn das Buch mit Sozialen Medien wie Facebook oder YouTube verbunden wird. Völlig verrückt wäre, wenn das Buch verfilmt würde.

Sichtweise des Realisten

In der Rolle des Realisten richtet die Gruppe ihren Blick darauf, wie die Vision realisiert werden kann. Sie entwickeln aus dieser Sichtweise heraus einen Lösungsweg. Dabei gehen die Teilnehmer davon aus, dass die Ideen schon beschlossen sind und jetzt umgesetzt werden sollen. Das Motto dieser Phase ist: "Umsetzung jetzt!"

Die Sicht des Realisten ist der Gegenpart zur der Sicht des Träumers. Der Realist sieht immer, wie eine Idee realisiert werden kann und welche Schritte dazu notwendig sind. Der Realist ist der Macher, der die Dinge in die Hand nehmen will. Diese Rolle baut die Brücke zwischen Fantasie und Realität. In dieser Rolle wird ein Plan zur Umsetzung erarbeitet: Dazu wird notiert, welche Maßnahmen für die Umsetzung notwendig, welche Mittel bereits vorhanden, welche Qualifikationen dazu erforderlich sind, und welche Menschen bei der Umsetzung helfen können.

Teilnehmer, die sich in die Rolle des Realisten sind, haben den Kopf leicht vorgebeugt und richten den Blick nach vorne.

Mit den folgenden Fragen können Sie den Teilnehmern helfen, einen realistischen Blick auf die zuvor entwickelte Vision zu entwickeln:

  • Was fühle ich bei dieser Vision?
  • Welche Infos fehlen noch?
  • Wie kann realisiert werden, was der Träumer sich ausgedacht hat? Was muss getan werden?
  • Wer kann die Idee umsetzen? Wer kann bei der Umsetzung helfen?
  • Welche Fähigkeiten und Qualifikationen können für die Umsetzung eingesetzt werden?
  • Welche Grundlagen sind bereits vorhanden?
  • Was wird für die Umsetzung darüber hinaus benötigt?
  • Woran kann man messen, dass die Vision umgesetzt ist?
  • Kann der Ansatz getestet werden?

Die Maßnahmen zur Umsetzung werden auf Moderationskarten geschrieben.

Beispiel

Bei der Vision eines Geschichtsbuchs über Projektmanagement kommt Freude auf. Es muss noch genau beschrieben werden, wie das Buch gestaltet werden soll (mit Bildern, Originaltexten, Zitaten, Interviews). Es muss recherchiert werden, ob genügend Quellen und Informationen für den Inhalt vorhanden sind, ein Exposé muss erarbeitet und ein Verlag gesucht werden. Bereits renommierte Autoren zum Thema könnten als Co-Autoren gewonnen werden. Eine Agentur könnte helfen, einen Verlag zu finden. Es gibt Präsentationen im Internet, welche die Geschichte des Projektmanagements kurz darstellen. Die Vision ist umgesetzt, wenn das Buch erschienen ist. Der Ansatz könnte getestet werden, indem Artikel zur Geschichte des Projektmanagements in einer Projektmanagementzeitschrift veröffentlicht würden.

Sichtweise des Kritikers

In dieser Rolle nimmt die Gruppe die Sichtweise des "Schwarzsehers" ein. Die Teilnehmer richten Ihren Blick auf die Probleme und Hindernisse. Dabei setzen sie sich jedoch konstruktiv mit den Ideen auseinander. Das Motto dieser Phase ist: "Einwände willkommen".

Der Kritiker fordert die Idee heraus und prüft, ob sie umsetzbar ist. Damit werden mögliche Fehlerquellen identifiziert. Der Kritiker in uns analysiert die Ideen und sucht nach logischen Fehlern und möglichen Problemen. Er entdeckt die Hürden, welche eine Umsetzung verhindern. Es eine konstruktive Kritikerrolle, dessen Kritik besonnen ist und mit der Aufdeckung von Problemen mögliche Überraschungen bei der Umsetzung vermeiden will.

Teilnehmer, die sich in die Rolle des Kritikers sind, haben die Kopf leicht schräg nach unten gerichtet und blicken nachdenklich zum Boden.

Mit den folgenden Fragen können Sie den Teilnehmern helfen, einen kritischen Blick auf die zuvor entwickelte Vision zu entwickeln:

  • Was wurde übersehen? Wie denke ich über den Vorschlag?
  • Was halte ich für möglich? Was soll oder kann nicht realisiert werden?
  • Was kann gar nicht funktionieren und ist einfach nur Träumerei?
  • Was könnte verbessert werden? Was wurde übersehen? Wo liegen die Schwächen?
  • Welches sind die Chancen und Risiken?

Die Einwände und Kritiken werden auf Moderationskarten geschrieben.

Beispiel

Der Vorschlag ist gut, jedoch sind Projektmanager mehr an den Inhalten interessiert als an der Geschichte ihrer Entstehung. Es wurde übersehen, zu analysieren, welche Zielgruppe das Buch haben kann. Das Schreiben des Buchs ist durchaus realistisch, jedoch dafür einen Verlag zu finden wird schwer werden, da es ein Thema mit geringem Leserkreis ist. Eine Verfilmung ist völlig unrealistisch. Dazu ist das Thema zu speziell. Die Schwächen liegen darin, dass nicht klar ist, wer das Buch lesen soll oder wie das Buch geschrieben werden muss, damit sich auch Projektleiter dafür interessieren. Das Buch hat die Chance, dass es das Wissen über Projektmanagement bereichert, jedoch die Schwäche, dass nicht klar ist, ob es für den Inhalt genügend Quellen gibt.

Eine neue Runde starten

Die in der Rolle des Realisten und des Kritikers gewonnen Erkenntnisse sind die Grundlage für eine neue Runde. Die Teilnehmer nehmen wieder die Rolle des Träumers ein und entwickeln Lösungen für die Hindernisse. Danach nehmen die Teilnehmer wieder die Rollen des Realisten ein, und entwickeln Vorstellungen für die Umsetzung der neu gewonnen Ideen. Danach betrachten Sie die neu gewonnen Ideen aus der Rolle des Kritikers. Dieser Kreislauf wird solange fortgesetzt, bis eine in sich schlüssige, zufriedenstellende und umsetzbare Idee entwickelt ist.

Praxistipps ...

Varianten ...

Fachartikel zur Methode

Lassen Sie sich von Walt Disney helfen! Diese ungewöhnliche Methode verwendete er als eine Strategie zur Entwicklung neuer Ideen.

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